Donnerstag, 24.10.2019

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Wolfgang Riedelbauch wird 80

Der Dirigent ist eine Institution der regionalen Kulturszene. - 22.05.2019 14:14 Uhr

Leidenschaftlicher Kämpfe für das fränkische Erbe und die Gegenwartsmusik: Wolfgang Riedelbauch. © Hans von Draminski


Wie viel Anstrengung, Probenschweiß, Bettelei um Geld, Logistik und Aufmerksamkeit sein nun schon jahrzehntelanger Einsatz für die fränkische Kultur(szene) dies abverlangte, lässt sich nur erahnen. Fest steht nur: Ohne den gebürtigen Würzburger wäre vieles nicht in Bewegung gekommen und geblieben. Allein die Energieleistung seines kreativen Tuns ist schon bewundernswürdig.

Der gelernte Opernkapellmeister und Musikwissenschaftler, der in jungen Jahren Assistent bei Wilhelm Pitz — Chorchef der ersten Nachkriegsjahrzehnte bei den Bayreuther Festspielen — war, begann seine Karriere als Studienleiter am Regensburger Stadttheater und später als Assistent von Sir Roger Norrington.

Mit 30 Jahren, also 1969, wurde Riedelbauch zum künstlerischen Leiter des Hans-Sachs-Chors Nürnberg berufen, mit dem er in den kommenden drei Jahrzehnten nicht nur das chorsinfonische Standardrepertoire erarbeitete, sondern auch viele Erst- und Uraufführungen realisierte oder bis dahin ungewöhnliche Programme und Formate wie "Musik der Synagoge" entwickelte.

Vater des Dehnberger Hoftheaters

Mit viel ehrenamtlicher Unterstützung kam es 1976 zur Eröffnung des Dehnberger Hoftheaters in dem kleinen Ortsteil von Lauf, das seither als charmante Spielstätte nicht nur für Musik, sondern auch Theater, Literatur und Kleinkunst dient. Ja, sogar ganze Opern und Operetten waren in dem alten fränkischen Bauerngehöft zu erleben. Der erste "Musikstall" bot 70 Plätze, mittlerweile konnte eine Scheune mit 200 Plätzen zum Kulturort verwandelt werden.

Große Verdienste erwarb sich Riedelbauch nicht nur als Anreger der Edition mit dem Gesamtschaffen des Nürnberger Komponisten Johann Pachelbel (1653-1706), sondern vor allem durch die 1988 gegründeten Festtage für Alte Musik "Musica Franconia", die in seiner Intendanz (2000-2013) mit dem "Fränkischen Sommer" zusammenliefen.

Hier präsentierte Wolfgang Riedelbauch mit viel Enthusiasmus Werke längst vergessener fränkischer Meister wie das Oratorium "Paradise Lost" oder die Oper "The Tempest" von John Christopher Smith (1712-1795).

Das schönste Geburtstagsgeschenk bereitet sich der Allroundmusiker aber wohl selbst: Am 25. Mai dirigiert er in der Nürnberger Sebalduskirche ab 20 Uhr Joseph Haydns Meisteroratorium "Die Schöpfung" — selbstredend in historischer Aufführungspraxis mit dem Barockorchester "La Banda".

JENS VOSKAMP

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