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Montag, 22.07.2019

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Landwirt aus Mittelfranken wandelt Nutzfläche in Blumenwiese um

Bauer verkauft Anteile eines Feldes auf Ebay-Kleinanzeigen - 10.02.2019 17:05 Uhr

Bunt und vor allem vielfältig: So ähnlich könnte auch das Feld von Peter Bodendörfer bald aussehen, wenn er sein Projekt in die Tat umsetzt. © Stefan Hippel, NN


"Nicht nur unterschreiben, sondern auch handeln", schreibt Bodendörfer in seiner Anzeige auf der Online-Verkaufsplattform Ebay. Und das meint er auch so: Er habe schnell gemerkt, dass viele mit einer Unterschrift beim Volksbegehren nur ihr grünes Gewissen beruhigen wollen. Er möchte den Leuten dagegen die Möglichkeit geben, mehr Praktikables für die Artenvielfalt zu tun.

Die Idee des Volksbegehrens fände er zwar gut, aber einige Formulierungen gingen an der Praxis vorbei: "Zum Beispiel dürfte ich nach dem 15. März keine Wiese mehr walzen. Wenn vorher aber noch Schnee liegt, geht das schlecht." Auch die Zielsetzung auf 20 Prozent Ökolandwirtschaft hält er für nicht machbar - schon jetzt, bei zehn Prozent, sei der Markt gesättigt.


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Dem Kleedorfer kam eine Idee: Aus den rund 30 Hektar landwirtschaftlichen Nutzflächen, die zum Familienbetrieb gehören, löst er ein 20.000 Quadratmeter großes Feld heraus und funktioniert es 
zur Blumenwiese um. Davon kann jeder, der will, ein 100 Quadratmeter großes Stück für 50 Euro erwerben. Damit wird der Käufer quasi zum Paten für Arten
vielfalt.

Im Frühjahr will Bodendörfer dann über 40 unterschiedliche Wild- und Kulturarten auf der Wiese oberhalb von Kirchensittenbach ausbringen. Dabei versichert er, dass er nur ökozertifiziertes Saatgut verwendet und nicht mit organischen oder mineralischen Mitteln düngen wird. Das Feld sei vorher ebenfalls nur ökologisch bewirtschaftet worden. Und solange dort eine Blume blühe, werde kein Traktor oder ähnliches darüber rollen. Auch Totholzstämme, in denen sich Insekten ansiedeln können, sollen Platz finden.

25.000 Aufrufe auf Ebay-Kleinanzeigen

Sobald die ersten Knospen sprießen, will der 31-Jährige eine Tafel neben der Wiese aufstellen, die über das Projekt und die Pflanzenarten informiert. Auch die Paten werden dort, wenn sie wollen, namentlich erwähnt. "Die Käufer haben keine Pflichten", fügt Bodendörfer an. Die Wiese können sie jederzeit besichtigen. Im Frühjahr 2020 will er die Fläche nachsäen, um einen möglichst hohen ökologischen Nutzen zu erhalten. Nach zwei Jahren erlischt die Patenschaft, auf Wunsch kann sie verlängert werden.

Die Idee scheint einzuschlagen wie eine Bombe: Seit Montag hat die Anzeige über 25.000 Aufrufe eingefahren, sein Mailpostfach quillt über vor Anfragen. Neben Vollzeitjob bei einem Landtechnikhändler und der Landwirtschaft zu Hause also "echt viel Arbeit". Mit so enormem Zulauf habe er nicht gerechnet. Trotzdem, oder genau deshalb, freut er sich riesig.

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"Der erste, der mitmachen wollte, war ein Hersbrucker", erzählt Bodendörfer. Ansonsten halte sich die Beteiligung aus der Region aber noch in Grenzen. Dafür erreichen ihn Anfragen aus allen Ecken Deutschlands. Auch wenn der Kleedorfer damit Geld verdient: Er ziehe nicht mehr wirtschaftlichen Nutzen daraus, als wenn er die Fläche für den Anbau von Getreide verwenden würde, das er dann weiterverkaufe. Und auch das Ökosaatgut sei teuer - Bodendörfer rechnet mit zirka 400 Euro für einen Hektar.

Landwirt will negatives Image aufbessern

Mit der Mitmachaktion will er die Landwirtschaft wieder näher zum Verbraucher bringen - und damit auch deren negatives Image aufpolieren. Jedem Bauern, der ihn auf die Idee anspreche, empfehle er, es ihm gleichzutun. So könne er sich sogar vorstellen, dass es das Angebot bis in den Supermarkt um die Ecke schaffe, wo der Kunde dann ganz einfach Pate für ein Stück Biodiversität werden könne. Mit seiner Idee ist Bodendörfer nicht alleine: Thomas Bobisch, Landwirt aus Hengenberg bei Altdorf, bietet ebenfalls an, Pate für jeweils 100 Quadratmeter Fläche zu werden und will so einen Teil seiner Nutzflächen in Blumenwiesen umwandeln.

Bis 15. März kann man sich für das Projekt anmelden. Die Anzeige findet sich im Internet unter: https://bit.ly/2GfPYZg. 

Marina Wildner

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