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Donnerstag, 13.08.2020

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Kein Führerschein für Viertklässler

Einige Grundschüler können wegen der Corona-Pandemie keine praktische Fahrradprüfung ablegen. - 13.07.2020 13:00 Uhr

Elke Bayer und Nabil El Halaby geleiten Viertklässler als Verkehrserzieher regelmäßig durch den praktischen Teil der Fahrradprüfung. In diesem Schuljahr konnte aufgrund des Coronavirus nur ein Teil der Kinder eine solche ablegen.

© Foto: Anna Franck


"Man kann das durchaus kritisch sehen, einen Nachteil haben die Kinder bestimmt", sagt Nabil El Halaby. "Sie lernen ja schon etwas bei uns. Wenn nicht, wäre unsere Arbeit ja nicht nötig", schlussfolgert der Polizist, wenngleich er nicht ausschließt, dass einige Kinder die erworbenen Kenntnisse schnell wieder vergessen. Ein wenig Wissen bleibe dennoch immer hängen.

Seit den 1970er-Jahren gibt es die Fahrradprüfung, schätzen die beiden Verkehrserzieher. Im Lehrplan ist sie heutzutage fest verankert. Grundsätzlich gilt: Wer den Fahrradführerschein hat, darf alleine mit dem Rad zur Schule fahren, wenngleich es keine Führerschein-Kontrollen wie beim Auto gebe.

 

Schriftliche Prüfung gemeistert

 

Der theoretische Teil wurde wie üblich den aktuellen Viertklässlern von ihren Lehrern beigebracht, auch die schriftliche Prüfung legten sie ab. Den praktischen Teil übernehmen die Polizisten. Dafür werden die Schulen, die zum hiesigen Gebiet der Verkehrserzieher zählen, in drei Blöcke – Frühling, Sommer und Herbst – geteilt. Einige hatten Glück und waren bereits dran, beispielsweise die Viertklässler der Hermann-DelpSchule. Am 23. März hätte ein weiterer Block beginnen sollen, doch der Lockdown kam in die Quere. Mehrere Klassen von sieben Schulen konnten seitdem nicht praktisch üben, sagt Elke Bayer. Betroffen sind beispielsweise in Bad Windsheim die Pastoriusschule, die Franziskusschule und die Schule im Aischgrund.

Mitte Juni wurde die praktische Radfahrausbildung vom bayerischen Kultusministerium zwar wieder erlaubt, zeitlich war sie jedoch nicht mehr durchführbar, "vor allem auch, weil die Klassen zu unterschiedlichen Zeiten Schule haben", erklärt Bayer. Den praktischen Teil in der fünften Klasse nachholen? Auch das gestalte sich schwierig und sei praktisch nicht umsetzbar. "Alle wechseln dann an verschiedene Schulen."

Eine Ausnahme sei die Schule im Aischgrund, dort konnten drei Klassen nicht beschult werden. Weil die Kinder die Einrichtung für die fünfte Klasse nicht verlassen müssen, ist dort ein Nachholen direkt zu Schulbeginn im Herbstblock möglich. So der Plan. Welche Regeln bis dahin gelten, sei offen, gibt Nabil El Halaby zu bedenken.

Vom Kultus- und Innenministerium sei nun angeregt worden den Kindern wenigstens eine Tote-Winkel-Übung mitzugeben. "Das wurde an verschiedenen Grundschulen auch durchgeführt", sagt Elke Bayer. Ein Ersatz sei das trotzdem nicht. Derzeit sind die Verkehrserzieher hauptsächlich in den Kindergärten unterwegs, um mit den Vorschulkindern den Schulweg zu trainieren. Eine zeitliche Herausforderung. 27 Kindergärten liegen im Zuständigkeitsgebiet der Polizeiinspektion Bad Windsheim, jeder davon hat mindestens eine Vorschulgruppe – Burgbernheim beispielsweise sogar drei. Diese gilt es an den noch verfügbaren Juli-Tagen zu beschulen, "teilweise muss das sogar parallel ablaufen", erklärt Elke Bayer.

Die Verantwortung liege nun bei den Eltern. Sie und alle anderen Verkehrsteilnehmer müssten Vorbild sein. Immer. Auch unter normalen Bedingungen ohne Corona.

ANNA FRANCK

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