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Donnerstag, 13.08.2020

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Altstadtfest: Finanzieller Ausfall für viele Vereine

Altstadtfest-Absage hat für Platzbetreiber unterschiedliche Auswirkungen. - 03.07.2020 06:00 Uhr

Sorgen am Marktplatz für ein Spektakel: die Ritter der Gaukler-Truppe.

© Archiv-Foto: Nico Christgau


"Froh sind wir auf jeden Fall nicht", sagt Katharina Döbler-Saule von der Jungen Union, die sonst auf dem Kornmarkt vertreten ist. Die Kasse hätte es freilich gut gebrauchen können, denn das erwirtschaftete Geld werde vorwiegend in den Wahlkampf investiert. Da außerhalb davon die Ausgaben überschaubar sind, sei der Ausfall "nicht so dramatisch", wenngleich man traurig sei. "Man muss es nehmen, wie es ist", sagt Döbler-Saule.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge blickt auch Jürgen Leitner vom Sportverein Moo Duk Kwan, der sonst am Klosterplatz aktiv ist, auf die Lage. "Die Gesundheit der Menschen geht vor, gegen Gesetze kann man sich nicht wehren." Das Fest sei in zweierlei Hinsicht wichtig für den Verein: Zum einen sei es eine Möglichkeit, sich in der Öffentlichkeit zu präsentieren. "Das sind Einnahmen, von denen der Verein auch lebt", sagt Leitner als Zweites. Die Jugendarbeit müsse nun womöglich etwas kürzer treten.

Finanzieller Ausfall

"Ein finanzieller Ausfall ist es definitiv", sagt Dirk Schuster, Vorsitzender der Faschingsgesellschaft Illesheim, die an der Alten Weed ihre Zelte aufschlägt, wenngleich dieser nicht katastrophal sei. Die meisten Vereinsmitglieder hätten mit der Absage bereits gerechnet. Das Vereinsgeschehen sei bei ihnen aktuell ohnehin "am Boden", ist es doch nicht sicher, ob die Faschingssaison starten kann. "Man kann momentan nicht richtig planen", sagt Schuster.

"Wir brauchen das Altstadtfest, um unseren Spielbetrieb und unsere Unkosten zu decken", erklärt Udo Heubusch, Vorsitzender der Wagnertanzgilde 1560 mit Spielmanns- und Fanfarenzug. Der Verein hat sein Lager stets am Holzmarkt. Der Unterhalt des Vereinsheimes, der Zunfthalle am Ochsenhof, müsse nun beispielsweise durch Rücklagen finanziert werden, auf externe Lehrer oder neue Instrumente muss dieses Jahr verzichtet werden. "Am Ende des Jahres werden unsere Kassen leer sein", schätzt Heubusch, der die Absage trotzdem als vernünftig einstuft. Spätestens als alle Großveranstaltungen bis 31. August verboten worden waren, sei für ihn klar gewesen, dass das Fest nicht stattfinden kann. Umso mehr habe es ihn gewundert, dass die Absage von offizieller Stelle so lange hinausgezögert wurde.

Emotionaler Wert

Neben dem finanziellen Aspekt hat das Fest auch emotionalen Wert für den Verein, ist er doch seit Beginn mit dabei. "Da fehlt halt irgendwas, weil mer’s gewöhnt ist", sagt Vereinsmitglied Henry Jung, der quasi "schon immer" mithilft und 2015 am Altstadtfest wie auch Udo Heubusch 2013 zum Ritter geschlagen wurde. "A bissl zamhocken, a weng wurschteln, macht scho’ immer Spaß", sagt Jung.

Einen ohnehin anderen Schwerpunkt haben der Jugendtreff Schneiderscheune und der SPD-Ortsverein in der Seegasse. Deren Erlös geht zum Großteil an die Musiker, wie Matthias Oberth erklärt. Dass Seegassen-Team sei vor allem traurig darüber, dass den Bands nicht die alljährliche Auftrittsmöglichkeit gegeben werden kann. Viele seien dankbar für die Gelegenheit, vor einem größeren Publikum auzutreten. "Bei uns hängt das Vereinsleben nicht davon ab", sagt Oberth. Zudem brauche man auch immer genügend Leute, die Zeit und Lust haben mitzuhelfen. "Niemand wird jünger", sagt er, wenngleich es trotzdem Spaß mache. "Wir richten den Blick auf 2021." Oder wie Henry Jung es ausdrückt: "Na fraali, mer konn net alles homm. Nächstes Johr sinn widder alle Mann an Bord."

ANNA FRANCK

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