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Landwirtschaftsminister diskutiert mit jungen Milcherzeugern

Debatte über Markt-Regulierung und Risiko-Verteilung in der Branche - 03.08.2017 16:01 Uhr

Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (links) diskutiert mit Milchviehhalter Mathias Flory in dessen Stall in Lenkersheim.

© Foto: Bastian Lauer


Das Thema der Debatte: die Milchpreis- Problematik. Das Fazit der Landwirte fiel durchwachsen aus.

Initiator war Mathias Flory, auf dessen Aussiedlerhof das Treffen stattfand. Er hatte Schmidt vor über einem Jahr, als bei den Milcherzeugern nur noch 23 Cent pro Liter ankamen, einen Brief geschrieben, um ihm die prekäre Lage von jungen Landwirten deutlich zu machen. Die müssten sich noch eine Zukunft aufbauen, stürzen aber von Preiskrise zu Preiskrise.

Seit 2015 gibt es keine Milchquote der EU mehr, doch die Bauern forderten von Schmidt dauerhafte Instrumente der Politik zur Regulierung des Milchmarktes, vor allem in Krisenzeiten. Einerseits zur Begrenzung der Produktion, andererseits um für ihre überschüssige Produktion einen Verdienst generieren zu können. "Diese zwei bis drei Prozent machen uns die Probleme", sagt Flory. Dass staatliche Eingriffe funktionieren, so das Argument, habe das befristete Hilfsprogramm der EU, das im vergangenen Jahr auch Christian Schmidt in Brüssel durchgesetzt hatte, gezeigt. Erzeuger bekamen damals pro Liter Milch, den sie gegenüber 2015 weniger produzierten, Ausgleichszahlungen.

Aktuell bekommen die Milcherzeuger etwa 38 Cent pro Liter. Flory führt den Anstieg vor allem auf das Hilfsprogramm zurück. Allerdings sei das auch nur wenige Cent über dem "Minimum zum Überleben" von 33 bis 36 Cent, was wiederum für den Minister ein gutes Preisniveau sei, mit dem Erzeuger kalkulieren könnten.

Die Krux ist, dass der Milchpreis in Deutschland vom freien Weltmarkt abhängig ist und starken Schwankungen unterliegt. Erreicht dieser kritisches Niveau, bleibt nur ein Ausweg: "Einzelne Betriebe können nur erweitern und mehr Milch produzieren, um zu überleben", erklärte Florian Dollinger aus Roth. "Ja, aber volkswirtschaftlich ist das eine Katastrophe", antwortete Schmidt. Denn das drückt die Preise nur weiter.

Wie herauskommen aus der misslichen Lage? Der Forderung der jungen Landwirte erteilte der Minister eine Absage: "Die EU-Kommission hat sich klar positioniert." Die Minister-Kollegen der anderen EU-Staaten würden "keine Bereitschaft" zu einer staatlichen Milchmengen-Regulierung zeigen. Warum das so sei, fragten die Landwirte mehrfach. Eine klare Antwort erhielten sie nicht. Schmidt nannte beispielsweise "andere nationale Regulierungsmodelle" und verwies darauf, dass es nur noch einen regulierten landwirtschaftlichen Markt in der EU gäbe: den Wein. Alle anderen seien völlig offen. Flory sagte dazu: "Der Markt richtet’s. Der Markt richtet aber auch hin."

Lieferverträge bringen nichts

Schmidts Ansatz für die Zukunft sei eine Verteilung des Risikos unter Erzeugern, Molkereien und Verbrauchern. Bisher liege das Risiko fast ausschließlich bei den Erzeugern. Dabei konnten ihm die Landwirte nur zustimmen. Der Minister brachte Muster-Lieferverträge ins Spiel, die einem Erzeuger die Abnahme eines Großteils seiner Produktionsmenge durch eine Molkerei zu einem festen Preis garantieren würde, allen Überschuss müsste er bei eigenem Risiko auf dem freien Markt anbieten. Lieferverträge brächten weder den Bauern noch dem Markt eine Entlastung, weil die Molkereien nur ihr Geschäft im Blick hätten, entgegnete Dollinger. Das gleiche gelte für den Einzelhandel, der billig anbieten muss, um breite Käuferschichten zufriedenzustellen.

Gegenüber der WZ resümierte Mathias Flory: "So recht auf uns eingegangen ist der Minister doch nicht." Die sechs Landwirte baten Schmidt dennoch inständig, sich auf EU-Ebene für die Branche einzusetzen. "Wir sind Vollblutbauern und freuen uns, wenn wir bei der Hitze um fünf wieder in den Stall dürfen", versicherte Flory dem Minister. "Wir sind nicht weit auseinander", fand Schmidt, "aber wir dürfen den Markt nicht außer Acht lassen."

Bastian Lauer

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