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Sonntag, 20.09.2020

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Schwemmer führt mit Kochvideos durch die Krise

Joachim Schwemmer kreiert Genussessen zum Abholen und schnelle Rezepte zum Nachkochen. - 07.05.2020 12:24 Uhr

Online-Kochen mit den Schwemmers: Papa Joachim rührt, Tochter Sophie hält die Kamera drauf.

© Foto: Anna Franck


Mitte März musste auch der Koch sein Gasthaus aufgrund der Corona-Pandemie schließen. "Erst waren wir geschockt", erinnert er sich. Nicht nur die wirtschaftlichen Folgen lagen ihm im Magen. "Ich habe auch überlegt, was das mit mir persönlich macht, wenn ich drei oder vier Monate nicht mehr kochen kann."

Eine Lösung musste her. Um Kunden und Freunde mit Ideen für einfache und schnelle Gerichte zu versorgen, begann er, unterstützt von der Tochter, Videos zu drehen. Seine Stammgäste bekamen die zunächst auf ihr Smartphone gesendet. Der Einfachheit halber und um eine breitere Öffentlichkeit zu erreichen, richtete die Familie den Youtube-Kanal Gasthaus Schwemmer Lenkersheim ein, um dort unter " Schwemmers schnelle Küche" Inspiration zu liefern.

Die Gerichte sollten abwechslungsreich und leicht in der Umsetzung sein. So wollte der Gastronom seinen Kunden die Angst vor dem Kochen nehmen und zeigen, dass es nicht kompliziert sein muss. Er verwendet nur Zutaten, die einfach zu bekommen sind, und Werkzeuge, die ohnehin die meisten im Küchenschrank haben. Schwemmer gibt den groben Fahrplan vor, lässt aber Platz für Spielraum. "Wenn jemand kein Joghurt-Eis hat oder es nicht mag, nimmt er halt ein anderes."

Zweites Angebot

Weil sich die Nachfragen zu geliefertem Essen häuften, konzipierte Schwemmer als zweites Angebot das Genussessen zum Abholen. Die Kunden können dieses in wenigen Minuten zuhause final zubereiten. Um die Hygiene zu gewährleisten, werden die einzelnen Komponenten in Folie eingeschweißt. Da das Essen ohne Folie erhitzt wird, seien Bedenken wegen Weichmachern unbegründet. Als Anleitung lädt der Gastronom dienstags oder mittwochs ein Video für das Gericht des Sonntags auf seinem Youtube-Kanal hoch, in dem er die Zubereitung erläutert. So können die Kunden vorab begutachten, was es Feines gibt, und sich beim Kochen anleiten lassen. Ein Paket ist dabei für zwei bis drei Personen ausgelegt.

Für die Zusammenstellung des Genussessens investiert Schwemmer viel Zeit, probiert unterschiedliche Variationen aus. "Die Rezepte ändern sich permanent." Wenn er beispielsweise selbstgemachte Makkaroni anbietet, müsse er sicherstellen, dass diese nicht matschig werden, bis sie der Kunde zubereitet. Auch die Unterhaltung soll in den Videos nicht zu kurz kommen. "Man darf nicht alles so Ernst nehmen", sagt Schwemmer, der darin vor allem beweist, dass er des Fränkischen mächtig ist. "Hochdeutsch wäre nicht authentisch."

Kurz und simpel

Der reine Dreh dauere zwischen einer halben und einer Stunde, schätzt Sophie Schwemmer, die Grundschullehramt studiert und ihre Kenntnisse in einem Filmseminar erworben hat. "Wir haben uns einfach ausprobiert", erzählt sie, mit der Zeit habe sich eine Routine entwickelt. Kurz und simpel sollen die Videos sein. Freilich könne man in 45 Minuten erklären, wie ein Kaiserschmarrn zubereitet wird. "Aber so lange will sich das doch keiner anschauen", findet Joachim Schwemmer. Auf den Dreh folgt der Schnitt. Mittlerweile habe sie schon ein Gefühl dafür entwickelt, wie lang die einzelnen Sequenzen sein dürfen, erklärt Sophie Schwemmer. Die Tonspur spricht der Gastronom im Nachgang ein. Von ihm selbst sind lediglich die Hände zu sehen. "Es geht um das Essen. Wir wollen uns nicht verkünsteln."

Freilich hätten seine Ideen auch floppen können. Umso mehr freue ihn die positive Resonanz. "Einige warten schon darauf, dass wieder ein neues Video kommt", sagt der Gastronom. Seine Kundschaft sei breit verstreut und würde teilweise aus Würzburg anreisen. Weiterer Pluspunkt: Da das Essen nicht kalt werden kann, könnten die Leute ohne Eile heimfahren und es flexibel zubereiten. Ältere Menschen hätten bereits gefragt, ob sein Angebot bestehen bleibt, wenn er wieder öffnen darf. "Das muss man abwarten", sagt Schwemmer, der nicht ausschließt, sein Angebot entsprechend anzupassen.

"Es muss weitergehen. Auch nach Corona", sagt Schwemmer, der sich wünscht, dass die Bürger die Gastronomie unterstützen und weiterhin bei ihren Stammlokalen bestellen. Denn: Ihm ist bewusst, dass nicht jeder Gastronom eine solche Möglichkeit wie er hat. Deshalb ist er dankbar, bleibt positiv gestimmt und versucht die Chance in der Krise sehen.

Bestellungen können unter der Telefonnummer 09841/48 23 aufgegeben werden. Individuelle Absprachen beispielsweise bezüglich einer vegetarischen Ernährung oder kleinerer Portionen sind möglich.

ANNA FRANCK

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