28°

Dienstag, 18.06.2019

|

zum Thema

Dichterwettstreit in Erlangen: Wer ist Bayerns bester Poetry-Slammer?

Am Wochenende wird in Erlangen der Bayerische Meister gekürt - 16.05.2019 13:07 Uhr

Drei von vielen: Pauline Füg, Lucas Fassnacht und Lara Ermer zählen zu den bekanntesten Namen in der fränkischen Poetry-Slam-Szene. © Valentin Olpp, Pierre Jarawan, Nikolas Schmidt


Poetry Slam: Der freundschaftliche Dichterwettstreit mit hohem Unterhaltungswert. Was in den 1990er Jahren auf Kleinkunstbühnen begann, ist längst zu einem richtig großen Ding gewachsen – weltweit. Die deutschsprachige Slam-Szene gilt als eine der größten[4], [/4]Franken mischt ganz vorne mit – und das nicht nur in den großen Städten oder den kleineren mit einer Universität vor Ort. Neben Nürnberg, Fürth und Erlangen wird längst auch in Schwabach, Roth, Ansbach, Bad Windsheim und Gunzenhausen regelmäßig geslammt. Eine Slam-Hochburg ist seit Jahren Würzburg. "Irgendein Veranstalter hat mal gesagt, dass es in Franken in jedem Dorf einen Slam gibt – und wenn es nicht genügend Slams gibt, dann wird einfach ein neues Dorf gegründet", lacht Felix Kaden, der in Nürnberg die Reihen "SüdSlam" und "Wortgefecht" veranstaltet, beide regelmäßig ausverkauft.

Wenn er nicht gerade selbst Treffen organisiert, ist der 29-Jährige regelmäßig auf Tour zwischen Kiel und Klagenfurt – als Poet, aber auch als Moderator und DJ. Dazwischen gibt er Workshops, unter anderem an Schulen. "Vor allem die, die im täglichen Schulkorsett sonst nicht so klarkommen, blühen da richtig auf, und die Lehrer sind dann oft überrascht, dass ausgerechnet die schwarzen Schafe in ihrer Klasse so positiv auf Literatur reagieren."

Doch P-Slam setzt nicht nur niederschwellig an, das Format kann auch als Sprungbrett dienen: Die Bamberger Autorin Nora Gomringer und die Schweizer Kabarettistin Hazel Brugger – zwei Beispiele von vielen – hatten ihre ersten Auftritte auf Slam-Bühnen. Von Letzterer stammt das Bonmot, Poetry Slam seien "die Paralympics unter den Literaturwissenschaften", aber Frau Brugger ist ja bekanntlich gerne böse.

Vier goldene Regeln gelten für einen Poetry-Slam-Abend: Die Texte müssen selbst erstellt sein, jeder Poet hat sieben Minuten Zeit, es dürfen keine Requisiten und keine Hilfsmittel verwendet werden. Und: Respect the poets! Es wird zugehört, auch wenn der laufende Vortrag gerade nix taugt. Die Besucher (von denen sich manch einer irgendwann selbst auf die Bühne traut) sind Teil des Spiels, dürfen als Jury Punkte vergeben.

Wobei der Wettbewerbscharakter beim Poetry Slam natürlich vor allem eines ist: Ein großer Spaß für alle Beteiligten. Zwar gibt es am Ende des Abends einen Sieger, doch der Weg ist das Ziel und wie beim Fußball gilt: Wichtig is’ aufm Platz!

Egal ob laut oder leise, ernst oder lustig, kalauernd oder berührend – die moderne Dichterlesung funktioniert nicht zuletzt, weil das freche, junge und schnelle Format klassische Literatur mit flotter Stand Up-Comedy kombiniert. Und weil Unterhaltung groß geschrieben wird. Wie sehr all das inzwischen in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist, zeigt ein Ausflug nach Schwarzenbruck.

Poetry-Slam-Nacht ist regelmäßig ausverkauft

Seit vier Jahren gibt es in der Gemeinde im Speckgürtel von Nürnberg einmal im Jahr eine Poetry-Slam-Nacht, die regelmäßig ausverkauft ist. Und Veranstaltungsort ist hier immerhin die Bürgerhalle, die stolze 300 Besucher fasst...

Nicht ganz unschuldig an diesem Erfolg ist Monika Eibl. Drei Jahre lang ging die Leiterin der Gemeindebibliothek mit der Idee schwanger, so etwas auch einmal in Schwarzenbruck zu wagen. Für den ersten Slam rührte sie massiv die Werbetrommel, sprach jeden Büchereibesucher persönlich an und musste nicht nur einmal erklären, was das denn genau sei.

Mit Erfolg: Inzwischen ist die jährliche Sause in Schwarzenbruck ein Selbstläufer. Und ein Event: Im Foyer der Bürgerhalle werden die altersmäßig bunt gemischten Besucher mit selbstgebackenen Butterkeksen empfangen, es gibt liebevoll belegte Häppchen und selbstbedruckte Slam-T-Shirts.

In der Stadt hingegen ist bereits ein leiser Gegentrend zu spüren: Das Nürnberger Brückenfestival, bei dem es jahrelang eine eigene Poetry Slam Bühne gab, hat das Format zuletzt aus seinem Programm genommen. Das Thema sei vorerst durch, hieß es. Trotzdem: Poetry Slam bleibt eine spannende Literatur-Spielart, die man am Ende des Tages selbst erleben muss – live und ohne doppelten Boden. Zum Beispiel am Wochenende in Erlangen.

Infos gibt es unter www.bayernslam2019.de

Stefan Gnad

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: Kultur