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Montag, 21.10.2019

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Ein Sommermärchen im Freilandtheater

Wenn ein Fußballspiel bei der Gebietsreform die Entscheidung bringen soll - 20.03.2019 11:03 Uhr

Fußballfans erkennen sofort: Der Sportplatz in Ergersheim muss für erste Bilder herhalten. Das Feld im Freilandmuseum entsteht erst noch. © Foto: Andreas Riedel


Mit Bravour und kälteerprobt hat das Freilandtheater seine neunte Winterspielzeit abgeschlossen und startet mit den Vorbereitungen für den Sommer. Seit Montag sind Reservierungen und Kartenbestellungen für die Sommerproduktion erhältlich.

Die Geschichte der Gebietsreform findet Christian Laubert richtig spannend, sagt er. Etliche Gemeinden hätten ihre Selbstständigkeit verloren. So überlegte sich Laubert, was denn passieren würde, wenn zwei Ortschaften sich nicht einigen können, sie dies aber untereinander klären müssen.

So kam er auf die Idee eines Fußballspiels. Wenngleich Laubert einräumt: "Fußball ist gar nicht so meins." Aber er weiß, dass so ein Spiel enorme Möglichkeiten der Dramatik in sich birgt.

Ein Fußballfeld ist im Fränkischen Freilandmuseum natürlich nicht vorhanden. Also wird eines angelegt: Im Dreieck zwischen Ziegelei, Kapelle und Kommunbrauhaus wird auf der Wiese das Spielfeld entstehen. Im Theaterformat natürlich: "Die Zuschauer müssen ja etwas sehen", betont Laubert.

Noch Kostüme gesucht

Die Vorbereitungen laufen. Was noch benötigt wird, ist Sportbekleidung aus den 1970er- und 1980er-Jahren. Einen Trainingsanzug, wie Berti Vogts ihn getragen hat, hat Laubert schon bekommen. Weitere Sporthemden oder Hosen wären schön. Laubert hofft, dass da im Raum Bad Windsheim noch Einiges vorhanden ist. Denn die eine Ortschaft im Theaterstück besitzt Trikots, die andere "nur" private Sportausrüstung. "Das ist so wie gallisches Dorf und römische Legion", meint Laubert und lacht.

Fachkundigen Rat hat sich der Regisseur natürlich geholt. Zum einen studierte er das Büchlein "Wie werde ich Heribert Faßbender", aber er hört sich auch fleißig Fußballreportagen an. Und er fragt Leute, die sich auskennen, darunter ist auch sein Vater. Und der Schauspieler Reinhold Maria Behling aus Frankfurt, der in seiner Jugend aktiv Fußball gespielt hat und höherklassige Erfahrung mitbringt. "Der kommt im Sommer zu uns", freut sich Laubert.

Im Stück geht es wieder um den fiktiven fränkischen Ort Schaffenrath. Dort schlägt die Gebietsreform 1978 zu: Mit Entsetzen hören die Schaffenrather, dass ihre Gemeinde mit ihrem Erzrivalen Kleinlichtenau zusammengelegt werden soll. Damit nicht genug, ist als Name der Gesamtgemeinde Großlichtenau geplant. Sofort formiert sich erbitterter Widerstand in Schaffenrath, dem sich verbissene Vertreter aus Kleinlichtenau entgegenstellen. Um die verfahrene Situation zu retten, schlägt Bürgermeister Röckelein aus Kleinlichtenau ein Fußballmatch vor: Wer gewinnt, soll bestimmen, wie der Ort heißen wird. Der gewiefte Gemeindechef wähnt den Sieg schon in seiner Tasche. Doch er hat die Rechnung ohne die Schaffenrather gemacht.

Nach der Idee zu dem Stück fing Laubert das Schreiben an. Und er recherchierte. Natürlich stieß er auf den Ort Ermershausen in den Haßbergen. "Das ist ja irre, was damals passiert ist", meinte er. "Nichts ist zu schräg, als dass es nicht realistisch wäre", hat er erkannt, wenn er an das Vorhaben der Menschen dort denkt, in die DDR auszusiedeln. Dieser fränkische Widerstandsgeist, das Beharren auf Eigenständigkeit, der hohe Wert der Freiheit sind für ihn faszinierend und geben ihm genügend Stoff für ein Stück, zu dem Walter Kiesbauer die Musik liefert.

Natürlich findet das Fußballspiel statt. Aber es ist ein Stück, bei dem auch Fußballmuffel auf ihre Kosten kommen. Auch der alltägliche Fußballwahnsinn wird auf die Schippe genommen.

Laubert versichert, dass wieder versucht wird, bei jedem Wetter zu spielen. Aufführungstermine: ab Donnerstag, 27. Juni, letzte Vorstellung: Samstag, 17. August. Mittwoch bis Samstag, im August auch Dienstag, immer um 20.30 Uhr. Insgesamt sind es 33 Vorstellungen.

Für Frühentschlossene bietet das Freilandtheater auch dieses Jahr einen Frühbuchertarif an: Wer bis zum 30. April seine Karten kauft, zahlt weniger. Ab dem 1. Mai sind die Karten dann zum Normalpreis erhältlich. Tickets gibt es in allen Vorverkaufsstellen, telefonisch unter 09106/92 44 47, per Mail an karten@freilandtheater.de oder im Internet unter der Adresse www.freilandtheater.de/ticket. Preise bis 30. April: 25 Euro, ermäßigt 20 Euro. Ab 1. Mai gelten die normalen Preise: 27/22 Euro.

GERHARD KRÄMER

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