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Arbeitsplätze in Gefahr: Siemens-Streiks in Nürnberg

Am Trafowerk ruhte am Mittwoch die Arbeit - 18.09.2019 17:17 Uhr

Die Protestkundgebung von IG Metall gegen geplanten Stellenabbau trieb Menschen auf die Straße. © Gregor le Claire


Im Juli hatte Siemens Befürchtungen bestätigt, dass im Zuge des laufenden Sparprogramms im Konzern 166 Stellen im Trafowerk gekürzt werden sollen. Für die Arbeitnehmervertreter, die zur Kundgebung aufgerufen hatten, ein Unding.

Rudi Lutz, 2. Bevollmächtigter der IG Metall Nürnberg, warf der Siemens-Führung vor, in verhängnisvoller Fixierung auf den Aktienkurs nur auf Kostendrücken zu setzen, ohne eine längerfristige unternehmerische Strategie zu haben: "Wir fahren nur noch auf Sicht. Und wenn ich auf Sicht fahre, dann komme ich damit nicht weit." So sei die Zukunft nicht zu bewältigen. Lutz: "Das führt uns in den Ruin."

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Über 40.000 Mitarbeiter beschäftigt Siemens in Nordbayern. Damit ist das Unternehmen der größte private Arbeitgeber der Region. Aktuell wird der Konzern von Vorstandschef Joe Kaeser mal wieder umgebaut - doch das ist beileibe nicht das erste Mal, dass sich Siemens in seiner Geschichte neu aufstellt.


Trafowerk-Betriebsratschef Thomas Pfann kann die Pläne ebensowenig nachvollziehen. "Die Auslastung ist gut. Der Auftragseingang ist gut", betonte Pfann. Wie man ausgerechnet in so einer Situation Stellen streichen wolle, sei ihm völlig unverständlich. "Der Kapitalismus hat wieder mal zugeschlagen, die dunkle Seite der Macht."

Gewerkschafter Lutz betonte ebenfalls, dass der Standort in den vergangenen Jahren gutes Geld für Siemens verdient habe. Und er erinnerte daran, dass der Standort schon mehrfach Sparrunden über sich habe ergehen lassen müssen. Werde jetzt noch weiter gestrichen, gefährde das die Überlebenschancen des Trafowerks insgesamt.

Unterstützung aus dem Rathaus

Unterstützung bekamen die Siemensianer aus dem Nürnberger Rathaus. Auch Thorsten Brehm, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Stadtratsfraktion und SPD-Kandidat für die Nachfolge von Ulrich Maly als OB, stellte der Siemens-Führung ein schlechtes Zeugnis aus: "Da fehlt Haltung, Linie, eine klare Strategie." Man müsse leider sagen, dass die Konzernleitung in den vergangenen Jahren selten unternehmerische Weitsicht bewiesen habe.

Siemens selbst wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern und verwies auf die laufenden Verhandlungen über den Stellenabbau mit den Arbeitnehmervertretungen. Diese Gespräche gehen Montag, 23. September, in die nächste und möglicherweise entscheidende Runde. Insgesamt zählt das Trafowerk aktuell 1050 Beschäftigte, davon etwa 700 in der Großtrafofertigung, die von den Kürzungsplänen betroffen ist.

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