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Dienstag, 04.08.2020

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Erlangen: Streit um Denkmal in Kriegenbrunn hält an

Heimat- und Geschichtsverein kritisiert den Umgang mit der Wehrkirche - 14.07.2020 20:00 Uhr

Der Neubau eines Wohnhauses in Kriegenbrunn ist laut Gerichtsurteil notwendig. Denkmalschützer sind davon wenig begeistert. © Archivfoto: Edgar Pfrogner


Der "Tag des offenen Denkmals" am 13. September ist unter das Motto "Chance Denkmal: Erinnern. Erhalten. Neu denken" gestellt. Dieses Motto könnte gerade im Vorort Kriegenbrunn wie Hohn wirken, ist doch dort ein veritabler Streit um den Denkmalschutz entstanden. Ausgelöst hat ihn ein – genehmigter – Neubau eines Wohnhauses unmittelbar neben der Wehrkirche St. Johannis, der der renovierungsbedürftigen Kirchenmauer so nahe rückt, dass die überfällige Sanierung der Mauer scheitern könnte.

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Nach dem Vorsitzenden des Bayerischen Landesdenkmalrats und frühere Staatsminister Thomas Goppel, der in einem Brief an Oberbürgermeister Florian Janik von einem "Substanzverlust örtlicher Einmaligkeit in Kriegenbrunn" spricht, hat sich nun auch die Leiterin des Frauenauracher Museums im Amtshausschüpfla, Jutta Triantafyllidis, in ihrer Eigenschaft als Vertreterin des Arbeitskreises Frauenaurach im Heimat- und Geschichtsverein Erlangen, eingeschaltet. Dort engagiere man sich Jahr für Jahr um den Erhalt alter, gewachsener Bausubstanz, "aber Erlangen enttäuscht uns immer wieder", wie sie schreibt.

Ein besonders trauriges Beispiel sei dafür die Bautätigkeit im alten Dorfkern von Kriegenbrunn, wo der noch erhaltene Teil der alten Wehrmauer, die einst die kleine Johannis-Kirche komplett umschloss, in Gefahr sei durch einen Neubau, der ein altes, der Umgebung angepasstes Haus, ersetzen soll. Das einstige Ensemble werden durch den massiven Neubau (für fünf Parteien) völlig zerstört – "ein Fremdkörper neben der alten Kirche."

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Auch Thomas Goppel hatte beklagt, durch den Neubau in unmittelbarer Nähe zur Wehrkirche verliere das Kriegenbrunner Gotteshaus seine "historisch gewachsene Substanz" und sein "bisher unverwechselbares Gesicht". Auf Dauer werde damit ein wesentlicher Teil "der örtlichen Seele" preisgegeben, glaubt Goppel.

Die schätzungsweise aus dem 13. oder 14. Jahrhundert stammende Kirche selbst gilt als seltenes Kleinod und ist Johannes dem Täufer gewidmet. Sie ist von Resten einer Wehrmauer umgeben, Kriegenbrunn selbst ist einer der ältesten Ortsteile Erlangens, die Gründung geht wohl bis ins siebte nachchristliche Jahrhundert zurück.

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Juristische Schritte gegen den Neubau scheiterten. Das Verwaltungsgericht Ansbach hatte entschieden, es bestehe ein öffentliches Interesse, die Baugenehmigung zu vollziehen. Gerichtssprecher Alexander Heinold erklärte, die entscheidende Kammer habe keinen Verstoß gegen das baurechtliche Gebot der Rücksichtnahme feststellen können.

pm

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