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Europäischer Luftraum für Boeing 737 Max 8 gesperrt

Deutschland sperrt Maschinen-Typ für drei Monate aus - 12.03.2019 20:07 Uhr

Der europäische Luftraum ist für Boeing 737 Max 8 Flugzeuge gesperrt worden. © JOE RAEDLE, AFP


Nach dem Absturz einer Boeing 737 Max 8 in Äthiopien gerät der US-Luftfahrtriese Boeing immer stärker unter Druck: In Europa, Australien und weiten Teilen Asiens erteilten Luftfahrtbehörden Flugverbote für alle baugleichen Maschinen.

Zahlreiche Airlines legten die Flugzeuge am Dienstag wegen Zweifeln an der Sicherheit der Baureihe ebenfalls zunächst still. Damit ist gut die Hälfte der seit 2017 ausgelieferten rund 350 Flugzeuge aus dem Verkehr gezogen. Es drohen zahlreiche Flugausfälle.

Der internationale Flugverkehr wird aus Furcht vor weiteren Zwischenfällen zunehmend in Mitleidenschaft gezogen. Nachdem am Dienstagnachmittag Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und weitere Staaten eine Sperrung ihres Luftraums für die Boeings angekündigt hatten, zog auch die europäische Luftfahrtbehörde EASA am Abend nach. Das Verbot gelte als "Vorsichtsmaßnahme" für den ganzen europäischen Luftraum für die Typen Boeing 737 Max 8 und Boeing 737 Max 9, erklärte die EASA.

Die Sperre des deutschen Luftraums für das Boeing-Modell 737 Max gilt für drei Monate. Bis einschließlich 12. Juni dürfe kein Flugzeug des Typs Boeing 737 Max 8 und Max 9 über der Bundesrepublik fliegen, erklärte die Deutsche Flugsicherung (DFS) in Langen bei Frankfurt. Die Anordnung gelte ab 18.30 Uhr. Flugzeuge, die sich zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch im deutschen Luftraum befänden, dürfen den Flug bis zum Ausflug beziehungsweise zur Landung fortsetzen.

Airport Nürnberg kaum von Flugverbot betroffen

Der Flughafen Nürnberg ist vom Flugverbot der Boeing 737 max 8 im deutschen Luftraum nach eigener Auskunft kaum bis gar nicht betroffen. "Wir haben hier keinen regelmäßigen Verkehr mit dem Modell", erklärte Airport-Sprecher Christian Albrecht auf Anfrage von nordbayern.de.

Turkish Airlines fliege die Maschine zwar, bestätigte nun Albrecht. Auf der Nürnberg-Route würden jedoch in aller Regel Maschinen vom Typ Airbus A320/A321 eingesetzt. Nach aktuellem Stand seien dem Airport keine Verbindungen von oder nach Nürnberg bekannt, die von der Entwicklung bei der Boeing 737 max 8 betroffen seien - weder im Linien- noch im Charterflugverkehr.

Boeing beharrt indes auf der Sicherheit der nach zwei Abstürzen innerhalb eines halben Jahres stark in die Kritik geratenen Baureihe. "Wir haben volles Vertrauen in die Sicherheit", teilte der Konzern am Dienstag mit. Boeing verwies erneut darauf, dass die US-Luftfahrtbehörde FAA derzeit keine weiteren Maßnahmen fordere. In den kommenden Wochen will der Konzern jedoch ein wichtiges Software-Update für die Baureihe anbieten. Die Devise laute, "ein bereits sicheres Flugzeug noch sicherer machen", versprach Boeing.

TUI legt 15 Flugzeuge still

Beim Absturz einer Maschine der Fluggesellschaft Ethiopian Airlines in der Nähe der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba waren am Sonntag 157 Menschen ums Leben gekommen, darunter auch fünf Deutsche. Unterdessen wird der internationale Flugverkehr aus Furcht vor weiteren Zwischenfällen zunehmend in Mitleidenschaft gezogen. Angesichts zahlreicher Start- oder Überflugverbote der Luftfahrtbehörden kann die Boeing 737 Max 8 kaum mehr in Europa, China, weiten Teilen Südostasiens und Australien fliegen. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sagte dem Sender n-tv: "Sicherheit geht absolut vor. Bis alle Zweifel ausgeräumt sind, habe ich veranlasst, dass der deutsche Luftraum für die Boeing 737 Max ab sofort gesperrt wird." 

Deutsche Fluggesellschaften nutzen dem Verkehrsministerium zufolge keine Boeing 737 Max 8. Das weitgehende Flugverbot hat nach Einschätzung des Verbandes ADV keine allzu großen Auswirkungen auf den Betrieb an den deutschen Flughäfen. "Bei uns herrscht keine Krisenstimmung wegen dieses Fliegers", sagte ADV-Hauptgeschäftsführer Ralf Beisel. Die europäische Luftfahrtbehörde EASA kündigte eine neue Bewertung der Lage an. Der weltgrößte Reisekonzern Tui legt infolge des Flugverbots in Großbritannien seine 15 Flugzeuge vom Typ Boeing 737 Max 8 vorübergehend still. Auch die Billigfluggesellschaft Norwegian wird ihre 18 Maschinen vorerst außer Betrieb nehmen, andere Airlines wie Turkish reagierten ebenfalls. Viele Länder folgen diesmal nicht - wie üblich - der Linie der US-Luftfahrtbehörde FAA.

"Geeignete Maßnahmen ergreifen"

"Diese Untersuchung hat gerade erst begonnen, und uns liegen bislang keine Daten vor, um Schlussfolgerungen zu ziehen oder Maßnahmen zu ergreifen", teilte die FAA am Montag (Ortszeit) mit. Die US-Behörde kündigte jedoch an, sie werde "geeignete Maßnahmen ergreifen, wenn die Daten darauf hindeuten, dass dies erforderlich ist". Nach dem Absturz einer Boeing 737 Max 8 im Oktober in Indonesien mit 189 Todesopfern Jahr gab es der FAA zufolge bereits zahlreiche technische Prüfungen und Maßnahmen. Im Zentrum der Untersuchungen stand bislang ein umstrittenes System zur Flugkontrolle, das laut Unfallermittlern eine entscheidende Rolle beim Crash in Indonesien gespielt haben könnte.

Boeing versprach nun eine Verbesserung der Steuerungssoftware, die in den kommenden Wochen bei sämtlichen 737-Max-Maschinen aufgespielt werde. Die Piloten der in Äthiopien verunglückten Boeing hatten der Flugsicherung kurz vor dem Absturz von Problemen berichtet, die Maschine unter Kontrolle zu halten, sagte der Chef von Ethiopian Airlines, Tewolde GebreMariam, am Dienstag dem Nachrichtensender CNN. US-Politiker forderten unterdessen Konsequenzen der Luftfahrtbehörde FAA. Spitzenvertreter beider großer Parteien sprachen sich am Dienstag für ein Startverbot des betroffenen Flugzeugtyps aus.

"Flugzeuge werden viel zu kompliziert zum Fliegen"

Alle Flieger sollten am Boden bleiben, bis die Ursachen der jüngsten Abstürze und die Flugtauglichkeit geklärt seien, forderte etwa der frühere republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney. US-Präsident Donald Trump sprach sich derweil gegen den Einsatz von zu viel Computertechnologie in der Luftfahrtbranche aus. "Flugzeuge werden viel zu kompliziert zum Fliegen", schrieb Trump am Dienstag auf Twitter, ohne Boeing zu erwähnen. Statt Piloten brauche es heutzutage Computerspezialisten. Doch diese Komplexität berge Gefahren, so Trump. "Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber ich will keinen Albert Einstein als meinen Piloten. Ich will großartige Flugprofis, die einfach und schnell die Kontrolle über ein Flugzeug übernehmen dürfen", schrieb er. Die Boeing 737 ist das meistverkaufte Verkehrsflugzeug der Welt. Die 737-Max-Reihe ist die neueste Variante des Verkaufsschlagers. Der US-Hersteller hat bereits mehr als 350 Maschinen ausgeliefert und sitzt auf prall gefüllten Auftragsbüchern mit Tausenden Bestellungen.

An der Börse ließ der große Ausverkauf der Boeing-Aktie zwar nach, doch die Nervosität der Anleger blieb hoch. Im frühen US-Handel fiel der Kurs um rund fünf Prozent. Die Papiere des europäischen Erzrivalen Airbus profitierten hingegen leicht, hier näherte sich der Kurs mit einem Plus von gut einem Prozent dem Rekordhoch vom 1. März. Es ist nicht das erste Mal, dass Boeing-Maschinen wegen Sicherheitsrisiken in großem Stil nicht starten. Im Januar 2013 hatte die US-Luftfahrtbehörde FAA nach einer Reihe von Pannen ein Flugverbot für Boeings damaligen Vorzeigeflieger "Dreamliner" verhängt. Vorausgegangen war eine Notlandung des Langstreckenjets in Japan, nachdem eine Batterie durchgeschmort war. Diesmal dürften die Folgen jedoch deutlich schwerwiegender sein, Boeing hatte damals lediglich 50 "Dreamliner" ausgeliefert, die 737-Max-Jets sind wesentlich stärker verbreitet. 

dpa, gc

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