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A3-Ausbau verzögert sich um ein Jahr: Jetzt spricht die Autobahndirektion

Reinhard Pirner sagt: "Schwierigkeiten haben sich überhaupt nicht angedeutet" - 11.06.2019 06:00 Uhr

Schon auf diesem im März aufgenommenen Luftbild kann man erkennen, welche Dimensionen die Baustelle am Autobahnkreuz Fürth/Erlangen annimmt. © Oliver Acker, www.digitale-luftbilder.de


Gewaltige 2,4 Milliarden Euro mächtig ist laut Bundeshaushalt der Auftrag, die A3 zwischen den Kreuzen Fürth/Erlangen und Biebelried auf 71 Kilometern sechsstreifig auszubauen und auf sogar 76 Kilometern Strecke 30 Jahre lang zu betreiben – ein Bauvorhaben von gigantischen Ausmaßen also. Im Rahmen eines ÖPP-Projekts sollte der Zuschlag eigentlich schon Anfang des Jahres an einen privaten Investor gehen. Doch weil die endgültigen Angebote zweier Bieter erhebliche Mängel aufwiesen, müssen diese nun neue Angebote abgeben, der Ausbau verzögert sich um mindestens ein Jahr. Reinhard Pirner, Präsident der Autobahndirektion Nordbayern, erklärt, was die Verzögerung des Mega-Projekts bedeutet.

Herr Pirner, die A3 ist chronisch überlastet, ein Ausbau längst überfällig. Welche Folgen hat die Verzögerung um mindestens ein Jahr – oder womöglich noch deutlich länger?

Pirner: Die Verzögerung ärgert uns sehr, wir haben ja auch viel Zeit, Geld und Herzblut in das Projekt gesteckt. Die Verkehrsteilnehmer müssen jetzt natürlich ein Jahr länger warten. Auch die Anwohner, die den Lärmschutz jetzt später bekommen.

Reinhard Pirner, 60, ist seit dem Jahr 2012 Präsident der Autobahndirektion Nordbayern. Zuvor war er nach seinem Bauingenieurstudium an der TU München unter anderem Abteilungsleiter am Straßenbauamt Nürnberg und sowie Leiter des Straßenbauamtes und des Staatlichen Bauamtes Bayreuth. © Foto: Autobahndirektion Nordbayern


Sie haben ja schon großzügig entlang der Strecke gerodet. Die Fahrbahn ist stellenweise sehr marode, auch deswegen sollte ja dringend gebaut werden. Welche zusätzlichen Arbeiten und Kosten kommen durch die Verzögerung auf Sie zu?

Pirner: Die Rodungen haben wir ja auf zwei Jahre verteilt. Wo wir im ersten Jahr gerodet haben, müssen wir im kommenden Winter nacharbeiten. Wir müssen auch einige Deckenersatzmaßnahmen durchführen, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten. Das wird 1,5 bis zwei Millionen Euro kosten.

"Mangel entsteht durch die Verzögerung nicht"

Die Autobahnmeisterei Geiselwind mit ihren 21 Mitarbeitern sollte eigentlich jetzt aufgelöst und der Betrieb vom siegreichen Bieter übernommen werden. Was bedeutet die Verzögerung für die Mitarbeiter?

Pirner: Sie bleiben ein Jahr länger in Geiselwind, auch den nächsten Winterdienst müssen wir jetzt natürlich selber machen. Die Mitarbeiter sollen dann, wie ursprünglich schon für jetzt geplant, im kommenden Jahr auf die Autobahnmeistereien in Knetzgau und Erbshausen sowie auf Straßenmeistereien beim Staatlichen Bauamt in Würzburg und Nürnberg aufgeteilt werden. Ein Mangel entsteht durch die Verzögerung nicht. Die Mitarbeiter sind quasi Überhang, der in den kommenden Jahr durch die altersbedingte Fluktuation wieder abgebaut wird.

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Der Ausbau der A3 ist ein Projekt von gewaltigen Dimensionen und großer Bedeutung. Eine Verzögerung schafft deshalb viele Probleme. Seit wann war dieser Verzug absehbar?

Pirner: Das ganze Vergabeverfahren war relativ problemlos, die Schwierigkeiten haben sich überhaupt nicht angedeutet. Abgezeichnet hat sich die Verzögerung erst, als wir einen der zwei verbleibenden Bieter wegen formaler und inhaltlicher Mängel ausschließen mussten und er im März 2019 vor die Vergabekammer gegangen ist.

Letztlich haben wir aber auch beim letzten Bieter nach ausführlicher Prüfung noch so gravierende Mängel festgestellt, dass wir auch ihn ausschließen mussten. Wir hatten also letztendlich kein zuschlagfähiges Angebot.

"Diese Frage stellen wir uns auch"

Wie kann es denn passieren, dass in so einem Stadium des Verfahrens noch so gravierende Mängel in den Angeboten auftauchen? Die Bauunternehmen haben doch viel Erfahrung mit Großprojekten.

Pirner: Diese Frage stellen wir uns auch.

Wie kann das passieren, wenn man zwei oder drei Jahre auf so ein Projekt hinarbeitet und vermutlich Beträge im zweistelligen Millionenbereich investiert, um ein Angebot abgeben zu können?

Pirner: Es ist kaum zu erklären, wie dann solche aus unserer Sicht leicht zu verhindernde, aber eben schwerwiegende Mängel auftreten können. Wir können aber nicht in solche Firmenkonstrukte hineinschauen. Beide Bieter gehen derzeit dagegen vor, dass sie ausgeschlossen wurden.

Seit einigen Jahren bekommen Sie zuverlässig deutlich mehr Geld vom Staat für den Autobahnbau und -unterhalt, das Sie ja gerade im großen Stil auf den Autobahnen um Nürnberg in den Ausbau stecken. Sind da überhaupt noch ÖPP-Projekte nötig?

Pirner: Sie machen dann noch Sinn, wenn man auf langen Strecken Baurecht hat, wie eben jetzt auf der A3. Da zahlt sich ÖPP aus und rechnet sich. Es fallen eben die Schnittstellen zwischen den einzelnen Abschnitten weg, Behinderungen im Bauablauf sind dadurch unwahrscheinlicher. Außerdem ist das Projekt von Anfang an durchfinanziert.

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