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Montag, 22.07.2019

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Sieben und Pusten für Kompost ohne Plastik

Der Landkreis kompostiert Grüngut und Biomüll und stellt daraus Erden her - Dabei wird versucht möglichst viele Störstoffe zu entfernen. - 16.04.2019 12:25 Uhr

So sieht der Kompost nach dem Sieben aus. Foto: Claudia Lehner


Um vor allem Kunststoff, aber auch Metall oder andere Störstoffe aus dem Biomüll oder dem Grüngut zu entfernen, wird einiges an Aufwand betrieben: Aussortieren, Rauspusten und Sieben. Nötig ist das, weil sowohl in den braunen Tonnen als auch in den Containern so manches landet, was da nicht hingehört. Beim Gang durch die Kompostieranlage in Illesheim fällt auf dem Haufen mit Gartenabfällen einiges ins Auge, was sich im Kompost nicht wiederfinden soll: Teile von Gartendeko, Plastiktüten, Alufolie. Was so sichtbar ist, zögen Mitarbeiter oft gleich heraus, noch vor dem Häckseln, bestätigt Marcus Wehr, der seit 30 Jahren in der Abfallwirtschaft des Landkreises arbeitet.

Rund 20 000 Tonnen Grüngut und 7000 Tonnen Biomüll werden jedes Jahr auf den kreiseigenen Anlagen in Dettendorf, Markt Erlbach, Scheinfeld, Uffenheim und Illesheim kompostiert. Was in den braunen Tonnen landet, wird nur in der Energie- und Verwertungsanlage Dettendorf weiterverarbeitet. Es wird zunächst in einer Biogasanlage vergoren und dann kompostiert. Daraus entsteht recht nährstoffreicher Kompost, der Einsatz in der Landwirtschaft findet.

Grüngut hingegen ist die Grundlage für die verschiedenen Erden, die für den heimischen Garten produziert werden. Die holzigen Teile werden aussortiert, erklärt Wehr. Sie werden zu Hackschnitzeln. Das übrige Material wird gehäckselt und kompostiert.

Über 55 Grad Celsius

In sogenannten Dreiecksmieten, die sich ein wenig nach oben verjüngen, wird es aufgehäuft. Wenn das Material bei einer Temperatur von über 55 Grad Celsius im Inneren der Miete drei bis vier Wochen kompostiert hat, wird es umgesetzt auf den Platz daneben. So wandert die Miete etwa ein Dreivierteljahr über die Anlage, bis fertiger Kompost entstanden ist. In der letzten Miete sind die Störstoffe noch deutlich zu sehen. Teile von Plastiktüten, Verschlüsse von Flaschen oder Plastikbändel.

Dann wird gesiebt. Dazu tourt eine mobile Siebanlage durch die verschiedenen Kompostieranlagen des hiesigen Landkreises. Auf einem kleineren Haufen ist zu sehen, was übrig bleibt. Viele Holzstückchen, aber auch einiges an Plastik und sonstigem Müll. Mit einem Magneten wird außerdem alles herausgefischt, was metallisch ist.

In Dettendorf wird zusätzlich ein Windsichter eingesetzt. Der pustet die Störstoffe aus dem Kompost. In den Gartenabfällen lande deutlich weniger Müll als in den braunen Tonnen, sagt Wehr – obwohl mit Detektoren in den Abfuhrfahrzeugen versucht wird, das einzudämmen. Auch regional sei der Anteil an Störstoffen unterschiedlich, erklärt er. In den Dörfern ist das Problem geringer als in den Städten.

Man sei auf die Hilfe der Bevölkerung angewiesen, betonen sowohl Kreß als auch Wehr. So gehören zum Beispiel Plastiktüten auf keinen Fall in die braune Tonne, auch die als kompostierbar ausgewiesenen nicht. Der Landkreis bietet stattdessen Papiertüten an. Doch alle Aufklärungsarbeit habe bisher nicht gefruchtet, um die wohl wenigen schwarzen Schafe, die selbst Metallblöcke mit dem Grüngut entsorgen, in den Griff zu bekommen.

So muss der Landkreis einiges unternehmen, um den Kompost so sauber wie möglich zu bekommen. "Das kostet viel Geld", betont Kreß. Das Ergebnis wird regelmäßig kontrolliert. Der Landkreis ist Mitglied der Bundesgütegemeinschaft Kompost, die unangekündigt Proben zieht. Noch nie sei eine Charge beanstandet worden, erklärt Wehr. Die Grenzwerte seien im vergangenen Jahr verschärft worden und dennoch unterschreite sie der Landkreis etwa um die Hälfte. 15 Quadratzentimeter Fläche dürften die nur noch sehr kleinen Störstoffe in einem Liter Kompost einnehmen, bei den Produkten des Landkreises liege der Anteil zwischen sechs und sieben Quadratzentimetern.

Nur Windeintrag

In einem großen Haufen liegt der gesiebte Kompost da. An der Oberfläche findet sich ein kleines Stückchen blaue Folie. "Das ist Windeintrag", betont Wehr. Zum Beweis gräbt er im Kompost und zeigt, dass unter der Oberfläche nichts zu finden ist. "Der ist sauber", sagt er. Auf jeder Wiese und jedem Acker sei das zu finden. Überall sei Plastik, das mit bloßem Auge nicht mehr zu erkennende Mikroplastik wohl ohnehin.

Auf die Erden im Landkreis lässt Wehr nichts kommen. Er hat den Vergleich zu anderen Produzenten und sagt: "Wir müssen uns vor niemandem verstecken." Und dank des im Landkreis produzierten Kompostes seien die verschiedenen Gartenerden ökologischer als viele im Handel erworbenen. Denn sie können mit einem viel geringeren Anteil an Torf versetzt werden.

CLAUDIA LEHNER 

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