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Vom Schäferhaus zur Gaststätte

Seit 40 Jahren besteht die Winzerstube in Weimersheim, die damals die Waldgenossen gebaut hatten. - 03.05.2019 18:02 Uhr

40 Jahre sind eine lange Zeit. Erwin Bauereiß und Christa Ebert schauen sich Bilder aus der Historie der Winzerstube an. Foto: Claudia Lehner


Die Waldgenossen haben vor 40 Jahren die Wirtschaft gebaut. Dass nun seitdem Christa Ebert in der Winzerstube den Kochlöffel schwingt, Bier und Wein ausschenkt, darüber ist Erwin Bauereiß mehr als froh. Eine bessere Wirtin könnte sich der Vorsitzende wohl nicht vorstellen, so wie er voller Anerkennung von der 67-Jährigen spricht.

Weimersheim ist nicht groß. Etwa 75 Einwohner hat der Ipsheimer Ortsteil. Die Winzerstube ist der Treffpunkt im Ort. Donnerstag und Samstag ist Stammtisch, bis vor einigen Jahren gab es auch noch einen Frühschoppen für Senioren, wie Bauereiß sich erinnert. Die Winzerstube zieht aber auch viele Auswärtige an. Besonders Wanderer und Radfahrer kehren dort ein, erzählt Ebert. Die Wirtschaft ist bis auf Montag und Dienstag täglich geöffnet – und dank ihres guten Rufs über die Landkreisgrenzen hinaus kommen die Leute auch.

Ungewöhnlich ist die Entstehungsgeschichte. So mancher kleine Ort hat mit der Schließung der Dorfwirtschaft zu kämpfen. Wo es möglich ist, wird mit dem Bau von Dorfgemeinschaftshäusern Abhilfe geschaffen. Die Waldgenossen haben schon vor 40 Jahren ihre Lösung gefunden. Sie funktioniert nach wie vor.

Die 16 Weimersheimer wollten damals zunächst nur einen Versammlungsraum. Daraus wurde mehr. Sie holten die Bad Windsheimer Bürgerbräu ins Boot, als Pächter für das Wirtshaus, und kauften der Gemeinde das ehemalige Schäferhaus ab, das als Kühlraum genutzt wurde und für diesen Zweck nicht mehr nötig war. Das wurde abgerissen und an dessen Stelle ein Neubau hingestellt, oben mit Wohnung und unten Wirtsstube. Dabei haben die Waldgenossen viel selbst angepackt – mithilfe von zwei Handwerkern der Bürgerbräu, wie sich Bauereiß erinnert, der schon damals mitgebaut hat.

Die Waldgenossen sind immer noch die Eigentümer des Anwesens. Sie sorgen dafür, dass es schön aussieht, haben beispielsweise vor einiger Zeit Parkplätze angelegt.

Das Baumaterial verkauft

Der Kontakt zu den späteren Wirtsleuten entstand damals ganz schnell. Fritz Ebert, der mittlerweile gestorben ist, hatte den Waldgenossen das Baumaterial verkauft und auch während der Arbeiten immer wieder mal vorbeigeschaut, ob alles pünktlich geliefert wurde. Da gab es aber schon längst die Idee, dass er mit seiner Frau Pächter bei der Bürgerbräu und damit mit den Waldgenossen werden könnte. Beiden war das Arbeiten in einer Gastwirtschaft nicht fremd. Fritz Ebert, der später beim Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband engagiert war, hatte schon bei seiner eigenen Konfirmation bedient, wie er beim 25-jährigen Jubiläum der Winzerstube erzählt hatte, und wollte gerne etwas Eigenes aufmachen. Auch seine Frau hatte schon in Wirtschaften gearbeitet, von Jugend an.

Zum 1. Mai 1979 übernahmen sie als Pächter. Ein Zettel an einem Baum in Markt Erlbach war die einzige Werbung – und trotzdem war die Wirtsstube am ersten Abend voll. Es lief so gut, dass das Angebot ausgedehnt wurde, es auch warmes Essen gab. Auf den Karpfen von Christa Ebert lässt Bauereiß nichts kommen. "Da gibt es keinen, der mal krumm gschwumma ist", betont er, dass es in der Winzerstube den besten Karpfen gibt. Wie lange Christa Ebert noch weitermacht, weiß sie nicht. "Wie es die Gesundheit zulässt", sagt sie. Aber das habe sie auch schon beim 25-jährigen Jubiläum erklärt, sagt Bauereiß, der hofft, dass ihm die Wirtin noch lange erhalten bleibt.

 CLAUDIA LEHNER

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