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Donnerstag, 13.08.2020

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Hotelerie: Mit Alpakas aus der Talsohle

Buchungszahlen in der Kurstadt steigen langsam wieder. - 01.07.2020 11:00 Uhr

Mundschutz und Einmalhandschuhe sind bei der Selbstbedienung Pflicht, sonst kann der Gast das Frühstücksbuffet genauso genießen wie in der Zeit vor Corona, wie Caroline Weigand demonstriert.

© Foto: Claudia Lehner


"Man merkt es an den Buchungen." Oliver Späth vom Hotel am Kurpark ist sehr froh darüber, dass die Therme seit gut einer Woche auch wieder im Innenbereich geöffnet hat. Die Zugkraft der Therme spürt Caroline Weigand vom Vitalhotel ebenfalls. "Es wird von Tag zu Tag besser." Fast jeder Anruf sei eine Buchung. "Das macht Freude", erklärt die Hotelchefin. Sie erkennt eine Tendenz zu längeren Aufenthalten. Doch an den März, in dem das Hotel ausgebucht war, könne man nicht anknüpfen.

"Die Talsohle ist absehbar", sagt Späth. Zwischen einem Drittel und der Hälfte der normalen Buchungen verzeichnet er aktuell. "Es wird besser." "Weniger schlecht", schiebt er nach. Vereinzelt werden wieder Tagungen gebucht, was bei ihm noch nicht wieder angelaufen ist, seien Familienfeste, aber es habe schon Anfragen für Hochzeiten gegebenen.

"Da fehlt noch einiges", ist auch Herbert Krönerts Einschätzung der Lage in Gastronomie und Hotellerie. Er ist Wirt des Landgasthofs Goldener Stern in Trautskirchen und Kreisvorsitzender des Hotel und Gaststättenverbands, Dehoga Bayern. Über den Berg sei die Branche noch nicht, aber er erkennt einen "leichten Aufwärtstrend" und hofft auf den Herbst. Hinter dieser Hoffnung steht für Birgit Rienecker vom Genusswerk in der Kurstadt jedoch ein Fragezeichen. "Ein zweiter Lockdown wäre eine Katastrophe."

"Die Leute sind noch verunsichert" ist Späths Einschätzung. Dies teilt Wilfried Kloha, Gasthof-Pension Grüne Aue in Hechelbach. Seine Klientel ist etwas älter. Die würden nicht gleich in den Flieger springen, wenn es wieder erlaubt ist. Die warten ab, ohnehin sei für ihn nicht der heiße Sommer, sondern der Herbst mit den für Senioren angenehmeren Temperaturen die buchungsstarke Zeit, ebenso wie der Frühling, der heuer jedoch ein Totalausfall war. Für September und Oktober sei er schon sehr gut gebucht.

Therme und Freilandmuseum seien wichtig auch für ihn, sagt Kloha. Doch allein deswegen buchen seine Gäste nicht sofort ein Zimmer. Bad Windsheim hänge wohl deutlich stärker von der Therme ab, schätzt auch Friedrich Düll, Seniorchef des Schwarzen Adlers in Ipsheim. Etwa zu zwei Dritteln seien die Zimmer wieder belegt, ein Wochenende mal ganz voll, dann wieder leer. Es werde sehr kurzfristig gebucht. Er kritisiert die "Angstmache" vor dem Virus. Messebesucher fehlen, die Weinfeste waren sonst ein gutes Geschäft. Dafür hätten viele Monteure im Schwarzen Adler übernachtet. Vielleicht ziehe das Geschäft ja weiter an, weil die Leute lieber in Deutschland bleiben statt ins Ausland verreisen. "Es wird schon wieder", sagt er als Rentner mit einer gewissen Gelassenheit.

Mindestens so wichtig wie die Öffnung der Therme sind andere Lockerungen: Zehn Personen dürfen wieder zusammensitzen, auch wenn sie nicht aus einem Haushalt sind, und um 22 Uhr muss nun auch nicht mehr draußen dicht gemacht werden. Bei geschlossenen Gesellschaften entfällt der Mundschutz – außer in den öffentlichen Bereichen. "Extrem gut und wichtig", findet Kloha die Lockerungen.

Die Krise bringt auch Neues hervor: So bietet das Vitalhotel verstärkt geführte Touren an: eine Wanderung durch die Weinberge, begleitet von Alpakas, dann Weinprobe und Brotzeit kam laut Weigand sehr gut an. In Kooperation mit dem Golfplatz wird in drei Tagen die Platzreife angeboten. Für Wilfried Kloha war die Hechelbacher Kirchweih der Startschuss. Die sei so toll gewesen, schwärmt er, "das gibt Mut." Er bietet jetzt freitags ein "Biergartenfestle" mit Livemusik an. Nachdem er als Musiker nur noch zwei Meter Abstand einhalten muss, müsse er sich mit seiner Quetsche nicht mehr auf die andere Straßenseite stellen.

Streichen, neu polstern: Etliche Wirte und Hoteliers haben die ruhigere Zeit genutzt. "Das ist eine Riesen Chance nochmal neu zu denken", sagt Caroline Weigand zu den Abläufen im Hotel. Von der Krise will sie sich nicht kleinkriegen lassen, auch wenn das Hotel noch recht neu ist und damit noch kein finanzielles Polster geschaffen wurde. Sie konzertiert sich auf den "Spaß wieder Gastgeber zu sein".

CLAUDIA LEHNER

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