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Nach tödlichem Rennen in Niederbayern: Raser zeigen Reue

Der Witwe des Opfers sprachen sie ihr Bedauern aus - 14.10.2019 14:00 Uhr

Zwei Männer testen auf einer kurvenreichen Strecke in Niederbayern ihr Können und liefern sich mit Motorrad und Sportwagen eine Verfolgungsfahrt. Als der PS-starke Audi TT RS außer Kontrolle gerät, stößt er mit einem entgegenkommenden Wagen zusammen - dessen Fahrer stirbt. Nun müssen sich die beiden Männer vor dem Landgericht Deggendorf verantworten. Zum Prozessauftakt am Montag übernahmen sie Verantwortung für das Geschehen und zeigten Reue. Der Witwe des Opfers sprachen sie ihr Bedauern aus.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 28 Jahre alten Bundespolizist und dem 54 Jahre alten Maurer vor, im Juli 2018 bei Achslach (Landkreis Regen) ein verbotenes Rennen Auto gegen Motorrad veranstaltet und dabei den Tod eines Autofahrers verursacht sowie weitere Personen verletzt und gefährdet zu haben.

Das Todesopfer ist ein 38 Jahre alter Mann aus dem Landkreis Cham. Sein zehnjähriger Sohn, der als Beifahrer im Wagen saß, erlitt schwere Verletzungen. Zahlreiche Knochenbrüche, Schädigungen an inneren Organen und Kopfverletzungen - der Bub musste etliche Operationen über sich ergehen lassen und hat laut Anklage Probleme mit dem Gehen und Sprechen. Er und seine Mutter sind Nebenkläger in dem Prozess, dessen ersten Tag die Frau im Gerichtssaal verfolgte. Mit festem Blick fixierte sie die Angeklagten.

Der Staatsanwalt trug vor, wie das Duo die Bergstrecke bei Achslach mehrfach auf und ab fuhr und dabei mehrmals andere Fahrzeuge überholte, teilweise überaus knapp. Mit schnellen Ausweich- und Bremsmanövern verhinderten zuvor andere Verkehrsteilnehmer Unfälle. Die Männer ließen sich der Anklage nach dadurch nicht von ihren rasanten Fahrten abbringen. Als der 28-jährige Bundespolizist die Kontrolle über seinen Sportwagen verlor, kam es zu der Tragödie.

Sichtlich bewegt richtete sich der 28-Jährige an die Witwe. Er habe sich psychologische und seelsorgerische Hilfe gesucht, weil er mit seinen Schuldvorwürfen nicht fertig werde. Um die Familie zumindest finanziell zu unterstützen, habe er eine Nebentätigkeit aufgenommen. Er überweise ihr monatlich 500 Euro. "Es tut mir unendlich leid, was passiert ist." Als der Mann spricht, kommen der Frau die Tränen.

Über seinen Anwalt schilderte er das Geschehen aus seiner Sicht. Der Sportwagen, den er kurz vorher gekauft hatte, war sein Stolz. Er sei leidenschaftlicher Schrauber. Bei einem Fest habe er den 54-Jährigen kennengelernt, der ihn zu einer Ausfahrt animiert habe. Wenige Wochen später verabredeten sie sich zu dem Treffen an jener Strecke, die jetzige Ehefrau des 28-Jährigen war Beifahrerin. Er habe gemeint, den Wagen im Griff zu haben. "Ich hatte das Gefühl, dass das Auto auf der Straße klebt." Beim Kauf habe er auf die Extra-Ausstattung mit der Technik "Magnetic Ride" Wert gelegt und sich darauf verlassen.

Der 54-Jährige sagte an die Witwe gerichtet, das entstandene Leid sei so groß, dass er keine Vergebung erwarte. Er mache sich täglich Vorwürfe. Hätte er das Rennen nicht veranlasst, wäre das Unglück nicht passiert. Dafür trage er Mitverantwortung. Dann schilderte der Maurer die Fahrten bei Achslach an jenem Abend, betonte aber, dass es - anders als von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen - nicht darum gegangen sei, möglichst schnell zu fahren. Sie hätten lediglich das Fahrverhalten testen wollen, ohne dabei an Grenzen zu gehen.

Daraufhin empörte sich der Staatsanwalt und sagte, mit derlei "Schulbuben-Ausreden" brauche der 54-Jährige nicht kommen.

Es sind fünf weitere Verhandlungstermine angesetzt, bei denen mehr als 40 Zeugen und Sachverständige gehört werden sollen.

dpa

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