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Der Zinnesrausch ist längst vorbei

Neue Sonderausstellung im Fränkischen Freilandmuseum zum Thema Zinn zeigt fast vergessene Sammelstücke. - 15.05.2019 14:02 Uhr

Sabine Tiedtke beschäftigt sich mit der umfangreichen Zinnsammlung des Fränkischen Freilandmuseums. © Gerhard Krämer


Solche Becher waren vor einigen Jahrzehnten noch beliebte Sammlerstücke. © Gerhard Krämer


Bis in das 19. Jahrhundert wurde Zinn für Gebrauchsgeschirr verwendet. Aber auch aufwendige Trink- und Schankgefäße der Zünfte, Leuchter, Kannen und Schalen für die Kirche wurden aus diesem Metall hergestellt, doch die Hochzeit des Zinns ist längst vorbei. In den 1960er- bis 1990er-Jahren gab es mit diversen Sammel-Objekten noch einen regelrechten Zinn-Boom.

Das Freilandmuseum besitzt einen großen Zinnbestand. Einzelstücke sind schon genauer betrachtet worden, doch jetzt untersucht die wissenschaftliche Volontärin des Museums, Sabine Tiedtke, den Bestand. Der besteht nicht nur aus alten Objekten, sondern beinhaltet auch Stücke aus der Boom-Zeit. "Die neuen Zinnobjekte sind wissenschaftlich noch nicht berücksichtigt worden", erklärt Tiedtke. "Das ist das Spannende, dass man noch viel dazu forschen kann."

Auch die Firmen während des Zinn-Booms sind noch nicht wissenschaftlich untersucht. "Hier kann man noch Grundlagenforschung betreiben", meint sie. Dass sich während dieser Zeit Zinn verbreitete, lag auch daran, dass es unter anderem über den Quelle-Katalog gekauft werden konnte. Erstmals tauchten verschiedene Sammelobjekte im Katalog 1966/67 auf, letztmals 1992.

Fuchskopf aus Zamak

Bei ihren Untersuchungen ist sie auch auf Zamak gestoßen, das auf den ersten Blick wie Zinn ausschaut, allerdings eine Zinklegierung ist. Das wurde gerne für das Druckgussverfahren verwendet, weil man damit Feinheiten besser herausstellen konnte. Ein Beispiel ist ein Fuchskopf als Deckel eines Kruges. Der ist aus Zamak und nicht wie geglaubt aus Zinn. "Wenn man es weiß, erkennt man es an der Formausführung." Im Begleitband zur Ausstellung werden rund 500 Objekte aufgelistet, etwa 300 werden in der Ausstellung zu sehen sein, ebenso 60 Leihgaben aus einer Privatsammlung. Zu sehen sind auch Zinnobjekte des Windsheimer Zinngießers Johann Melchior Roschmann, darunter eine Kanne von 1741.

Die Besucher lernen Material und Verarbeitung kennen und können selbst als Zinnforscher tätig werden, indem sie Meisterzeichen und Stadtmarken entschlüsseln. Thema wird auch das aktuelle Geschehen sein: Das selten gewordene Handwerk des Zinngießers steht vor dem Aussterben. Seit den 1990er-Jahren wurden keine Meisterprüfungen mehr abgenommen, nur wenige üben die Tätigkeit noch vollberuflich aus.

InfoDie Ausstellung ist vom 18. Mai bis 15. Dezember zu sehen – täglich von 10 bis 18 Uhr (ab Oktober verkürzte Öffnungszeiten). 

GERHARD KRÄMER

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