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Auch Bayern betroffen: Trump zieht 12.000 Soldaten aus Deutschland ab

Wenn Trump die Wahl verliert, könnten die Pläne auf Eis gelegt werden - 29.07.2020 15:39 Uhr

Zieht Donald Trump auch US-Truppen aus Bayern ab?

© US-Army/ Gertrud Zach


Die Zahl der US-Soldaten in Deutschland soll um fast 12.000 verringert werden – und damit deutlich stärker als bislang bekannt. Rund 6400 Soldaten sollen in die USA zurückgeholt werden, weitere 5600 sollen in andere Nato-Länder verlegt werden, wie Verteidigungsminister Mark Esper am Mittwoch in Washington erklärte. Damit werde die „strategische Flexibilität“ der US-Streitkräfte erhöht, sagte Esper im Pentagon vor Journalisten. Bislang hatte die US-Regierung von einem Abzug von rund 10.000 der etwa 36.000 Soldaten in Deutschland gesprochen.

Trump hatte den Teilabzug der US-Truppen aus Deutschland im Juni angekündigt und ihn mit den aus seiner Sicht zu geringen Verteidigungsausgaben Deutschlands begründet. Die Bundesregierung in Berlin war vor der Bekanntgabe nicht informiert worden. Zur Umsetzung des geplanten – und wahrscheinlich aus logistischen Gründen langwierigen – Teilabzugs dürfte aber noch nicht das letzte Wort gesprochen sein. Im US-Kongress hat sich bereits bei Trumps Republikanern und den Demokraten Widerstand formiert. Der Plan wird dort vor allem kritisch gesehen, weil er das Verteidigungsbündnis Nato schwächen und Russland in die Hände spielen könnte.

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Vor 50 Jahren Großmanöver Reforger I im "Kalten Krieg"

In den Zeiten des "Kalten Kriegs" zwischen Ost und West waren alljährliche Großmanöver an der Tagesordnung. Hierzu wurde, beginnend mit Reforger I vor genau 50 Jahren, bis in die 90-er Jahre hinein die Region um Pegnitz und Auerbach einschließlich der Fränkischen Schweiz regelmäßig zum Truppenübungsplatz. Bei Reforger I 1969 wurden rund 17.000 Soldaten aus den USA eingeflogen. Mit Panzern, Hubschraubern und schweren Lastwagen bezogen sie in Wald und Flur Stellung, wobei sie auf dem weichen Untergrund immense Schäden anrichteten. Ziel war, gegenüber dem Warschauer Pakt die Verteidigung der Bundesrepublik zu demonstrieren.


Im Senat und im Repräsentantenhaus gibt es daher Pläne, den Teilabzug über das Gesetz zum kommenden Militärhaushalt zu verhindern. Zudem bewirbt sich Trump im November um eine zweite Amtszeit. Falls er die Wahl verlieren sollte, könnte der neue Präsident die Pläne auf Eis legen. Die US-Truppen galten in der Zeit des Kalten Krieges als Sicherheitsgarant für die Bundesrepublik. Damals gab es zeitweise fast 250.000 US-Soldaten in Deutschland.


Söder beunruhigt Debatte um US-Truppenabzug


Nach dem Fall der Mauer wurde allerdings radikal reduziert: Im Jahr 2000 waren es nur noch 70.000 US-Soldaten, zehn Jahre später 48.000 und heute sind nur noch 36.000 übrig. Damit ist Deutschland aber immer noch der zweitwichtigste Truppenstandort der USA weltweit nach Japan. Die Truppenstationierung ist aber auch heute noch ein wesentliches Bindeglied zwischen beiden Ländern.

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Einmarsch der US-Armee in Franken: Nach dem Kampf lockten die "Frolleins"

Es waren noch einmal mörderische Stunden: Der Einmarsch der US-Armee in Franken 1945 kostete unzählige Menschenleben. Doch dann war der Krieg vorbei. Nach Plünderungen und einigen Gelagen wurde allmählich die Ordnung wiederhergestellt. Und die Besatzer wurden schnell zu Freunden, nicht nur bei den begehrten "Frolleins".


Da ist einerseits der zwischenmenschliche Aspekt: Über die Jahrzehnte sind Tausende Freundschaften, Partnerschaften und Ehen zwischen Deutschen und Amerikanern entstanden. Für die Regionen um die US-Stützpunkte kommt der wirtschaftliche Aspekt hinzu.

Allein in Rheinland-Pfalz werden mehr als 7000 deutsche Ortskräfte von den US-Streitkräften beschäftigt, in ganz Deutschland sollen es 12.000 sein. Daneben hängen viele Tausende weitere Arbeitskräfte vor allem in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern an den US-Truppen. Allein der US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein generiert Schätzungen zufolge jedes Jahr zwei Milliarden US-Dollar an Löhnen, Gehältern, Mieten und Aufträgen in der regionalen Wirtschaft.

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Donald Trump: Ein US-Präsident wie keiner vor ihm

Am 20. Januar 2017 wurde der Immobilien-Milliardär Donald Trump zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt. Längst ist klar: Einen solchen Präsidenten hatten die USA noch nie. Ständig gibt es Show und Selbstlob, während Fehler immer auf die Kappe anderer gehen. Und in der Substanz: Abreißen, was seine Amtsvorgänger in 70 Jahren amerikanischer Außenpolitik aufgebaut haben.


dpa

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