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Erlangen: Hochschulgemeinde hilft Studierenden

Finanzielle Unterstützung und Beratung für internationale Studenten - 23.06.2019 06:00 Uhr

Studentinnen betrachten die Wohnungsanzeigen am Schwarzen Brett in der Mensa. Allein die Mietkosten übersteigen oftmals die finanziellen Möglichkeiten von Studierenden aus dem Ausland. © Matthias Balk/dpa


Schicksalsschläge wie der Tod der Eltern oder eine ungeplante Schwangerschaft können für das häufig auf Minijobs basierende, fragile finanzielle Gerüst internationaler Studenten eine zu große Last sein. Für sie hat ein Scheitern an der Uni – anders als für viele deutsche Studenten – äußerst dramatische Folgen. Da sie außerdem keine staatlichen Unterstützungen wie BAföG beanspruchen können, kann der Druck, die persönliche Wirtschaft so schnell wie möglich wieder in den Griff zu bekommen, für eine Menge Stress sorgen, unter dem das Studium leidet.

Um zu verhindern, dass dieser Druck übermäßig wird, hilft das Projekt den Studierenden finanziell wieder etwas auf die Beine. Mit dem Übernehmen von grundlegenden Zahlungen wie Miete oder Krankenversicherung sollen die Betroffenen sich mehr auf ihr Studium als auf Geldbeschaffung konzentrieren können. Teils wird auch der Preis für das Semesterticket übernommen, denn viele der Studenten haben Nebenjobs in Nürnberg, die sie nur so kostengünstig erreichen können. Die Zahlung von bis zu 500 Euro, die die Studenten einmal im Jahr in Anspruch nehmen können, ist dabei bloß ein Tropfen auf den heißen Stein, so Harald Kreßmann, Leiter der Katholischen Hochschulgemeinde.

Ungünstige Prüfungszeiträume

Vor allem in den technischen Studiengängen sind die Prüfungszeiträume ungünstig gelegt, so dass die Studenten nicht die Möglichkeit haben, zu arbeiten, um für den Vorlesungszeitraum zusätzlich Geld anzusparen. "Entweder du bestehst die Prüfung, oder du arbeitest", zitiert Kreßmann eine Studentin. Der FAU ist die Problematik bewusst, meint er, und sie unterstützt das Projekt nicht nur durch Spenden, sondern bietet auch eine Plattform, um Aufmerksamkeit am Campus zu schaffen.

Ein weiterer Aspekt der Unterstützung ist die Beratung. Vielen der Studierenden hilft es bereits immens, beim Beratungsgespräch jemanden zu haben, der ihnen zuhört und mit dem sie über ihre Probleme reden können. "Es ist einfach wichtig, dass sie die Möglichkeit haben, von sich zu erzählen", erklärt Kreßmann. Er berichtet, dass so über Jahre ein Vertrauensverhältnis entsteht, und die Studenten gerne wieder kommen, selbst wenn die finanziellen Hilfen nicht mehr möglich sind. Für ihn ist es wichtig, dass sie jemanden haben, der ihnen bei Lebensentscheidungen mit einer gewissen Kompetenz zur Seite stehen kann. Das Ziel bleibt aber, die Beratung so anzulegen, dass sie ihr Studium aus eigenen Kräften schaffen können.

Einen Notfonds für Studenten hat die KHG schon seit über 20 Jahren, aber dieser war mit 10 000 Euro Budget pro Jahr bloß für das allernötigste gedacht. In den letzten Jahren jedoch stieg der Bedarf an Unterstützungszahlungen beachtlich an. Kreßmann vermutet, dass die steigende Anzahl international Studierender an der FAU der Grund dafür ist.

Mittlerweile stehen der KHG pro Jahr etwa 30 000 Euro für das Projekt zur Verfügung. Ein Drittel davon trägt das Erzbistum Bamberg bei. Weitere Spenden kommen vom Freundeskreis der KHG, darunter viele ehemalige Studierende, die dort ihre Studienzeit verbracht haben, den katholischen Pfarreien des Dekanats Erlangen und auch der Uni selbst. Das jährliche Budget reicht aber lange nicht aus, so Kreßmann: Es gibt zu viele Studenten, denen sie keine finanzielle Unterstützung bieten können, da sonst das Geld nicht ausreicht. Deswegen prüfen sie auch sehr genau, ob jemand nur etwas schnorren will, oder wirklich in Not ist.

Studenten, die dringend Unterstützung suchen, lädt Kreßmann ein, einen Termin zum Beratungsgespräch auszumachen. Wer hingegen das Projekt "Studierende in Not" unterstützen möchte, kann dies mit einer Spende tun.

TIM KÖNIG

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