24°

Samstag, 08.08.2020

|

Tierische Mitarbeiter am Weinberg

Die Winzerfamilie Popp setzt erstmals Schafe in ihrem Weinberg bei Rüdisbronn ein. - 15.04.2020 11:00 Uhr

Bock Jakob (rechts) und zwei seiner vier Emmas schauen sich schon mal ihr zukünftige Arbeitsfläche an.

© Foto: Bastian Lauer


Es sei ungewöhnlich, sagt der Winzer vom Weingut Strebel & Popp aus Ipsheim, vor allem in unserer Region. Aber dass Schafe als total biologische Helfer auf Weinlagen unterwegs sind, ist nicht neu. Der Legende nach sind vor über zehn Jahren in Neuseeland mal Schafe ausgebüxt und haben sich durch einen benachbarten Weinberg gefressen. Doch statt eines Totalausfalls gab es eine Überraschung: Die Tiere haben nur die Blätter gefressen, die noch sauren Beeren aber nicht angerührt – und den Rebstöcken damit sogar geholfen.

Denn Teil des Jobs eines Winzers ist das Entblättern der Traubenzone, damit die Beeren genug Sonnenlicht abbekommen. Die Hoffnung Popps: Das machen zum Teil zukünftig die Schafe. Zudem sollen die Tiere das Gras in den Weinbergen kurz halten, Unkraut fressen und auch noch für eine natürliche Düngung sorgen.

Ausschlaggebend für den tierischen Versuch sei letztlich die Glyphosat-Debatte gewesen, sagt Popp. Er rechne mit einem zeitnahen Verbot des Herbizids, schon 2019 habe er es nicht mehr in seinen Weinbergen, die sich auf neun Hektar in mehreren Orten verteilen, eingesetzt. Dadurch hatten er und seine Frau Laura aber natürlich mehr Arbeit zwischen den Reben. Die Ouessantschafe sollen das ausgleichen.

Das ganze Jahr draußen

Erst vor wenigen Tagen kamen Bock Jakob und vier Weibchen – momentan noch alle Emma genannt – in Rüdisbronn an. Eine kleine Fläche unterhalb des Weinbergs, die von einem Holzzaun umgrenzt und mit einem kleinen Unterstand ausgestattet ist, ist nun ihre Heimat. "Die bleiben das ganze Jahr draußen, da fühlen sie sich wohl", weiß Popp. Die Tiere sind raues Atlantikwetter an der Nordwestspitze Frankreichs gewohnt.

Um den etwa 2,5 Hektar großen Weinberg müssen die Popps noch einen Stromzaun ziehen, dann könnte die kleine Schafherde theoretisch loslegen. Allerdings ist Timing wichtig: Der Austrieb der Reben erfolgt jetzt in den kommenden Tagen. Das wäre zu früh: "Die grünen Triebe schmecken denen natürlich richtig gut", sagt Andreas Popp. Erst wenn die Triebe hoch genug gewachsen sind, dass die Tiere nicht mehr herankommen, dürfen sie in die Weinberge. "Mitte, Ende Juni", schätzt Popp.

Die Wahl fiel auf Ouessantschafe, weil die nicht nur widerstandsfähig, sondern auch verhältnismäßig pflegeleicht sind, erklärt Andreas Popp. Zum Großteil reiche ihnen das Gras, das sie fressen. Ein bisschen Hafer müsse man ab und an dazugeben. Dazu komme zwar noch das Scheren und Klauenschneiden, betont seine Frau Laura, in Sachen Pflege müsse sie sich noch etwas einarbeiten, aber Erfahrungen von Bekannten, die auch solche Schafe halten, seien gut.

Um was sich die Popps nicht kümmern müssen, ist der Nachwuchs. Die Mutterschafe bekämen pro Jahr normal ein Lamm. Damit hätte die Herde 2021 bereits neun Tiere. "Da muss sich der Jakob aber schon ranhalten", scherzt Andreas Popp. Bei 15 bis 20 Schafen wolle man sich zukünftig einpendeln, sagt der Winzer, der zwar abwarten will, wie es sich entwickelt, aber dennoch voller Euphorie ist: "Das gibt dir ein Lebensgefühl – wenn du im Weinberg bist und neben dir klappern die Schafe. Einfach herrlich."

Bastian Lauer

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Rüdisbronn