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Bella ciao! "Haus des Geldes" bleibt ein Hingucker

Fortsetzung überzeugt mit mehr Budget, schönen Drehorten und neuem Coup - 18.07.2019 17:03 Uhr

In einer Kathedrale in Florenz tüfteln der Professor und sein Team die spektakuläre Befreiung ihres verhafteten Komplizen Rio aus. © Tamara Arranz / Netflix


"Soll es das wirklich schon gewesen sein?", fragten sich Fans von "Haus des Geldes" im Frühjahr 2018, als hierzulande die zweite Staffel erschien. Zumindest war das ursprünglich der Plan von Serienschöpfer Álex Pina, der den spektakulären und wendungsreichen Raubüberfall einer von einem Verbrechergenie zusammengestellten Gangsterbande als Mini-Serie konzipierte. In Spanien war die Serie in 15 70-minütigen Folgen auf Antena 3 gelaufen, ehe Netflix das Ausstrahlungsrechte am Format erstand, "Haus des Geldes" in 22 kürzere Episoden umschneiden ließ und in zwei Teilen veröffentlichte. Die Gangster-Erzählung mit antikapitalistischen Motiven wurde würdig zu Ende gebracht. Am 19. Juli erscheint nun trotzdem die dritte Staffel der Serie mit acht neuen Folgen.

Netflix erzwang die dritte Staffel

Dafür ist der Wille von Netflix verantwortlich. "Haus des Geldes" (im Original: "La casa de papel") stieg nach zwei Staffeln international zur beliebtesten nicht-englischsprachigen Serie des Streaming-Anbieters auf und zählte 2018 zu den meistabgerufenen Streaming-Serien in Deutschland, die uns außerdem den Sommerhit "Bella ciao" brachte. Dass die Geschichte um einen Coup in der spanischen Banknotendruckerei nun wie geplant zu Ende sein sollte, schmeckte Netflix deshalb gar nicht. So entschloss sich der US-Dienst dazu, die Serie aufzukaufen und auf eigene Faust fortzusetzen.

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Dass es mit "Haus des Geldes" weiterging, veranlasste nicht jeden Fan zu Jubelarien, denn viele warfen Netflix vor, das Format aufgrund von Geldgier in eine dritte Staffel zu zwingen. Doch der Video-on-Demand-Dienst scheute keine Kosten und Mühen. Für Staffel drei setzte sich Ideengeber Pina wieder ans Drehbuch und auch alle wichtigen Schauspieler und ihre Charaktere kehrten zurück, sofern sie die ersten zwei Staffeln überlebten. In Staffel drei liegt der geniale Bankraub nun hinter den Gangstern. Während in Madrid die Strafjustiz tobt und die Bande zur Rechenschaft ziehen will, lässt die es sich mit ihren Millionen an schönen Orten gut gehen.

Doch schon bald müssen die mit Namen internationaler Städte bedachten Kriminellen und ihr Anführer, der Professor, wieder ans Werk, denn Komplize Rio wurde in Panama geschnappt und wird von den Behörden nun an einem geheimen Ort festgehalten. Der Professor trommelt deshalb die Gauner zusammen, um einen spektakulären Befreiungsplan auszuhecken, der dem kapitalistischen System wieder einen empfindlichen Schlag versetzen soll.

Feminismus und ein Budget, das sich auszahlt

Erneut fungiert die taffe Gangsterbraut Tokyo als Erzählerin des Formats. Sie hat es satt, ein entspanntes Luxusleben zu führen. Dass ihr Liebhaber Rio nun einsitzt, gibt ihr einen triftigen Grund, wieder ins Verbrechergeschäft einzusteigen. Ihre Figur ist auch maßgeblich dafür verantwortlich, dass in Staffel drei einige feministische Spitzen gesetzt werden, die die Geschlechterdynamik der Gruppe in Frage stellen. Álex Pina gab sich alle Mühe, die liebgewonnenen und stark gezeichneten Charaktere weiterzuentwickeln, was sehenswert gelang.

Es ist nur ein inhaltlicher Pluspunkt, der in einer ansonsten optisch noch brillanteren dritten Runde zum Tragen kommt. Schon in den ersten zwei Staffeln legte "Haus des Geldes" viel Wert auf aufwendige Kameraeinstellungen, nun setzte Kameramann Migue Amoedo noch einen drauf. Das höhere Budget durch die Netflix-Übernahme ermöglichte der Thriller-Serie noch mehr Drehtage und -orte. Während die ersten zwei Staffeln ausschließlich in Madrid gedreht wurden, verschlug es das Produktionsteam diesmal auch nach Argentinien, Indonesien, auf die Philippinen oder nach Florenz.

"Haus des Geldes" bleibt sehenswert

Was viele Fans beruhigen wird: Inhaltlich bleibt sich die Serie treu. Eine wichtige Rolle im Narrativ spielt weiterhin der sehr kreative Umgang mit verschiedenen Zeitebenen. Wenn in der einen Szene Spannung und Action noch ihren Höhepunkt erreichen, hüpft "Haus des Geldes" in der nächsten schon wieder in die Vergangenheit, um die Motivationen oder die Verhältnisse der Charaktere zu erforschen und so einen Aha-Effekt zu erzeugen. Staffel drei spielt in drei verschiedenen Zeitebenen.

Wie es für einen sogenannten Heist-Thriller standesgemäß ist, kommt der neue Plan der Verbrecher wieder wendungsreich und unvorhersehbar daher. Erneut stützt sich "Haus des Geldes" ein ums andere Mal auf das Stilmittel, die Handlung auf eine vermeintliche Katastrophe hinlaufen zu lassen, nur um dann doch zu offenbaren, dass dies alles Teil des Plans war. Dieses Rezept bleibt ungemein wirkungsvoll.

Alle Welt schaut neidisch auf die spanische Hit-Serie, doch gerade deutsche Formate könnten die Intensität des Formats gar nicht replizieren. Das hat mit dem spanischen Temperament der Figuren zu tun, die den nüchternen naturalistischen Krimis der Deutschen zuwiderlaufen. Freundschaften sind in "Haus des Geldes" inniger und Liebschaften leidenschaftlicher als anderswo. Das führt des Öfteren zu eben jenen waghalsigen Impulsivitäten, die den Coup vermeintlich an den Rand des Scheiterns bringen und für so viel sehenswerten Suspense sorgen. Apropos Sorgen: Die müssen sich Fans nicht mehr machen. Auch mit Staffel drei bleibt "Haus des Geldes" ein absolutes Serien-Highlight, das sein Niveau hochhält.

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Timo Nöthling

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