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Erlanger Handwerk sucht dringend Fachkräfte

Personalmangel ist in der Stadt angekommen - 27.10.2018 07:00 Uhr

Auch Bäckereiverkäuferinnen sind Fachkräfte, die in vielen Betrieben fehlen. © Friso Gentsch/dpa


Die rund 180 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der insolventen Nürnberger Bäckerei Entner haben schnell neue Stellen gefunden. Ob dazu das allgemeine gute wirtschaftliche Klima oder die Personalnot der anderen Bäcker beitrug, ist nicht zu belegen.

Dass die "Not überall groß ist", weiß auch Wolfgang Mevenkamp. Es werden ja nicht nur Bäckereifachverkäuferinnen und -verkäufer gesucht, der Mangel an Fachkräften hat inzwischen alle Branchen erfasst. "Und", sagt Mevenkamp, "es geht weiter."

Denn die geburtenstarken Jahrgänge der zwischen 1955 und 1969 Geboreren werden auch in Rente gehen. "Wenn die Babyboomer sich in den Ruhestand verabschieden", kommt nichts nach", sagt Mevenkamp.

Er kann das gut bei den Gesellenfeiern der jeweiligen Handwerke beobachten. Weil den Betrieben die Zahl der Auszubildenden rückläufig sei, würden jedes Jahr weniger Gesellen geprüft. Zwar habe sich die Zahl der Gesellen in den vergangenen Jahren "auf niedrigem Niveau stabilisiert", so Mevenkamp, "es kommt aber auch kein Nachwuchs bei den Handwerksbetrieben nach."

Allein für Erlangen reiche die Zahl der Gesellen zum Beispiel beim Baugewerbe nicht aus, um die Nachfrage momentan zu befriedigen, so Mevenkamp.

Dass der Kalchreuther Bäcker eine Filiale wegen Personalmangel schließt, ist für Wolfgang Mevenkamp "absolut plausibel". Denn auch Verkäuferinnen und Verkäufer in Bäckergeschäften mussten extra geschult werden. Mehrere Nachfragen der Redaktion zur geschlossenen Filiale in der Hauptstraße wurden vom Kalchreuther Bäcker nicht beantwortet.

Der Fachkräftemangel betrifft aber nicht nur Bäcker. Obwohl das Baugewerbe zurzeit sehr beschäftigt ist, hängen an nahezu jeder Baustelle Stellenangebote: Maurer, Zimmerer, Stukkateure oder Anlagenmechaniker. "Die Not ist überall groß", sagt Wolfgang Mevenkamp. Auch das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) vertritt überwiegend die Meinung, dass Fachkräftemangel sich zu einem ernst zu nehmenden Problem entwickele.

Auch wenn es der Wirtschaft momentan sehr gut gehe, warnt Mevenkamp davor, dies überzubewerten: "Die Wahrnehmung täuscht", es fehlen überall Fachkräfte. "Wir werden uns noch wundern, was auf die Wirtschaft in den nächsten Jahren zukommt."

Vielleicht kommen ja doch Facharbeiterinnen und Facharbeiter aus dem Ausland, um die freien Stellen zu besetzen: Die Große Koalition plant ein Gesetz zur Zuwanderung von Fachkräften, bei dem auch die jeweiligen Ausbildungen in Deutschland anerkannt werden könnten.

Abhilfe könnte auch eine Gesetzesänderung schaffen: Denn immer wieder werden integrierte Ausländer abgeschoben, weil sie kein Asyl bekommen. Auch so werden Fachkräfte aus den Betrieben genommen.

 

Egbert M. Reinhold

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