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Stadt Bad Windsheim kauft Kino und verärgert Interessenten

Verprellte Unternehmer könnten klagen - Stadt hat Option für Vorkaufsrecht gezogen - 23.11.2018 09:52 Uhr

In direkter Nachbarschaft zu einem Geschäft, das Sportwetten und -übertragungen anbietet, hätte es so ein Angebot auch im ehemaligen Kino geben sollen. © Bastian Lauer


Deren Vorwurf wiegt schwer: "Wir wurden angelogen", sagt Gökhan Akyildiz, der eigentlich mit seinen beiden Brüdern das ehemalige Kino an der Pastoriusstraße kaufen wollte.

Im August ging Kinobetreiber Josef Kopelent in den Ruhestand. Schon zuvor stand das Gebäude zum Verkauf. Großes Interesse zeigten ein paar Nachbarn: die Betreiber der Firma Pascha Automaten, die unter anderem Paschas Spielpalast in der Stellergasse betreiben. Sie einigten sich im Juli auf einen Kaufpreis von 66 000 Euro.

Das Gebäude liegt in einem von der Stadt ausgewiesenen Sanierungsgebiet. Somit kommt jedes Immobiliengeschäft in dem Bereich auf den Tisch der Stadtverwaltung. Die Kommune kann entscheiden: Wir kaufen selbst zum ausgehandelten Preis oder überlassen es dem eigentlichen Käufer.

"Wir wussten natürlich von dem Vorkaufsrecht", sagt Hakan Akyildiz. Aus diesem Grund seien die Brüder frühzeitig mit ihren Ideen zur Nutzung des Gebäudes auf die Stadtverwaltung zugegangen. Und auch weil ihnen bewusst sei, dass ihr Geschäftsfeld – darunter Spielautomaten und Sportwetten – den Stadtoberen Sorgenfalten auf die Stirn treibt.

Mehrfach seien die Brüder im Rathaus gewesen, um die Pläne vorzustellen und mit der Verwaltung zu besprechen. Auch das Landratsamt habe signalisiert, dass ihr Konzept genehmigt worden wäre. Der Plan sah im vorderen Bereich des Kinos, zur Straße hin, ein Café vor. Im hinteren Bereich hätte ein "Sportkino" entstehen sollen, wie Hakan Akyildiz es nennt: eine Bar, ein Bereich für Spielautomaten und Sportwetten sowie moderne Kinosessel und eine Leinwand, auf der sowohl Sportveranstaltungen als auch aktuelle Kinofilme gezeigt worden wären. Eine entsprechende Vereinbarung mit der Sendergruppe Sky habe es bereits gegeben, sagt Gökhan Akyildiz. "Das alte Kinoflair wäre modern rübergekommen", erklärt er.

Bereits nach Abschluss des Kaufvertrags im Juli hatte die Stadt um zeitlichen Aufschub bei der Notarin gebeten, um die Möglichkeit, das Vorkaufsrecht zu nutzen, abklären zu können – wir berichteten. Trotz dieser Tatsache, so sagen die drei Brüder, sei ihnen im Rathaus immer signalisiert worden: Nein, die Stadt will das Kino nicht kaufen.

Umso überraschter seien sie über die Postsendung am vergangenen Freitag gewesen. In einem Schreiben der Stadt, in das die Redaktion Einsicht hatte, wurden sie vom Beschluss des Stadtrates in Kenntnis gesetzt. In der beigefügten Begründung hieß es unter anderem, dass die Stadt vorsehe, das Gebäude künftig für kulturelle Veranstaltungen nutzen zu wollen. Und die Umsetzung des von den Akyildiz geplanten Konzeptes sei sicher auch in einem anderen Gebäude in der Altstadt möglich, hieß es weiter.

Kurz gesagt: Die Brüder sind sauer, sie fühlen sich verschaukelt. "Wir wollten Ehrlichkeit erfahren", sagt Gökhan Akyildiz. Hätte die Stadt gleich gesagt, sie braucht das Kinogebäude, hätten sie ihr Angebot zurückgezogen. Hakan Akyildiz: "Ein Streit bringt uns doch nichts." Sie verstehen nicht, dass die Stadtverwaltung sich monatelang mit ihren Plänen auseinandersetzt, um dann doch eine Kehrtwende zu machen. Sie versichern, dass bei ihrem Projekt Sportwetten "im Hintergrund gelaufen" wären. "Unser Hauptgeschäft ist das Café", betont Gökhan Akyildiz. Zudem hätte man sogar die alte Nutzung des Gebäudes – als Kino – weiterleben lassen. Innen und außen, denn die Fassade mit dem alten Schriftzug wäre erhalten geblieben.

Doch letztlich überwog wohl – so das Gefühl der Brüder – die Sorge, einen Gewerbebetrieb im Stadtzentrum zu haben, der nicht zur städtebaulichen Vision der Verwaltung passt. Auf Nachfrage wollte sich Bürgermeister Bernhard Kisch nicht äußern. Er verwies darauf, dass das Verfahren noch laufe: Bis Mitte Dezember können die Akyildiz-Brüder Klage gegen den Beschluss einreichen. Es sei nicht ausgeschlossen, dass sie das auch tun, betonen sie gegenüber der WZ.

Wird der Streit nicht vor Gericht ausgetragen oder die Stadt bekommt Recht, so muss sie sehr viel Geld investieren. Die Akyildiz-Brüder haben vorsichtig mit 150 000 Euro kalkuliert, die sie in das in einigen Teilen baufällige Gebäude investieren müssten. 

Bastian Lauer

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