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Rückzieher: Kein Behindertenheim im Altdorfer Fürstenschlag

Anwohner hatten sich gegen das Projekt gewandt und wurden kritisiert - 01.05.2019 11:29 Uhr

Die Vorstandsmitglieder der Lebenshilfe Nürnberger Land haben am Montagabend einstimmig beschlossen, die Pläne für ein Wohnheim im Bereich Hachenricht/Hessenstraße für geistig behinderte Senioren und Menschen mit Handicap nicht weiter zu verfolgen. Das Bild entstand im Dezember vergangenen Jahres, deshalb die entspannte Stimmung auf dem Foto. Damals ahnte noch niemand etwas von dem aktuellen Konflikt. © Sabine Schreier


Die Lebenshilfe Nürnberger Land kapituliert vor den Widerständen im Altdorfer Fürstenschlag und wird ihre Pläne für ein dortiges Wohnheim für behinderte Senioren und Menschen mit Handicap nicht weiter verfolgen. Nachbarn haben sich vehement gegen das Vorhaben ausgesprochen, nachdem der Stadtentwicklungsausschuss die Pläne noch einstimmig begrüßt und dem Stadtrat die Zustimmung empfohlen hatte.

Dass Anwohner in der Hackenricht- und angrenzenden Straßen sich gegen das Lebenshilfeprojekt wandten, stieß in weiten Teilen der Öffentlichkeit auf helle Empörung, die Wogen schlugen dabei noch höher als bei der zurückliegenden Diskussion um dasselbe Projekt in der Pfaffentalstraße, wo Anwohner ebenfalls auf die Barrikaden gingen und mit ihren Argumenten eine knappe Mehrheit des Stadtrats auf ihre Seite brachten. Der neue Standort an der Hackenrichtstraße ist für das Wohnheim nun auch gestorben.

Charakter der Wohnbebauung

Die hier wohnenden Anwohner wehren sich derweil dagegen, jetzt als Gegner der Lebenshilfe dargestellt zu werden. Sie weisen darauf hin, dass "der Charakter der Wohnbebauung...mit einem Objekt, für das in der ersten Ausbaustufe 35 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geplant sind, verloren" gehe. So heißt es in einem Leserbrief an den Boten.

Im selben Brief verweisen sie auf schwierige Grundwasserverhältnisse und beklagen, dass für das Bauvorhaben der Paragraf 13b des Baugesetzbuchs zur Anwendung kommen sollte. Damit wäre eine schnellere Realisierung des Projekts möglich gewesen. Damit werde aber auch die Bürgerbeteiligung weitgehend ausgeschaltet, kritisieren die Anwohner und fragen, warum denn das Vorhaben der Lebenshilfe "nicht in eines der geplanten Neubaugebiete integriert werden" kann.

Verständnis für Anwohner

SPD-Fraktionschef Martin Tabor, der sich schon gegen die Pläne der Lebenshilfe am Standort Pfaffentalstraße ausgesprochen hatte, äußert auch jetzt Verständnis für die "Ängste und Wut" der Anwohner.

So schreibt er auf Facebook und in einem Leserbrief an den Boten. Den Anliegern sei wegen der Ortsrandlage verwehrt worden, zwei Vollgeschosse zu bauen. "Nun soll dort plötzlich mehrstöckig gebaut werden." Da könne er den Ärger nachvollziehen. Genauso wie in der Pfaffentalstraße sei es das gute Recht der Anwohner, "ihre eigene Situation zu analysieren und gegebenenfalls Rechtsmittel einzulegen".

Den Rückzug der Lebenshilfe hat dessen Vorstandsgremium am Montagabend einstimmig beschlossen. Im Auftrag des Vorstands fasst Pressesprecherin Sabine Schreier den Beschluss in nur zwei knappe Zeilen. Die Gründe für die Aufgabe der Wohnheim-Pläne seien vielfältig, heißt es da. Und weiter: "Die Lebenshilfe Nürnberger Land muss und wird sich dafür nicht rechtfertigen und deshalb auch von weiteren Stellungnahmen absehen."

Neustart in Hersbruck?

Bürgermeister Erich Odörfer bedauert sehr, dass das Vorhaben der Lebenshilfe nun gestorben ist. "Die von den Anwohnern angesprochenen Probleme hätte man sicher lösen können", betont der Rathauschef im Gespräch mit dem Boten. Und für die Stadtratssitzung am 23. Mai, in der das Thema eigentlich auf die Tagesordnung hätte kommen sollen, war er optimistisch: Nach seinen Informationen hätte es eine große Mehrheit für das Projekt gegeben. Nachdem nun der Standort Hackenricht/Hessenstraße nicht mehr weiter verfolgt werden kann, will sich Odörfer im Stadtgebiet noch einmal umtun: "Vielleicht finden wir ja doch noch ein geeignetes Grundstück."

Die Verantwortlichen der Lebenshilfe allerdings stehen zwischenzeitlich in Gesprächen mit dem Hersbrucker Bürgermeister Robert Ilg, der die Einrichtung gerne in seine Stadt holen will.

Alex Blinten

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