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Dienstag, 11.08.2020

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Zehn Monate auf Bewährung für Heroin-Käufe

Der Angeklagte zeigte sich geständig. - 01.07.2020 14:00 Uhr

Laut Anklage hat der Mann seit November 2018 innerhalb von drei Monaten elf Mal ohne Schwierigkeiten je zwei Gramm Heroin bestellt und erhalten. Als er sich zu Jahresbeginn 2019 schließlich knapp 32 Gramm Amphetamin, also eine größere Menge des Aufputschmittels, schicken lassen wollte, wurde die Sendung vom Zoll abgefangen und seine Drogenkäufe flogen auf.

"Ich gebe zu, ich hab das alles gekauft", gestand der gelernte Handwerker ein. "Ich war abhängig, ich brauchte etwa ein Gramm Heroin pro Tag. Und das Amphetamin als Gegenmittel." Warum er die Käufe über das Darknet abgewickelt hatte, wollte Richterin Julia Schips wissen. Der Angeklagte zuckte lediglich mit den Schultern: "Aus Neugier."

"Gleich nachdem der Zoll bei mir war, bin ich zum Entzug ins Bezirksklinikum Ansbach gegangen", erklärte der 44-Jährige. Seitdem erhält er Methadon zur Substitution. Wöchentlich wird bei ihm mittels einer Urinprobe ein Drogenscreening durchgeführt, vierteljährlich Blut abgenommen. "Das war immer negativ", betonte der Mann. Außerdem geht er zur Suchtberatung der Diakonie. Zwar ist er noch krank geschrieben, hat aber auch schon probehalber vier Stunden gearbeitet. "Ich will wieder arbeiten, aber ganztags – das schaffe ich noch nicht."

Da der Angeklagte bislang keine Eintragungen im Bundeszentralregister hat, voll geständig war und eine gute Sozialprognose aufweist, beantragte die Staatsanwältin eine Bewährungsstrafe in Höhe von elf Monaten sowie 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit. "Ich will auf Dauer clean bleiben und ich will so bald wie möglich wieder arbeiten", lautete das letzte Wort des Angeklagten, bevor die Richterin das Urteil verkündete. Es belief sich auf eine Haftstrafe von zehn Monaten, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird, dazu kommen 80 Stunden gemeinnütziger Arbeit.

Ein Bewährungshelfer wird dem Suchtkranken in den kommenden drei Jahren zur Seite stehen und darauf achten, dass die Arbeitsstunden abgeleistet sowie Drogenscreenings und Gesprächstherapie fortgesetzt werden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, der Angeklagte kann innerhalb von sieben Tagen Berufung einlegen oder eine Revision beantragen.

GABRIELE GRAßL

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