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Behinderten-Wohnheim: Zahl der Projekt-Gegner steigt

Gegner des Baus bringen eine Vielzahl von Ablehnungsgründen in die Diskussion - 25.04.2019 13:37 Uhr

Auf den Acker in zweiter Reihe an der Hackenrichtstraße will die Lebenshilfe ein Wohnheim für 15 geistig behinderte Senioren und neun jüngere Menschen mit Handicap errichten. Die Anwohner wehren sich, sprechen von zunehmendem Verkehr im Wohngebiet und erwägen rechtliche Schritte. Aus Sicht der Altdorfer Stadtverwaltung spricht nichts gegen den Bau der Lebenshilfe-Einrichtung. Nachdem der Stadtentwicklungsausschuss grünes Licht gab, muss der Stadtrat noch entscheiden. | Foto: Alex Blinten


Das an der Pfaffentalstraße in Altdorf abgelehnte Bauvorhaben der Lebenshilfe kann an einem anderen Standort realisiert werden. Einen empfehlenden Beschluss für den Stadtrat hat der Stadtentwicklungsausschuss bereits formuliert. Einstimmig sprachen sich die Ausschussmitglieder für den neuen Bauplatz im Bereich Hackenrichtstraße/Hessenstraße aus. Wenn die Stadträte dem Votum des Ausschusses folgen, kann die Lebenshilfe hier ein Wohnheim für geistig behinderte Senioren bauen. Das Projekt sieht die Errichtung von insgesamt 25 Heimplätzen vor, 15 davon für ältere Menschen, die aus dem Erwerbsleben ausgeschieden sind, weitere neun auch für Jüngere mit Handicap. Lebenshilfe-Chef Gerhard John sprach in der Vergangenheit von einem Mehrgenerationenhaus. An der Pfaffentalstraße, wo das Projekt nicht realisiert werden konnte, sah zunächst alles ganz gut aus für die Lebenshilfe. Der Stadtentwicklungsausschuss gab damals mehrheitlich grünes Licht für das Vorhaben und empfahl dem Stadtrat die Zustimmung zu der Bebauung.

Überraschende Wende

Dann die überraschende Wende: Mit knapper Mehrheit lehnte der Stadtrat den Bau des Wohnheims ab. Die Grünen führten Aspekte des Landschaftsschutzes an, die SPD erinnerte daran, dass man sich schon immer einig gewesen sei, auf dem betreffenden Gebiet an der Pfaffentalstraße keine Bebauung zuzulassen. Den Anliegern des Areals kam man damit entgegen, die waren geschlossen gegen das Lebenshilfe-Projekt. Eins ihrer Argumente: Sie hätten beim Bau ihrer Häuser eine bestimmte Höhe einhalten müssen. Und die Lebenshilfe müsste sich nun nicht daran halten. Kurzum: Gerhard John musste seine Pläne für das Areal im Altdorfer Osten zurück ziehen. Als im Landkreis bekannt wurde, dass die Stadt Altdorf kein geeignetes Grundstück für das Lebenshilfe-Wohnheim hat, boten sich vier Kommunen aus dem Landkreis Norden als Standort für die Einrichtung an. Weil aber in Lauf bereits ein Wohnheim für geistig behinderte Senioren besteht, sollte jetzt im Landkreissüden für die Familien aus dem Raum Feucht, Altdorf, Burgthann das Lebenshilfe-Heim entstehen.

Aus der Nachbarschaft kam heftige Kritik

Nach der Ablehnung des Bauvorhabens an der Pfaffentalstraße bot zunächst die evangelische Kirche der Lebenshilfe ein Grundstück in der Nähe des Heizwerks an, was aber aus Sicht der Verantwortlichen um Gerhard John zu weit entfernt war von der Stadtmitte. Das direkt am Stadtrand im Bereich Hackenricht- und Hessenstraße gelegene Grundstück ist aus Sicht der Lebenshilfe dagegen ideal. Verhandlungen mit den Grundeigentümern liefen erfolgreich, so dass das Projekt auf die Tagesordnung des Stadtentwicklungsausschusses kam. Der hat zwar kürzlich grünes Licht gegeben, aus der Nachbarschaft wird aber heftige Kritik an dem Vorhaben laut. Stadtrat Hartmut Herzog wohnt am Eck Hessenstraße/Hackenrichtstraße.

Wie viele andere Anlieger, ist Herzog gegen das Bauvorhaben. Würde es realisiert, sagt er im Gespräch mit dem Boten, dann gebe es mehr Verkehr im Wohngebiet. Außerdem sei die vorgesehene Bebauung zu hoch und die Grundwasserverhältnisse in dem zur Bebauung vorgesehenen Gebiet seien schwierig.

"Hierhin passt das Projekt nicht“

„Wir haben nichts gegen die Lebenshilfe, aber hierhin passt das Projekt nicht“, sagt Herzog auch im Namen anderer Anlieger, die zwischenzeitlich eine Unterschriftenliste zusammengestellt und ein Schreiben an Bürgermeister Odörfer auf den Weg gebracht haben. Außerdem haben Anwohner aus der Hackenrichtstraße einen Termin mit einem Anwalt vereinbart. Vielleicht gibt es ja die Möglichkeit für einen Kompromiss, etwa mit der Verlegung der Zufahrt zum Wohnheim nach Norden, räumt Herzog allerdings ein. Gehard John sieht die Gefahr, dass das Projekt erneut zerredet wird. Er hofft zwar auf die Zustimmung des Stadtrats am 23. Mai, wenn das Vorhaben voraussichtlich auf die Tagesordnng des Gremiums kommt. Sollte es dann aber, wie in der Pfaffentalstraße, erneut scheitern, wird er noch einmal mit Robert Ilg reden müssen.

"Das ganze macht mich tieftraurig"

Der Hersbrucker Bürgermeister hat John angeboten, umgehend ein passendes Grundstück für das Lebenshilfe-Wohnheim zur Verfügung zu stellen. Bei der Lebenshilfe ging gestern eine E-Mail aus Altdorf ein, aus der hervorgeht, dass der Kreis der Projekt-Gegner immer größer wird. Jetzt wenden sich nicht nur Anlieger aus Hackenricht- und Hessenstraße dagegen, auch aus der Schwaben- und der Zöllerstraße meldet sich Protest.

„Das ganze macht mich tieftraurig“, kommentiert Gerhard John und kündigt an, die neue Situation noch einmal mit den Vorstandskollegen in der Lebenshilfe zu besprechen. „Ich bin mir nämlich nicht sicher, ob wir unseren Betreuten das Leben in einer Nachbarschaft zumuten können, in der sie nicht willkommen sind.“ 

Der Bote

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