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Beim Erich Keller: Bergbesucher spießte sich an Zaun auf

Die Stäbe bohrten sich durch den Hals des 29-Jährigen - 18.06.2019 06:00 Uhr

Ein 29-Jähriger verletzte sich schwer an diesem Zaun auf dem Erich Keller. Beim Versuch, darüber zu klettern, rutschte er aus. Die Stäbe bohrten sich in seinen Hals. © Harald Sippel


Es sollte ein Mehr an Sicherheit sein. Und es war das Bestreben, die sogenannte Wildpinkelei zu unterbinden: Vor ein paar Jahren errichtete die Stadt Zäune am nördlichen Randbereich des Erich Kellers in Erlangen. Schlichte Maschendrahtzäune waren es. Gleichzeitig wurden die Geländer behelfsmäßig durch Zusatzgitter erhöht. Dies würden die Sicherheitsvorschriften erfordern, hieß es von Seiten der Stadt. Von kritischen Berg-Besuchern wurde beides heftig kritisiert: Die Stadt habe mit dieser Maßnahme erst ein Sicherheitsrisiko geschaffen, im Fall einer Gefahr, so warnten sie, könne man nicht mehr entweichen.

Inzwischen hat die Stadt den Erich Keller im oberen Bereich komplett umgestaltet. Mit Mauern und Geländern, die aus städtischer Sicht nun allen Sicherheitsvorschriften entsprechen.

Doch ausgerechnet bei einem Zaun, der laut dem städtischen "Bergreferenten" Konrad Beugel ganzjährig auf dem Erich Keller steht und "kein Element der Veranstaltung Bergkirchweih" ist, stellt sich nun die Frage, ob er nicht ein Sicherheitsrisiko darstellt. Denn am zweiten Tag der Bergkirchweih ereignete sich hier ein schwerer Unfall. Er hätte leicht tödlich verlaufen können.

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Bergbesucherin Maria Müller (Name v. d . Red. geändert) denkt nur mit Schaudern an den ersten Freitag der Bergkirchweih zurück. Sie wurde Zeugin des Unfalls. Ein Mann war über den Zaun geklettert, der das Pissoir im nördlichen Bereich des Erich Kellers auf der Rückseite L-förmig umschließt. Er wollte pinkeln und sich dabei vielleicht, wie die Polizei später in ihrem Bericht schrieb, die 50 Cent sparen, die seit diesem Jahr erstmals in mehreren Pissoirs erhoben werden. Vielleicht wollte er aber auch die Warteschlange vermeiden, die sich an dem Pissoir auf dem nördlichen Erich Keller bildet, denn es ist eine der wenigen Toilettenanlagen, wo weiterhin keine Gebühr erhoben wurde, und das hatte sich herumgesprochen.


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Auf jeden Fall konnte er zwar unbeschadet über den Zaun in das Areal hineinklettern, dann aber nicht mehr so ohne Weiteres zurück. Denn der Zaun wurde mit nach oben mehreren Zentimetern herausstehenden Gitterstäben montiert. Und das Areal ist komplett umschlossen. Beim Versuch, sich an den Stäben des Zauns in die Höhe zu ziehen, rutschte der Mann ab. Die Zaunstäbe bohrten sich durch seinen Hals. Zwar schaffte er es, sich selbst wieder hochzuhieven, fiel dann aber blutüberströmt zu Boden.

Die Rettung gestaltete sich schwierig. Die zu Hilfe gerufenen Rettungskräfte mussten über den Zaun klettern, um Erste Hilfe zu leisten. Gemeinsam mit Kräften der Security konnten sie den Verletzten aus dem umzäunten Areal herausheben. Er wurde in die Klinik gebracht und ist, wie es nach bislang noch nicht offiziell bestätigten Quellen heißt, operiert und außer Lebensgefahr.

Es bleibt aber die Frage, ob die Stadt mit der Errichtung des Zauns fahrlässig gehandelt hat. Auch wenn der "Wildpinkler" gar nicht erst über den Zaun hätte klettern dürfen und sich zudem verbotenerweise einfach außerhalb der Toiletten erleichterte.

Konrad Beugel sagt dazu nach Rücksprache mit dem städtischen Bauhof, der den Zaun aufstellte: "Dieser Zaun ist ,state of the art‘". Soll heißen: Solche Zäune seien, so der Referent, absolut üblich und auch an Grundstücken von Privatleuten zu sehen. "Außerdem frage ich erst einmal nach der Selbstverantwortung des Mannes", sagt Beugel. "Überhaupt: Was hat ein erwachsener Homo sapiens da zu suchen?"

Für Maria Müller ist indes klar, dass die Stadt handeln muss. Schließlich wolle man doch Bergbesucher schützen — gerade weil es fraglos so ist, dass sie in angetrunkenem Zustand dazu häufig selbst nicht in der Lage sind.

 

Eva Kettler

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