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39 Tote in Container in Großbritannien entdeckt

Hintergründe zu Vorfall im britischen Thurrock noch völlig unklar - 23.10.2019 15:41 Uhr

Dieses Archivbild zeigt die Einfahrt zum Hafen "Port of Holyhead". © David Jones


Grausiger Fund: Britische Rettungskräfte haben 39 Leichen in einem Container eines Lastwagens entdeckt. Bei den Toten handelt es sich der Polizei zufolge um 38 Erwachsene und einen Teenager. Die Leichen lagen in einem großen, weißen Container in einem Industriegebiet in Grays östlich von London.

Die Polizei nahm einen 25 Jahre alten Mann aus dem britischen Nordirland fest. Er steht unter Mordverdacht. "Wir glauben, dass der Lastwagen aus Bulgarien kommt", teilte ein Polizist am Mittwoch mit. Die Leichen werden obduziert. "Ich vermute, das könnte ein langwieriger Prozess werden." Ob es sich bei den Opfern um ins Land geschleuste Migranten handelt, wurde zunächst nicht offiziell bestätigt. Doch deuten viele Umstände darauf hin.

Jedes Jahr werden Tausende von Migranten illegal nach Großbritannien gebracht, vor allem in Lastwagen oder mit Schiffen und Booten. Vor 19 Jahren fand die Polizei 58 tote Chinesen in einem Lastwagen-Container im englischen Hafen von Dover am Ärmelkanal.

Merkel tief erschüttert

Die Sanitäter hatten die Polizei gegen 2.40 Uhr (MESZ) in der Nacht zum Mittwoch informiert. Sie konnten aber niemandem mehr im Container helfen. Die Polizei sprach von einer "Tragödie". Wer die Rettungskräfte alarmiert hatte, war zunächst nicht bekannt. Die britische Innenministerin Priti Patel sagte im Parlament, es sei noch nicht klar, ob es sich bei den Opfern um Bulgaren handelt.

Das Fahrzeug hatte bereits am vergangenen Samstag die Grenze nach Großbritannien passiert - möglicherweise per Fähre von Frankreich nach Irland und dann weiter nach Holyhead in Wales. Frachtexperten bezeichneten das zwar als ungewöhnliche Route, falls das Fahrzeug tatsächlich aus Bulgarien stammen sollte. Doch seien die Kontrollen bei diesem Umweg nicht so streng wie bei der kurzen Strecke zwischen dem französischen Calais und dem englischen Dover im Ärmelkanal.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich tief erschüttert. Ihr tiefes Mitgefühl gelte den Angehörigen, versicherte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Gleichzeitig sagte er den britischen Behörden alle notwendige Unterstützung bei der Suche nach den Schuldigen und Hintermännern zu. Der britische Premierminister Boris Johnson schrieb auf Twitter, er sei "entsetzt".

Fund erinnert an grausige Fälle von Schlepperkriminalität

Der Fund erinnert an andere grausige Fälle von Schlepperkriminalität mit dem Ziel Europa: Im Februar 2017 waren 69 Migranten in Libyen vier Tage lang in einem Container eingepfercht. 13 von ihnen kamen ums Leben, unter ihnen ein 13 Jahre altes Mädchen und ein 14-jähriger Junge. Für internationales Aufsehen sorgte auch ein Fall im August 2015 in Österreich. 71 tote Flüchtlinge, darunter vier Kinder, wurden in einem Kühllaster aus Ungarn südlich von Wien gefunden.

Sprunghaft gestiegen ist die Zahl der Migranten, die versuchen, in Schiffen oder kleinen Booten über den Ärmelkanal nach Großbritannien zu gelangen. Im Jahr 2018 haben dem Innenministerium zufolge 539 Menschen probiert, die Meeresenge illegal zu überqueren. Von November bis Sommer dieses Jahres waren es schon mehr als 1000. Ein Mann hatte sogar versucht, den Ärmelkanal mit Taucherflossen zu durchschwimmen.

Die Meeresenge ist einer der weltweit befahrensten Seewege und daher besonders gefährlich. Angeblich werden viele Migranten von Schleppern unter Druck gesetzt, die Überfahrt noch vor dem Brexit zu machen. Danach, so die Ansage, würden die Kontrollen weiter verschärft. Aber auch das milde Wetter gilt als Grund für die Häufung der Fälle.

dpa

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