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"From Evin with love": Ausstellung in Nürnberg

Handwerkliches von inhaftierten Frauen aus dem Iran im Heilig-Geist-Spital - 18.09.2019 18:29 Uhr

Eine von zwei Puppen, die Nasrin Sotoudeh unter dem Titel „Two dolls (for „The Girls of Revolution Street“) angefertigt hat. © Foto: Michael Matejka


Mit Hilfe dieser Werke übermittelten die inhaftierten Frauen Botschaften an ihre Freunde und Familie.

"Es hat die Frauen zusammengeschweißt, wenn sie etwas zusammen im Gefängnis gemacht haben", erklärt Bertrun Jeitner-Hartmann vom Verein "Frauen in der Einen Welt", einer der Mitorganisatoren.

Die Werke wurden verpackt und an verschiedene Adressen in Den Haag geschickt. Dort stellte sie die iranische Frauenrechtlerin Mansoureh Shojaee zu dieser Ausstellung zusammen. Von 2011 bis 2013 war sie Stipendiantin im "Writers in Exile"-Programm des Autorenverbands PEN in Nürnberg. "From Evin with love" besteht zu einem Teil aus Forschungen, die Shojaee im Rahmen ihrer Arbeit für das "Museum of Iranian Womens Movement Initiative" durchgeführt hat.

Hinter jedem der 33 Ausstellungsstücke steckt eine Botschaft, manchmal sichtbar, manchmal versteckt. "Es sind eher unscheinbare Kartons, aber was darin ist, ist emotionaler Zündstoff", sagt Bertrun Jeitner-Hartmann. Eines der Werke – ein kalligrafisches Holzstück – zeigt eine Friedenstaube, die aus dem Wort War (Krieg) einen Buchstaben herausnimmt und ihn in das Wort Peace (Frieden) einsetzt. Angefertigt wurde es von Nargess Mohammadi, Aktivistin für Menschen- und Frauenrechte.

Eines der Kernstücke der Ausstellung ist eine Puppe, die die iranische Menschenrechtsanwältin und Aktivistin Nasrin Sotoudeh während ihres ersten Aufenthalts im Evin-Gefängnis 2011 für ihren Sohn angefertigt hat. "Eine Wärterin hat sie dem Jungen gebracht. Er hat sie überall hin mitgenommen. Die Puppe war sozusagen sein Mutterersatz", erzählt Bertrun Jeitner-Hartmann.

148 Peitschenhiebe

Nasrin Sotodeh wurde im Juni 2018 erneut verhaftet und zu 33 Jahren Haft und 148 Peitschenhieben verurteilt. "Sie wurde verhaftet, weil sie vor dem Gerichtsgebäude ohne ihr Kopftuch stand und weil sie sich für die Freilassung anderer Frauen stark gemacht hat", sagt Bertrun Jeitner-Hartmann. Am 21. September findet eine literarische Lesung zur Ausstellung statt mit Mansoureh Shojaee, der Frauenaktivistin Shiva Nazar Ahari und Eva Homrighausen, ehemalige Leiterin der Stadtbibliothek.

Zu sehen ist die Ausstellung noch bis zum 28. September im Heilig Geist Spital, Hans-Sachs-Platz 2, der Eintritt ist frei

JULIA REIDL

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