Dienstag, 15.10.2019

|

Abschied von Extra-Large: Gaiganzer nimmt 116 Kilogramm ab

Seit spezieller OP genießt Christopher Uttenreuther das veränderte Lebensgefühl - 12.03.2019 11:00 Uhr

Auf die Hälfte reduziert: Christopher Uttenreuther zeigt die Hose, die er noch vor seiner Operation getragen hat. © Foto: Petra Malbrich


Christopher Uttenreuther strahlt übers ganze Gesicht: "Es ist wie ein neues Leben", sagt der 32-Jährige. Seine gesamte Situation hat sich geändert, seit er am 20. Dezember 2017 operiert wurde, um sein massives Übergewicht zu verlieren.

Noch beim anderthalbstündigen Arztgespräch vor über einem Jahr, brachte Uttenreuther 233 Kilo auf die Waage. "Da wusste ich, dass ich mich operieren lasse", erinnert sich Uttenreuther, der schon immer ein "starkes" Kind war. Genau da begann seine Leidensgeschichte, denn Hänseleien blieben in der Grundschule nicht aus. Lautstark wehrte sich Christopher gegen die Spötteleien und galt als aggressiv.

Die Kur war ein Flop

Beim Arzt wurde ihm Ritalin verschrieben. Mit sechs Jahren kam Christopher auf Kur. "Das war schlimm für mich", erzählt Uttenreuther. Nicht nur, dass er nach Hause wollte. Eine Tortur war auch, dass die anderen Kinder normal essen durften. Dennoch hat er in der Kur abgespeckt, man sah es und er fühlte es.

Wenige Wochen nach der Diät wog er mehr als zuvor. Eine Erfahrung, die er noch oft in seinem Leben machen sollte. "Man hat das Gefühl, nichts funktioniere auf Dauer", beschreibt Uttenreuther seine früheren Versuche, Gewicht zu verlieren. Freunde hatte er nicht wirklich viele.

Er überlegte, wegzugehen und versuchte es mit einem Versteckspiel. "Als Dicker fällt man auf, wird angestarrt, egal, wohin man geht", erinnert sich Uttenreuther. Also blieb er meist zu Hause, aß Chips, denn es schien ihm ohnehin egal.

Nach der Schule begann Christopher Uttenreuther eine Ausbildung zum Maler und Lackierer, Objekt- und Bautenbeschichter. 170 Kilo wog er, jede Bewegung fiel ihm schwer und die Puste fehlte. Trotzdem fand er eine Freundin. Die beiden bekamen eine Tochter, Sophie-Marie.

"Ich habe mich gefragt, wozu ich eigentlich auf der Welt bin"

Als die Freundin und junge Mutter kurz nach der Geburt verstarb, weil sie eine Lungenembolie bekommen hatte, traf der Schicksalsschlag den Gefährten hart. "Ich habe mich gefragt, wozu ich eigentlich auf der Welt bin", beschreibt der Gaiganzer die Depression.

Wären die eigene kleine Tochter und Fabian, der Sohn, den die Freundin mit in die Beziehung gebracht hatte, nicht gewesen, hätte Christopher heutigen Erinnerungen zufolge für nichts garantieren können.

Ein Jahr nach "Biggest Loser": So geht es Saki heute

Er adoptierte Fabian und nahm für seine Tochter Erziehungsurlaub. Immer wieder verrichtetet er Gelegenheitsarbeiten. Einen richtig festen Job zu bekommen, war unmöglich, mit den vielen Kilos, die Uttenreuther mit sich herumschleppte.

Kein normaler Mensch könne sich vorstellen, wie es ist, wenn man keine Kleider mehr bekomme. Hosen in siebenfacher XL-Größe in Katalogen bestellen zu müssen, empfand er als demütigend. Ein Problem war auch das Zubinden der Schuhe.

Wie in die Schuhe kommen?

"Zunächst stellte ich meine Füße auf der Treppe ab, um die Schuhe zu binden, dann auf dem Schuhschrank", erklärt Uttenreuther. Als das nicht mehr funktionierte, wusste er, es müsste etwas geschehen. Die ganze Palette an Arztbesuchen und Gutachten war eine Mühsal. Uttenreuther war beim Psychologen, beim Orthopäden, beim Herzspezialisten, ließ eine Magenspiegelung vornehmen, besuchte die Ernährungsberatung im Klinikum Forchheim und traf sich dort auch mit den anderen Teilnehmern der Adipositas-Selbsthilfegruppe.

Dann folgte das Gespräch mit dem Arzt. "Ich entschied mich für die Operation, denn alle Diäten und Versuche abzunehmen, hatten nichts gebracht", betont Uttenreuther.

Christopher Uttenreuther, als er noch 233 Kilo wog, mit seinem Neffen Finnjas. © Foto: Uttenreuther


Am 20. Dezember wurde er im Forchheimer Klinikum in den OP-Saal geschoben. Sein Magen wurde verkleinert. Am ersten Weihnachtsfeiertag durfte er nach Hause. "Von da an hat sich mein Leben komplett geändert", behauptet der Patient, der diesen Schritt nicht bereut hat. Noch im ersten Monat hatte er 30 Kilo verloren, 116 Kilo insgesamt.

In der Selbsthilfegruppe hat er Sarah Loskarn kennengelernt. Heuer am Valentinstag hat er ihr einen Heiratsantrag gemacht. In fünf Wochen kommt ihr gemeinsames Baby. Die Wiege steht schon in der Wohnung bereit. Aber es gibt noch andere Dinge, die Christopher Uttenreuthers Lebensfreude wieder allmählich steigern. "Ich kann ohne Probleme in den dritten Stock laufen. Vergangenes Jahr an Karfreitag sind wir zum ersten Mal mit dem Fahrrad nach Neunkirchen gefahren. Früher passte ich nicht mehr aufs Rad", zählt Uttenreuther auf.

Sogar der Autositz passte nicht mehr

Den größten Unterschied merkte er in den ersten Wochen nach der Operation, als er in sein Auto stieg und der Sitz noch auf das alte Gewicht eingestellt war. "Ich wusste nicht, wie ich zu den Pedalen kam und das Kind hatte auf dem Rücksitz gut Platz", erinnert sich der Gaiganzer noch jetzt voller Freude.

Er hat jetzt eine Festanstellung als Landschaftsgärtner und kann sich dort austoben. "Ich habe Kraft, ich schwitze nicht mehr, ich halte das alles durch und es macht Spaß", schwärmt Uttenreuther.

Wenn ihn jetzt Leute ansehen, stört es ihn nicht mehr. Christopher Uttenreuther merkt den Unterschied und fühlt sich wohl. ,"Die Leute sagen, ich sei freundlicher geworden. Das war schon immer so, ich konnte es nur nicht zeigen", meint Christopher und strahlt über das ganze Gesicht.

Petra Malbrich

2

2 Kommentare

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Gaiganz, Gaiganz