Mittwoch, 20.11.2019

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In Nürnberg wird die Literatur gefeiert

Im September findet im Z-Bau das "Unabhängige Lesereihen Festival" statt - 19.06.2019 19:27 Uhr

"Literatur geht uns alle an", meint Tristan Marquardt. "Es geht um Sprache, Positionen, die Fragen unserer Gegenwart und vieles mehr. Wir glauben deshalb, dass Literatur nicht nur ein Produkt zum Konsumieren oder nur ein Privatvergnügen sein sollte." © colourbox.de


Über 25 Lesereihen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz wollen dabei die Vielfalt der zeitgenössischen Literatur feiern. Mehr als 100 Autoren kommen in die Stadt, Festivalzentrum ist der Z-Bau, es wird aber auch Termine in der Altstadt und an anderen Orten geben. Neben Lesungen stehen Workshops und Partys auf dem Programm.

"Wir wollen zeigen, was für tolle Literatur es heute gibt", sagt Tristan Marquardt, der in München die Reihe "Meine drei lyrischen Ichs" veranstaltet. Er gehört zum Ulf-Organisationsteam und ist selbst Lyriker: "Die Lesereihen haben sich in den letzten Jahren in Ergänzung zu den bestehenden Literaturinstitutionen gegründet, finden in Kneipen, Galerien oder WGs statt und gestalten ihr Programm unabhängig", erklärt Marquardt. Die klassische Wasserglas-Lesung wird man hier also vermutlich eher nicht finden.

Literatur und Nürnberg sind ja bekanntlich zwei Dinge, die nicht ganz so leichtfüßig zusammengehen. Die Veranstalter und Institutionen sind untereinander zu wenig vernetzt. Gerade auch im Zuge der Kulturhauptstadt-Bewerbung will die Stadt ihr Profil in Sachen Literatur aber schärfen: Anfang des Jahres traf sich erstmals ein Runder Tisch auf Einladung von Elisabeth Sträter, Leiterin der Stadtbibliothek. Kürzlich fanden die vom Bildungscampus organisierten Texttage Nürnberg statt.

Tristan Marquardt. © Foto: Mario Steigerwald/PR


Für den 6. Juli hatte das Bewerbungsbüro Kulturhauptstadt 2025 eine lange Nacht der Literatur im Zukunftsmuseum geplant, die nun jedoch aufs nächste Jahr vertagt wurde: Erstens erwies sich das "Zukunftsmuseum", das gerade gebaut wird, als doch noch nicht tauglich genug. Und als feststand, dass das Festival der Unabhängigen Lesereihen stattfinden wird, wollte man dieser "großen und guten" Veranstaltung, so Bewerbungsbüro-Leiter Hans-Joachim Wagner, auch keine Konkurrenz machen.

Und warum hat "Ulf" Nürnberg als Ort gewählt? "Die Stadt ist offen für neue Literaturformate und nicht so gesättigt wie etwa Berlin", sagt Tristan Marquardt. "Der Z-Bau als Mehrspartenhaus ist von seiner Ausrichtung, seinen räumlichen und technischen Möglichkeiten her der optimale Veranstaltungsort. Außerdem liegt Nürnberg relativ zentral, wenn man den ganzen deutschsprachigen Raum berücksichtigt." Gefördert wird die Veranstaltung von der Kulturstiftung des Bundes, auch die Stadt Nürnberg, der Freistaat, die Zumikon-Kulturstiftung und andere Unterstützer sind mit an Bord.

"Literatur geht uns alle an", meint Marquardt. "Es geht um Sprache, Positionen, die Fragen unserer Gegenwart und vieles mehr. Wir glauben deshalb, dass Literatur nicht nur ein Produkt zum Konsumieren oder nur ein Privatvergnügen sein sollte." Der direkte Austausch solle niedrigschwelliger sein als in vielen Literaturinstitutionen üblich.

Wie das aussehen kann, zeigt Marquardts Reihe "Meine drei lyrischen Ichs" am 20. Juni im Heizhaus (Wandererstraße 89, 20 Uhr, Eintritt frei), bei der sich Lyrik und Bildende Kunst begegnen. Charlotte Warsen und Ramy Al-Asheq aus Berlin und der Nürnberger Dichter Christian Schloyer sind dabei, die Künstlerin Larissa Hanselka wird eine Installation zeigen, die einen einzigartigen Lesungsraum schaffen soll. Denn auch darum geht es den Organisatoren der Lesereihen: Ums Experimentieren und Sprengen von Genre-Grenzen.

www.ulf-festival.de

SUSANNE HELMER

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