11°

Freitag, 18.10.2019

|

Mustang Makeover: Junge Weinhoferin zähmt wildes Pferd

15 Pferdetrainer aus ganz Europa nehmen an der Veranstaltung teil - 13.01.2019 20:48 Uhr

Die Weinhoferin Bettina Merkel und ihre Islandstute.


Um die Bestände unter Kontrolle zu halten, werden regelmäßig Tiere eingefangen und in Auffangstationen gebracht. Hier warten sie auf eine Adoption. Beim Mustang Makeover Deutschland werden 15 ausgewählte Pferde aus einer Station in Oregon an neue Besitzer in Deutschland vermittelt. Doch die Tiere kommen aus der freien Wildbahn. Niemand kann sie reiten. Innerhalb von gut drei Monaten sollen sie ausgewählte Trainer ausbilden: pferdegerecht, harmonisch und fair.

Die 18-jährige Bettina Merkel aus Weinhof hat sich als eine von 15 Pferdetrainern europaweit für die Aufgabe qualifiziert. Mit Video- und Fotobeiträgen wird sie ihre Arbeit mit dem Mustang dokumentieren und dazu beitragen, den Wissensstand rund um die Pferdearbeit zu verbessern. Die Ergebnisse wird sie in der finalen Show im Chio Aachen vor zehntausenden Zuschauern präsentieren.

Merkel ist Profi. Als Kind bekommt sie ihr erstes Pferd - mit neun, zehn oder elf, hier verschwimmt ihre Erinnerung. Wohl auch deswegen, weil sie fast zwei Jahre darauf hingearbeitet und gespart hat. Wenige Jahre danach erkrankt das Mädchen jedoch für längere Zeit und muss die Appaloosa-Stute wieder abgeben, da sie sich nicht genügend um sie kümmern kann. Nach ihrer Genesung geht sie zurück in die Reitschule, wendet sich vom reinen Freizeit- hin zum Vielseitigkeitsreiten und macht mehrere Abzeichen.

"Das ist der Beruf für mich"

Ihr Weg zur Trainerin beginnt 2015 mit einem extrem sturen Isländer. "Dieses Pferd hat mich den letzten Nerv gekostet", erinnert sich Merkel. "Die hat sich nicht führen lassen, nichts. Das war enorm frustrierend." Trotzdem bleibt sie dran. Und erzielt mit Hilfe der Besitzerin und einer Trainerin schließlich erste Erfolge. Nach ihrem Schulabschluss gerät die damals 16-Jährige an eine junge Stute, die sich seit einem Unfall beim Hufschmied nicht mehr berühren lassen will. "An sie habe ich sofort mein Herz verloren", sagt Merkel lächelnd. Bettina Merkel trainiert ihre Isländerstute Svartskjóna von Eismannsberg.

Die ersten eineinhalb Monate gestalten sich trotzdem schwierig. Das Pferd sträubt sich, reißt sich los, tritt nach ihr. Von heute auf morgen habe es dann Klick gemacht und das Pferd habe ihr vertraut, sagt die Trainerin. Ein belohnendes Gefühl. Merkel beschließt, die Isländerstute zu kaufen und selber einzureiten. Sie beginnt mit Freiarbeit und genießt es mehr als alles zuvor. Ihr wird klar: "Das ist der Beruf für mich."

Noch macht Merkel eine Ausbildung bei der Raiffeisenbank, die sie, wie sie betont, auch nicht missen möchte. Mit dem Beginn des Mustang Makeover im Mai wird sie sich jedoch ganz dem Pferdetraining widmen. Schon jetzt ist sie jeden Tag im Stall und gibt Trainingsstunden für Reiter und Pferd. Dabei folgt sie keinem starren Schema, sondern geht feinfühlig und individuell auf die Tiere ein.

Mit stur durchgezogenen Regeln kann die Trainerin nichts anfangen. "Ich bin damit immer an Grenzen gestoßen und einfach nicht weitergekommen", erklärt sie. Ohne Geduld gehe gar nichts. Das Schönste am Training ist für Merkel, wenn Reiter ihren Aha-Moment haben und begreifen, dass sie ihre Körpersprache falsch einsetzen. Wenn sie merken, dass die Probleme nicht vom Pferd ausgehen, sondern, dass die Tiere auf die Situation und den Menschen reagieren und es eine Frage der richtigen Signale ist.

Ein Traum wird wahr

Für das Mustang Makeover kann Merkel auf reichlich Erfahrung mit vierbeinigen Sturköpfen zurückgreifen. Mit der Teilnahme an der Show geht ein Traum für die 18-Jährige in Erfüllung. Schon bei der ersten Veranstaltung 2016 verfolgt sie die Arbeit der Trainer in den sozialen Medien und sitzt bei der finalen Show im Publikum. Merkel ist fasziniert. Und wagt das Gedankenexperiment: "Wie würde ich das angehen?"

Im folgenden Jahr ist sie hinter den Kulissen aktiv, assistiert den Trainern und der Jury. Eine Freundin drängt sie schließlich dazu, sich per Video auch als Trainerin zu bewerben. Kurz darauf kommt der Anruf: "Du bist dabei!"

"Ich kann das immer noch nicht ganz fassen, das ist schon verrückt", sagt Merkel. Sie strahlt. „Ich freue sich wahnsinnig auf die Erfahrung und die Herausforderung.“ Ihre Philosophie verträgt sich gut mit der Ausrichtung des Events: alles kann, nichts muss. Es ist eine Pro-Pferd-Veranstaltung. Merkel geht es auch weniger um die finale Show, als vielmehr um den Weg dorthin. "Ich möchte, dass das Pferd zu einem zuverlässigen Partner für seinen künftigen Besitzer wird, mehr nicht", sagt sie. Lampenfieber erwarte sie ebenfalls keines.

Nur eines macht ihr Angst: den Mustang nach dem Training wieder abgeben zu müssen. Bis zur großen Show in Aachen im August, wird er bei ihr im Stall wohnen. Nach dem Finale wird er versteigert. "Das ist jetzt schon schwer", gibt die 18-Jährige zu. Dennoch hat sie sich schon jetzt dazu entschlossen, das Pferd nicht zu übernehmen, denn: Ihre Stute ist trächtig und wird im Frühling ein Fohlen bekommen. Und drei Pferde seien dann doch eines zu viel.

Magdalena Mock

Seite drucken

Seite versenden


weitere Meldungen aus: Altdorf, Weinhof