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Märchen der Wortzauberin aus Hartershofen

Brigitte Christina Trautmann-Keller schreibt Geschichten und liest sie im Herbst bei Führungen vor - 27.12.2018 13:10 Uhr

Brigitte Christina Trautmann-Keller liest aus ihrem ersten Roman vor – eine Geschichte über einen Zigeuner und die Liebe zu seiner Geige. Foto: Claudia Lehner


Oft spielen ihre Geschichten in vergangen Zeiten, wie die des Wintermütterchens, das seine Pflanzen so sehr liebt, dass es den Tod überredet, ihr noch ein Jahr zu schenken. "Aber sieh, draußen vor der Stadt liegt mein Gärtchen, es wird, wenn ich, ohne mich zu verabschieden, gehe, so einsam sein, dass die Bäume Trauer tragen und keine Früchte mehr wachsen", bettelt es. Und dennoch: Es sind Geschichten, "die auch die Wirklichkeit mit einbeziehen", betont die Autorin. Ihre Märchen gehen meistens gut aus, doch gibt es auch Tragisches, wie im echten Leben, wie auch in ihrem eigenen Leben.

Manchmal spielt ihre Familiengeschichte mit hinein, wie in der Erzählung vom Karussell-Peter. Brigitte Christina Keller wurde 1946 in die siebte Generation einer Schaustellerfamilie aus Uffenheim hineingeboren. Ihr Vater betrieb unter anderem ein Karussell, das er mit viel Liebe bemalt hat. Mehr als ein bunt koloriertes Bild eines solchen Fahrgeschäfts findet sich denn auch an den Wänden in Trautmann-Kellers Wohnung.

Erster Roman veröffentlicht

Sie schreibt, was sie bewegt und "wie ich mich gerade fühle." Mal etwas Ernstes, dann wieder was Lustiges. Deswegen arbeitet sie auch nicht nur an einer Geschichte. Das Märchen "Das goldene Wams" über Lug und Trug, ehrliche Tiere, Mord und Totschlag sei fast fertig, erklärt die Autorin. Parallel schreibt sie aber auch an einer Geschichte über Köhler: "Feuerauge". Die "sehr mystische" Erzählung "Herzblut" liegt noch "in der Schublade". Ihren ersten Roman hat sie bereits 2008 – unter ihrem Mädchennamen Brigitte Christina Keller – veröffentlicht. "Verworrene Wege" erzählt die Geschichte eines Zigeunermusikanten, der seine Geige mehr liebt als alles andere. Eine Trilogie soll daraus werden.

Bruno Rose zieht mit seiner kleinen Familie und einem Planwagen durch die Lande, verdient sich sein Geld mit seiner Geige. Durch unglückliche Umstände wandert er ins Gefängnis. Seine junge Frau muss schnellstens flüchten, um Hilfe zu holen.

Trautmann-Keller hat sich intensiv mit der Lebenswelt der Zigeuner und ihrer Kultur beschäftigt. Ihr Urgroßvater war Sinti, sie selbst war in erster Ehe "mit einem Zigeuner verheiratet", wie sie erzählt.

In ihrer Jugend ist sie viel gereist, war im Sommer mit der Schausteller-Familie auf Märkten unterwegs. Großvater und Urgroßvater hatten ein großes Fotoschießen. Traf ein Kunde in die Mitte der Scheibe, so löste die Kamera aus. Die Urgroßeltern hatten ein reisendes Atelier, noch mit Blechfotografie. In Regensburg, so erzählt sie, habe sich der Rekommandeur, der die Kunden in den Laden locken sollte, einen Scherz erlaubt. Einem Kunden mit besonders wirrer Haarpracht wurde Papierleim gereicht, damit er sich etwas herrichte. Als der im Frühjahr wiederkam, sei ihrem Urgroßvater "das Herz in die Hosentasche" gerutscht. Doch der Mann war völlig zufrieden. "Ham se noch a bissl was von dem guten Haaröl" soll er gefragt haben. Trautmann-Keller gibt das in gutem Oberpfälzer Dialekt wieder. Auf den vielen Märkten, sagt sie, habe man sich schnell dem dort üblichen Dialekt angepasst.

Seit ihrer Jugend schreibt sie. "Großmutter und Mutter haben mir die Liebe zum Erzählen in die Wiege gelegt", sagt sie. Das tut sie noch heute gerne – mit bewegter Mimik und leuchtenden Augen.

"Ich suche immer das Gespräch", erklärt die temperamentvolle Frau. So entstehen auch ganz moderne Erzählungen, wie die von einem Punk, den sie in Würzburg getroffen und der ihr aus seinem Leben erzählt hat. Auch Themen wie Hunger und Gerechtigkeit in der Welt verarbeitet sie in ihren Erzählungen oder in den bislang 500 Gedichten.

Ihre Märchen trägt sie regelmäßig vor, seit 2012 in Rothenburg beim Märchenzauber im November. Dann gibt es besondere Führungen, verbunden mit Lesungen. Seit 2005 ist sie außerdem die "Märchentante" am Rothenburger Hexenhaus. Regelmäßig veröffentlicht sie Geschichten im Wochenspiegel, einem Anzeigenblatt im Rothenburger Raum.

"Es macht viel Spaß", sagt sie über das Schreiben. "Alles, was mir Spaß macht, ist gut." Wortzauberin hätte sie mal jemand genannt. "Ich erfinde Wörter." Nachdem ihre drei Kinder bereits erwachsen sind, hat sie wieder viel Zeit dafür. Weiterhin ist sie aber auch Schaustellerin, wie sechs Generationen vor ihr. Mit ihrem Süßigkeitenstand sind sie und ihr Mann auch regelmäßig auf verschiedenen Märkten in Bad Windsheim zu finden. 

Claudia Lehner

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