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Steinacher Bahnhof ist unterwegs in die Zukunft

Gemeinderat beschließt Ausbau einer schnellen Internetanbindung - 03.11.2014 08:40 Uhr

Der Gallmersgartener Ortsteil Steinach/Bahnhof soll mit leistungsstarkem Internet ausgestattet werden. © Hans-Bernd Glanz


Bis vor wenigen Monaten war ein derartiges Votum undenkbar. Für die kleine Gemeinde Gallmersgarten war es unmöglich, den Bewohnern al­ler Ortsteile und den Firmen der bei­den Gewerbegebiete Leitungen zur schnelleren Informationsübertra­gung zur Verfügung zu stellen. Der fi­nanzielle Kraftakt von mehreren hunderttausend Euro wäre trotz da­maliger Förderzusagen des Freistaa­tes in Höhe von rund 50 Prozent nicht zu stemmen gewesen.

Bis Mitte des Jahres ein neuer Brief bei Bürgermeister Emil Kötzel eintraf. Der Inhalt: Der Freistaat übernimmt im Rahmen seiner Breit­band- Initiative für die Gemeinde Gallmersgarten 90 Prozent der Aus­baukosten, maximal 750.000 Euro. Die erhöhen sich bei der geplanten interkommunalen Zusammenarbeit mit der Stadt Burgbernheim im Be­reich Hochbach und Bergtshofen auf 800.000 Euro (wir berichteten). Damit war schnelles Internet in greifbare Nähe gerückt. Die Firma Corwese, die mit einem ähnlichen Auftrag un­ter anderem auch für die Stadt Burg­bernheim arbeitet, sollte Lösungs­vorschläge zur Versorgung des Ge­meindebereiches mit schnellem Internet erarbeiten. Diese wurden nun während der jüngsten Sitzung vorgestellt.

Näher zum Kunden

„Auf diesen Tagesordnungspunkt warten wir seit Jahren“, sagte Köt­zel. Bernhard Genthner von der Fir­ma Corwese erläuterte den Gemein­deräten zunächst die technischen Möglichkeiten innerhalb der Kom­mune und hatte drei alternative Mög­lichkeiten im Gepäck. Derzeit hätte der weit überwiegende Teil der Ge­meinde das Problem, dass Kabel­strecken einfach zu lang seien. Bei Kabelstrecken von über fünf Kilome­tern ist wegen der Dämpfung der ver­wendeten Kupfer-Doppeladern selbst eine Versorgung mit einem Megabit pro Sekunde nicht mehr möglich. Die Lösung heißt DSL-Anschlussmodul (DSLAM). Dabei werden am jeweili­gen Kupferverteiler der Telekom in den Ortsteilen DSLAMs mit Glasfa­seranschluss aufgebaut. Einfach ge­sagt – man bringt die Glasfaser näher zum Kunden. Damit lassen sich Bandbreiten zwischen 30 und 50 Megabit/Sekunde erreichen, in Randgebieten immer noch 20 bis 30 Mbit/s. Legt man die Glasfaserlei­tung bis zum Verbraucher, können bis zu 2,5 Gigabit pro Sekunde er­reicht werden.

Variante eins, der Bau der DSLAMS an den Kabelverzweigern („die grauen Käs­ten an den Bürger­steigen“) inner­halb der Gemeinde käme auf rund 540.000 Euro, hat Genthner errech­net. Abzüglich der Eigenbeteiligung des Versorgers von rund 20 bis 30 Pro­zent entstünde eine Deckungslücke in Höhe von „grob gerechnet“ 450.000 Euro, abzüglich der 90-prozentigen Förderung hätte die Gemeinde rund 45.000 zu übernehmen. Dabei würden von der avisierten Förderung aber nur rund 400.000 Euro benötigt und abgerufen.

Auch beim zusätzlichen Glasfaser­anschluss ins Büro der Unternehmer in den beiden Gewerbegebieten An der Wolben und Am Containerbahn­hof würden Fördergelder verschenkt, erläuterte Genthner. Sein Vorschlag: Im Ortsteil Steinach/Bahnhof erhal­ten auch die Privathaushalte den Glasfaseranschluss bis ins Haus. Ein­zig bei dieser Variante wäre die För­derhöchstgrenze ausgereizt, „eine Chance, die nie wieder kommt“, wie es hieß. Das sahen auch die Mitglie­der des Gemeinde­rates so, zumal nach Aussage von Genthner selbst der Anschluss der Bewohner Steinach/Bahnhofs, die sich für diese modernste Technik ent­scheiden „bis ins Wohnzimmer“ im Preis inbegriffen sei.

Der Gemeinderat beschloss des­halb die Fortführung des eingeleite­ten Förderverfahrens und beauftrag­te die Verwaltung in Verbindung mit der Firma Cortese mit der weiteren Durchführung des Verfahrens. Der aktuelle Stand ist übrigens auf der Internetseite der Gemeinde Gall­mersgarten abrufbar.

Viele Tiefbauarbeiten

Die Ratsrunde hatte es sich mit der Entscheidung allerdings nicht leicht gemacht. Den Einwand von Gemein­derat Reiner Brenz, dass sich andere Ortsteile benachteiligt fühlen könn­ten, war noch mit dem Hinweis zu entkräften, dass künftig auch dort die Versorgung mit schnellem Inter­net gewährleistet sei. Schwerer war für die Ratsmitglie­der die Tatsache zu verkraften, dass mit der Entscheidung auch eine Viel­zahl von Tiefbauarbeiten im Bereich von Steinach/Bahnhof verbunden ist. Letztlich war es die Einsicht, für relativ wenig Geld im einwohner­stärksten Ortsteil mit Neubauge­biet und zwei Gewerbegebieten opti­male Internetverbindungen und da­mit Anreize für die Ansiedlung von Firmen und Familien zu schaffen, die für das einstimmige Votum ursäch­lich war.

HANS-BERND GLANZ

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