23°

Samstag, 08.08.2020

|

zum Thema

Ein buntes Meer voller Hoffnung in Neunkirchen

In Neunkirchen bauten Pfarrer Joachim Cibura und Religionslehrerin Ute Schleinitz in besonderen Zeiten eine besondere Brücke. - 09.05.2020 08:00 Uhr

Die Kerzen aller 52 Erstkommunionskinder und Kirchenbänke mit 180 bunten Namensschildern: Ute Schleinitz (li.) und Pfarrer Joachim Cibura beim Online-Gottesdienst während der Corona-Pandemie.

© Foto: privat


Was tun? Sich dem Virus beugen? Die Kirchentore schließen, auch keine Gottesdienste mehr halten? Die Zusammenarbeit mit dem lieben Gott, wenn man so will, einfach einstellen? Nein, sagen Joachim Cibura und die Religionslehrerin im kirchlichen Dienst, Ute Schleinitz, in St. Michael in Neunkirchen am Brand, "das geht ja nicht". So begannen sie, Wege zu suchen, wie sie die Botschaft des Herren anders als bisher zu den Menschen bringen können, in die Wohnzimmer und damit in die Herzen. So, wie es sonst vor allem in der Kirche funktioniert.

Bilderstrecke zum Thema

Was ich vermisse: Persönliche Sehnsüchte in der Coronakrise

Erlangerinnen und Erlanger erzählen, was sie in der Corona-Quarantäne am meisten vermissen. Eine Serie in Bildern.


 "Mit diesen Gottesdiensten über Youtube haben wir auch viel Kraft schenken können. Wenngleich das Digitale, so froh wir sind es zu haben, niemals die persönlichen Begegnungen ersetzen kann", sagt Schleinitz.

Was beide weiter sahen, waren die leeren, braunen Kirchenbänke. Schleinitz hatte eine Idee: Spontan rief sie im Familiengottesdienst am Karfreitag dazu auf, bunte Namensschilder zu malen. "Ich dachte mir, wenn wir die auf die Bänke stellen, bauen wir eine weitere Brücke zu den Kindern, die so symbolisch anwesend sein können." Schon am Samstag zur Osterliturgie hatten Gemeindemitglieder 58 bunte Schilder in den Briefkasten geworfen. Zum Familiengottesdienst am Montag waren es 139. 180 bis zum Osterfest.

180 Schilder, 52 Kerzen

Bilderstrecke zum Thema

Gastro, Kita, Sport: Diese Lockerungen gelten nun für Bayern

Nach wochenlangen Verboten und Beschränkungen hat das bayerische Kabinett eine weitreichende Lockerung der harten Anti-Corona-Maßnahmen beschlossen. "Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für ein vorsichtiges Öffnen," sagte Ministerpräsident Markus Söder. Folgende neue Maßnahmen sieht der Freistaat vor.


"An den Kartagen, zur Leidensgeschichte", sagt Joachim Cibura, "waren die kargen Bänke noch der Stimmung angemessen. Aber an Ostern standen wir plötzlich da vorn und blickten auf ein wunderbares, buntes Meer voller Namen." Richtige Kunstwerke seien da dabei gewesen, in stundenlanger Arbeit von den Kindern verziert. Überwältigt vom Zuspruch entwickelten Ute Schleinitz und Pfarrer Cibura weitere Ideen.

So leuchteten fortan die Kerzen aller 52 Erstkommunionskinder zu den Online-Gottesdiensten, sie hatten sie eigens aus den Nachbarpfarreien Dormitz, Kleinsendelbach und Hetzles nach Neunkirchen geholt. Sie verschenkten CDs mit Liedern, damit die Kinder diese in den Wohnzimmern üben und mitsingen können, wenn sie im Gottesdienst erklingen. "Wir bekamen Bilder von Familien, wie sie singen vor dem Fernseher, es flossen sogar Freudentränen bei den Kleinen, die ihre Schilder entdeckten", erzählt Ute Schleinitz – bei denselben Kindern, die zuvor noch furchtbar traurig waren, dass ihre Erstkommunion nicht stattfinden kann.

Bilderstrecke zum Thema

Corona-Krise: Das Foto-Tagebuch aus Erlangen

Die einzige derzeit mögliche Maßnahme, Corona-Virus-Infektionen zu vermeiden, geht nur über die Vermeidung persönlicher Kontakte. Die Folge: Das Alltagsleben in Erlangen wurde "runtergefahren". Seit den ersten Lockerungen nach den Osterferien hat die Staatsregierung das öffentliche Leben sukzessive wieder hochgefahren. Fotograf Harald Sippel zeigt die Situation in einem Bilder-Tagebuch: 120 Tage hat er damit dokumentiert.


"Eines Tages bemerkten wir sogar, dass sich ganz neue Schilder unter die der Kinder geschmuggelt hatten", erzählt der Pfarrer: Kunstvoll kalligrafiert von älteren Gemeindemitgliedern, die auf diese Weise auch ihre Verbundenheit, ihre symbolische Anwesenheit zeigen wollten.

Dankbarkeit lernen

Nun sollen, auch in Neunkirchen, Lockerungen eintreten, wieder Menschen zu den Gottesdiensten kommen. Wenngleich nur unter speziellen Bedingungen.

Bilderstrecke zum Thema

Maskenpflicht, Demos, Kita: Bayerns Corona-Fahrplan im Überblick

Auch in Bayern wird es in Kürze eine Maskenpflicht in Geschäften, Bussen und Bahnen geben. In seiner Regierungserklärung kündigte Ministerpräsident Söder aber noch weitere Neuerungen an.


Ute Schleinitz sagt, sie hoffe, dass die Menschen aus dieser Situation große Dankbarkeit lernen für die vielen vermeintlichen Selbstverständlichkeiten des Lebens, die eben nicht selbstverständlich sind. Sie selbst sieht Pfarrer Cibura und sich selbst nicht als Helden dieser Zeit. Nein, sie hätten schließlich nur versucht Brücken zu Gott bauen, Brücken über diesen Virus hinweg. Auch das sei, so Ute Schleinitz, doch eigentlich eine Selbstverständlichkeit.


Die weltweiten Fallzahlen können Sie an dieser Stelle abrufen. Sie haben selbst den Verdacht, an dem Virus erkrankt zu sein? Hier haben wir häufig gestellte Fragen zum Coronavirus zusammengestellt.


Wir informieren Sie mit unserem täglichen Corona-Newsletter über die aktuelle Lage in der Coronakrise, geben Ihnen Hinweise zum richtigen Verhalten und Tipps zum alltäglichen Leben. Hier kostenlos bestellen. Immer um 17 Uhr frisch in Ihrem Mailpostfach.

Sie bevorzugen Nachrichten zur Krise im Zeitungsformat? Erhalten Sie mit unserem E-Paper-Aktionsangebot immer die wichtigsten Corona-News direkt nach Hause: Ein Monat lesen für nur 99 Cent! Hier gelangen Sie direkt zum Angebot.


Sie wollen in der Coronakrise helfen: Dann sind Sie in unserer Facebookgruppe "Nordbayern hilft" genau richtig!

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Neunkirchen