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Partnerstädte: Corona-Angst in Este und Erkelenz

Die italienische Partnerstadt gleicht am Abend einer Geisterstadt. - 27.02.2020 10:00 Uhr

Bereits bei der Spielwarenmesse in Nürnberg im Januar trugen viele Reisende am Flughafen Mundschutz. Vielerorts ist dieser ebenso wie Desinfektionsmittel aktuell ausverkauft, so auch in Bad Windsheims italienischer Partnerstadt. © Ralf Rödel


Besonders angespannt ist die Lage in der Region Venetien. In der Provinz Padua hatte das Virus das erste Todesopfer in Italien gefordert: Ein 78-jähriger Rentner aus dem 14 Kilometer von Este entfernten Vo starb am Freitag vergangener Woche in Krankenhaus von Schiavonia – nur gut fünf Kilometer entfernt von Este. Ein zweiter infizierter Mann überlebte. Das 3300 Einwohner zählende, im Nordwesten der Euganeischen Hügel gelegene Vo ist aktuell ebenso komplett abgeriegelt wie Städte in der Lombardei. Das Robert-Koch-Institut hat Vo zum Risikogebiet erklärt.

In Bad Windsheims Partnerstadt Este ist das öffentlichen Leben praktisch zum Erliegen gekommen – auch wenn es in der Stadt noch keine bestätigten Erkrankungen gibt. Wie Luigia Businarolo vom dortigen Städtepartnerschaftskomitee berichtet, wurde bereits am vergangenen Sonntag beschlossen, alle Schulen und Kindergärten zunächst bis zum 2. März zu schließen. Ob Kino, Theater, Fußballspiele oder Karneval – alle Veranstaltungen, bei denen große Menschenaufläufe zu erwarten sind, wurden abgesagt.

Doch nicht nur das. "Nach 20 Uhr gleicht Este einer Geisterstadt", zitiert Marion Caputo vom Bad Windsheimer Komitee für Städtepartnerschaften ihre Kollegin Luigia Businarolo, mit der sie täglich in telefonischem Kontakt steht. Die Bars und Restaurants in Este sind demnach ebenso leergefegt wie weite Teile der Supermarktregale im Ort. Die Kunden selbst machen sich dort mittlerweile auch rar, sie haben sich mit Vorräten eingedeckt und nach Hause zurückgezogen. Desinfektionsmittel, antibakterielle Seifen und Mundschutzmasken sind in allen Läden wie Apotheken ausverkauft. Die Angst vor dem Virus ist groß in Este. Zumal die Zahl der Erkrankten in Venetien seit Sonntag in die Höhe geschnellt ist.

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In Erkelenz war am Montag in die dortige Klinik ein Mann aus dem 35 Kilometer entfernten, ebenfalls im Kreis Heinsberg gelegenen Gangelt mit Symptomen einer Lungenentzündung eingeliefert worden. Bei dem 47-Jährigen wurde eine Infektion mit dem Covid-19-Virus diagnostiziert. Der Mann, der sich gestern in einem schlechten, aber stabilen Zustand befand, wurde mittlerweile in eine Düsseldorfer Klinik verlegt.

Seine Ehefrau wurde ebenfalls mit Symptomen einer Viruserkrankung behandelt. Wie die Rheinische Post gestern Nachmittag unter Berufung auf Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) meldete, ist auch sie mit dem Virus infiziert. Sie ist laut Medienberichten als Erzieherin in einer Kindertagesstätte in Gangelt tätig.

Der 47-jährige mit dem Virus infizierte Mann hatte nach Aussage des Heinsberger Landrats Stephan Pusch (CDU) in den vergangenen 14 Tagen eine "unendliche Vielzahl von Kontakten" zu anderen Menschen. Laut Minister Laumann hatte er – bereits ansteckend – noch während der Karnevalszeit am gesellschaftlichen Leben teilgenommen.

Weitere Fälle des Auftretens des Virus sind in der Region am Niederrhein bislang nicht bekannt. Wie Friedericke Grates vom Büro des Erkelenzer Bürgermeisters Peter Jansen gegenüber der WZ sagte, wurde gestern gleichwohl beschlossen, alle Schulen, Kitas und andere öffentliche Einrichtungen wie Schwimmbäder und Stadtbibliotheken bis einschließlich Montag, 2. März, geschlossen zu halten.

Günter Blank

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