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Bad Windsheim: Auszählung im Corona-Modus

Die Historische Briefwahl-Stichwahl wird an sieben Tischen im KKC ausgezählt. - 31.03.2020 19:06 Uhr

Es ist kompliziert: Den Überblick zu behalten, ist bei der Auszählung einer Wahl sowieso das Gebot der Stunde, in Zeiten der Corona-Krise gilt es dann zusätzlich noch einige weitere Dinge zu beachten.

© Foto: Gerhard Krämer


Die Schranken an der Zufahrt zum KKC stehen hoch, die Zufahrt frei. Ein Omen auf den Ausgang der Wahl? Weil doch Heckel deren Abschaffung will. Oder doch nur dem kleinen, unsichtbaren, widerlichen Coronavirus geschuldet?

Öde, leer und verlassen wirkt der Platz vor dem KKC-Eingang. An den Fensterscheiben kleben die Plakate von Veranstaltungen. "Verschoben", "Abgesagt" prangt mit großen Lettern darüber. Dafür findet die Stichwahl zu den Kommunalwahlen statt. Ein kleiner Spalt, gerade für eine Person passend, ist im Eingangsbereich offen. Niemand soll die Türgriffe anfassen müssen.

Drinnen wartet Uwe Martin auf eventuelle Besucher. Zuständig für die Haustechnik im KKC, achtet er an diesem Sonntagabend darauf, dass sich jeder mit Name, Anschrift und Telefonnummer in eine Liste einträgt. Die Liste ist überschaubar. Neben ihm und den Wahlhelfern – alles Mitarbeiter der Stadt – sollen sich nur noch der Vertreter der Presse und ein Bürger in die Liste eintragen.

Während sonst im KKC bei Veranstaltungen der Bär steppt, ist es fast schon gespenstisch ruhig. Obwohl hier auf sieben Tischen ausgezählt werden soll. Jeweils zwei im Kleinen Saal und im Foyer, drei im Großen Saal. Mit großem Abstand zueinander. Fünf bis sechs Leute zählen an einem aus sechs kleinen zusammengestellten großen Tisch.

Gut verteilt stehen große Spenderboxen mit feuchten Desinfektionstüchern an den Eingängen von Foyer, kleinem und großem Saal. Die Wahlhelfer tragen Schutzhandschuhe in unterschiedlichen Farben. Auf den Tischen steht ein Fläschchen Desinfektionsspray. Eine Helferin trägt Mundschutz. Wahlauszählung in Corona-Zeiten.

Es ist noch etwas hin bis 18 Uhr. Die Wahlhelfer sind schon länger da, denn die roten Wahlbriefe dürfen auch vor 18 Uhr schon geöffnet werden. Sie sollten den Wahlschein und das weiße, verschlossene Kuvert mit dem gelben Stimmzettel enthalten. Fehlt der Wahlschein oder ist das weiße Kuvert nicht verschlossen, wird es gleich zum Stapel mit den ungültigen Stimmen gelegt.

Ungefähr neun Minuten nach 18 Uhr trifft Bertram Strobel in seiner Funktion als Wahlleiter mit den letzten Briefwahlunterlagen ein. Denn Punkt 18 Uhr hatte er den Briefkasten am Rathaus geleert. Die Kuverts verteilt er noch an die einzelnen Briefwahlbezirke.

Links Kisch, rechts Heckel

Als alle roten Kuverts geöffnet sind, wenden sich die Brieföffner den weißen Kuverts zu. Die gelben, gültigen Stimmzettel wachsen zu Stapeln an, links die Stimmen für Bernhard Kisch, rechts die Stimmen für Jürgen Heckel.

57 Stimmzettel werden am Ende ungültig sein, was aber noch einmal nachgeprüft werden wird. Manche Wähler haben den Stimmzettel durchgestrichen oder mit Kommentaren wie "weder noch" versehen. Einer hat Heckel angekreuzt und es zu gut gemeint und dahinter ein Lach-Smiley gemalt. Doch die Regel lautet: "Der Stimmzettel ist ungültig, wenn Sie auf dem Stimmzettel irgendetwas noch hinschreiben oder malen."

Die gelben Stimmzettel-Stapel wachsen und wachsen, gegen Ende sind die von Herausforderer Jürgen Heckel auf sechs der sieben Tische deutlich größer. Alles wird gezählt, nachgezählt und, falls irgendetwas nicht stimmt, nochmals gezählt. Die Schnellmeldungen laufen von den einzelnen Tischen im Rathaus zusammen.

Wer seine Schnellmeldung abgesetzt hat, darf noch einige Formulare ausfüllen. Dann wird alles ordnungsgemäß verpackt. "Wie an Weihnachten", scherzt ein Wahlhelfer. Das Wahlergebnis selbst – 3581 Stimmen für Jürgen Heckel (56 Prozent) und 2809 Stimmen für Bernhard Kisch (44 Prozent) – nimmt die Truppe sportlich auf, bevor die Unterlagen ins Rathaus gebracht werden und jeder seinen Nachhauseweg antritt. Und Uwe Martin das KKC abschließt.Weitere Bilder auf Seite 6.

Gerhard Krämer

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