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Diese Luftbilder zeigen, wie sich Franken verändert hat

Landesluftbildzentrum hat Anfang 2018 Arbeit in Neustadt/Aisch aufgenommen - 26.11.2018 15:14 Uhr

Auf diesem Bild aus dem Jahr 2017 ist die Ramsberger Hafenanlage gut zu erkennen. Noch nicht auf diesem Foto zu sehen sind die neu errichteten, exklusiven Ferienunterkünfte der "Floating Houses" auf dem Brombachsee. © Bayerische Vermessungsverwaltung


Bei einer konstanten Temperatur von 17,5 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von 56 bis 58 Prozent schlummert Bayerns Vergangenheit in den Kellerräumen des Neustädter Landesluftbildarchivs. Fein säuberlich verpackt in nummerierten Kartons liegen hier in den Fächern des Rollregallagers knapp 90.000 Negative von Luftaufnahmen, die die Entwicklung des Freistaats in den vergangenen Jahrzehnten zeigen, von den Folgen des Bombenhagels im Zweiten Weltkrieg über den Wiederaufbau und große Verkehrsprojekte bis hin zur Ausbreitung von Städten und Gewerbegebieten in die Landschaft.

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Bis zum Jahr 2025 soll der Fundus in Neustadt auf 900.000 Bilder angewachsen sein. "Wir haben echte Schätze hier“", meint Ann-Kathrin Johner, die im Landesluftbildzentrum das Archiv betreut. Nicht nur Bilder der zerbombten Region im Zweiten Weltkrieg sind darunter, sondern auch eine Glasplattensammlung der Firma Inphoris, die seltene Luftaufnahmen aus dem Vorkriegsbayern beinhaltet. Selbst wenn in einigen Jahren alle Bilder digitalisiert sind, bleibt es wichtig, die analogen Originale sicher aufzubewahren.

"Sie sind ein wertvolles Kulturgut, durch das man die Geschichte der Luftbildfotografie sehr gut nachvollziehen kann", betont Silvia Pertschi, Leiterin des Landesluftbildzentrums. "Auch jetzt schon muss man Bilder immer wieder nachdigitalisieren, weil sich der Stand der Technik geändert hat, weil man mehr Informationen aus den Bildern ziehen kann. Es kann gut sein, dass man die Originale in Zukunft noch einmal braucht", ergänzt Johner.

Suche nach Blindgängern

Digitale Luftbilder können mit Hilfe von Software viel leichter ausgewertet werden als ihre analogen Vorgänger. Seit dem Jahr 2009 werden standardmäßig auch Infrarot-Aufnahmen gemacht, die Land- und Forstwirtschaft wichtige Daten zu Bewuchs oder den vorherrschenden Baumarten liefern. Die Aufnahmen aus dem Zweiten Weltkrieg bleiben wichtig, um bei neuen Bauprojekten im Boden verborgene Bomben-Blindgänger zu finden. Aktuelle Aufnahmen sind essentiell für die Städteplanung, die Berechnung des Flächenverbrauchs oder für den Denkmalschutz, der durch die Luftbilder sonst kaum sichtbare Bodendenkmäler entdecken kann. Um kontinuierlich die Veränderungen in Bayern dokumentieren zu können, wird jedes Jahr eine Hälfte des Freistaats abgeflogen und flächendeckend fotografiert. Im kommenden Jahr ist dabei wieder Nordbayern an der Reihe.

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Was das Landesluftbildzentrum alles kann, zeigt noch bis 21. Dezember die Ausstellung "Bayern von oben" (Mo./Di. 10–17 Uhr, Mi. 14–17 Uhr und Do. 10–14 Uhr, Eintritt frei; Landesluftbildzentrum, Bamberger Straße 48). Mit 3D-Brillen kann man sich eine Aufnahme des Kaolin-Abbaus bei Hirschau ansehen oder in einer Video-Animation zu einem Flug über das Zugspitz-Massiv starten. Direkt über der Zugspitze schweben kann man sogar, wenn man sich eine Virtual-Reality-Brille aufsetzt. Die Besucher bewegen sich in der Ausstellung auf einem Boden-Luftbild von Neustadt/Aisch, das ein Tausendstel Bayerns abbildet, und können sich beeindruckende Luftbilder und Zeitreihen aus allen sieben bayerischen Bezirken ansehen, etwa zur Entwicklung des Münchner Olympiageländes oder zur Verwandlung des einstigen Münchner Flughafens in die Messestadt Riem.

Dreidimensionale Betrachtung

Eine Infrarot-Aufnahme aus dem Aischgrund zeigt anschaulich, wie die Landschaft gespickt ist mit kleinen Fischteichen. Auf Bildschirmen gibt es zusätzliche Beispiele aus der Region, bei denen man durch Überblendung leicht erkennt, was sich im Lauf von Jahrzehnten verändert hat. Im kommenden Sommer soll auf die Sonderausstellung dann eine Dauerausstellung folgen, die auch die Technikgeschichte und die Auswertung der Bilder aufgreift und Luftbilder dreidimensional betrachten lässt. Dann ist das Landesluftbildzentrum endgültig in Neustadt angekommen.

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Martin Müller Redaktion Metropolregion Nürnberg und Bayern E-Mail

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