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Wirtshäuser im Freilandmuseum: Wie geht es weiter?

Freilandmuseum-Wirtshäuser sind geschlossen oder eingeschränkt betrieben. - 01.07.2020 06:00 Uhr

Sieht einladend aus, doch der Blick durchs Fenster trügt: Die Türen des Gasthauses zum Hirschen am Holzmarkt sind weiterhin geschlossen, der versorgungstechnisch optimal, weil direkt neben dem Tresen gelegene Stammtisch ist verwaist.

© Foto: Günter Blank


Der Sommerkeller Weinbergshof, der Kiosk am Bernhard-Bickert-Weg und der Hirschen in der Altstadt sind geschlossen, im Wirtshaus am Freilandmuseum sind die neuen Pächter mit ihrem Start mitten hineingerasselt in den Ausbruch der Corona-Pandemie. Einzig das Wirtshaus am Kommunbrauhaus läuft seit Jahren stabil, allerdings hat die Bad Windsheimer Bürgerbräu den Braubetrieb im nebenstehenden Kommunbrauhaus eingestellt, die Suche nach einer neuen Partner-Brauerei läuft. Wie es zu all dem kam und wie es weitergehen soll mit den gastronomischen Baustellen, erläuterten Jürgen Müller und der Leiter des Museums, Dr. Herbert May, im Gespräch mit der WZ.

Zur Baustelle wird erst einmal der Sommerkeller Weinbergshof. Der hat zwar mit der Familie Weiß engagierte Pächter, welche die Schankwirtschaft entgegen anderslautenden Gerüchten auch weiterhin betreiben werden, allerdings müssen die Wirtsleute sich wohl für den Rest des Jahres auf den Betrieb des Biergartens neben der Kegelbahn beschränken. Grund ist ein massiver Schädlingsbefall des Gebäudes. Holzwurm, Hausbock und andere haben dem Gebälk in Decken und Wänden massiv zugesetzt, eine Komplettsanierung des Mitte der 1980er-Jahre in der Baugruppe Altmühltal aufgebauten Weinbergshofs ist unausweichlich.

Den ebenso ungebetenen wie gefräßigen Gäste wurde in der vergangenen Woche von Mitarbeitern der Firma Binker mittels Sulfurylfluorid, einem farb- und geruchlosen Gas, der Garaus gemacht. Nun sind vor allem die Zimmerer gefragt. Damit die Familie Weiß zumindest den Biergarten im Rest der laufenden Saison betreiben kann, wurde an dessen östlichem Ende eine Ausschank- und Verkaufsbude errichtet. Die bestehende Hütte steht nämlich zu nahe am Weinbergshof, ihr Betrieb würde mit den Bauarbeiten kollidieren.

Gäbe es den Stammtisch im Gasthaus Zum Hirschen noch, seine Protagonisten würden wohl trefflich über die Zukunft ihres Domizils diskutieren. Seitdem Christian Dummer, der bis dato letzte Hirschen-Wirt, Ende Februar den Betrieb des fränkischen Traditions-Wirtshauses aus privaten Gründen aufgegeben hat, steht das Erdgeschoss des imposanten Gebäudes leer. Der zugehörige Biergarten, beliebte Anlaufstelle nicht nur für Besucher des benachbarten Alten Bauhofs wie der ganzen Baugruppe Stadt, ist gleichfalls verwaist.

Kein Hoffnungsschimmer

Die Pächtersuche sei schwierig, sagt Herbert May, und das schon lange vor Corona-Zeiten. "Da ist leider kein Hoffnungsschimmer in Sicht." Ausgeschrieben habe man das Wirtshaus freilich nicht, räumt er auf Nachfrage ein, mehr so "informell" nach einem Pächter Umschau gehalten. Freilich hegt der Museums-Chef beim Gedanken an den Hirschen noch ganz andere Gedanken. Zum einen sei da durchaus ein "Investitionsstau" erkennbar; so müsste der Bezirk Mittelfranken als Träger des Museums erst einmal Geld in die Küchenausstattung stecken. Und zum anderen könne man die Gaststuben des Hirschen auch gut für die interne Nutzung gebrauchen, etwa als "Tagungsraum für die Museumspädagogik". Die Nutzung als Wirtshaus – den Hirschen gibt es immerhin seit 1809 – sei letztlich aber doch primäres Ziel.

Verhüllt in Schwarz-Rot-Gold präsentierte sich vergangene Woche der Sommerkeller Weinbergshof während der Schädlingsbekämpfung.

© Foto: Günter Blank


Anders kompliziert verhält sich die Sache mit dem Kiosk schräg gegenüber dem Eingangsgebäude des Museums. Hier war bereits Mitte 2017 nach 33 Jahren ein erbbaurechtlicher Vertrag ausgelaufen. Ende 2018 gab die damalige Pächterin den Kiosk auf, seither ist auch er geschlossen, und die Zeiten, da Museumsbesucher sich dort ein Eis und einen Kaffee gönnen oder Souvenirs erstehen konnten, sind vorbei. Noch immer versuche man, mit dem Partner nach dem Auslaufen des Erbbaurechtsvertrags zu einer Nießbrauchs-Vereinbarung zu kommen, um den Kiosk wieder verpachten zu können, beschreibt Jürgen Müller die aktuelle Situation. Allerdings habe er "die Hoffnung, dass es in den nächsten Wochen zu einer Einigung kommt".

Gegenüber vom Kiosk liegt das Wirtshaus am Freilandmuseum, welches 34 Jahre lang von der Familie Rienecker erfolgreich betrieben worden war, ehe die Zusammenarbeit zwischen Pächter und Bezirk 2014 eher unappetitlich denn harmonisch endete – politische Nachbeben inbegriffen. Nach einer Übergangslösung hatte Elke Woodard das ehemalige Gasthaus zur Krone aus Oberampfrach im Herbst 2015 übernommen, Ende 2019 beendete sie das Pachtverhältnis. Ihren Nachfolgern Istwàn Poljàk und Istwàn Horwath wurden keine guten Startbedingungen beschert: gerade mal ein Woche bewirteten sie das Wirtshaus, da wurden sie von Corona gestoppt. Kaum konnten sie zumindest den Biergarten wieder öffnen, zwang sie ein Rohrbruch am Kanal des Ausschanks an der Kegelbahn zum Improvisieren. Der Bezirk hat ihnen laut Müller vertraglich die Möglichkeit eingeräumt, im ersten Jahr nur den Biergarten zu bewirtschaften.

Aus für Zwickel und Dunkel

Manchem Besucher ist sicher aufgefallen, dass es nach 40 Jahren in der Krone kein Döbler-Bier mehr gibt. Hintergrund ist der, dass die Pächter der Museumswirtshäuser seit diesem Jahr an keine Bierlieferungsverträge mehr gebunden sind.

Beendet ist seit Ende März und nach 24 Jahren auch die Brautätigkeit der Bad Windsheimer Bürgerbräu im Kommunbrauhaus aus Schlüsselfeld. Bürgerbräu-Chef Jürgen Strauß habe die Trennung vollzogen, gleichwohl danke er diesem ebenso wie Braumeister Siegfried Brückler für die langjährige Zusammenarbeit. Das Museumsbier in Form von Zwickel und Dunkel ist damit bald zumindest fürs Erste Geschichte, die Reste werden gerade ausgetrunken. Die Suche nach einer geeigneten Brauerei, welche das Brauen im Museum übernehme, laufe.

Die Museumswirte dürfen also nicht nur, sie müssen sich zum Teil sogar nach anderem Bier umsehen. Nur zu einem sind sie in puncto Gerstensaft noch verpflichtet: im Museum produziertes Bier zumindest mit anbieten. So es welches gibt.

GÜNTER BLANK

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