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"Böhse Onkelz": Tournee nach vier Stunden ausverkauft

Alte Vorwürfe, neue Tournee - Deutschrock-Gruppe macht in Nürnberg Station - 06.11.2019 18:57 Uhr

Die Böhsen Onkelz – hier Sänger Kevin Russell bei einem Auftritt in Leipzig – bleiben weiter streng auf Erfolgskurs: Ihre Tour im kommenden Jahr, darunter das Konzert am 25. April in der Arena in Nürnberg, war nach nur vier Stunden komplett ausverkauft. © Foto: Alexander Prautzsch/dpa


Der Kartenvorverkauf startete am Dienstag um 17 Uhr, nach nur vier Stunden war die komplette Tournee restlos ausverkauft. "Rien ne va plus", vermeldet die Band auf ihrer Homepage. "Wir sind einmal mehr sprachlos und schicken ein euphorisches ,Danke‘ in den Nachthimmel! Das wird ein erstes großes Fest, soviel sei euch versprochen."

Seit 40 Jahren mischen die Böhsen Onkelz die deutsche Musiklandschaft auf. In den 1980er Jahren ein stetig wachsendes Untergrund-Phänomen, feierte die Gruppe in den 1990 Jahren im Mainstream große Erfolge. In dieser Zeit definierte die Gruppe, die bis heute keinen Besetzungswechsel hatte, ihre Spielart von Deutschrock und zog erste Epigonen und Nachahmer an.

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2005 löste sich die Band offiziell auf, wie im Nachhinein bekannt wurde vor allem wegen der zunehmenden Alkohol- und Heroinabhängigkeit von Sänger Kevin Russell. Das Aus der Onkelz hinterließ in der deutschsprachigen Musiklandschaft ein Vakuum. Die Band war tot, doch die Legende begann nun erst so richtig zu wuchern – mit Festivals wie "G.O.N.D." ("Größte Onkelz Nacht Deutschlands" an wechselnden Orten in Bayern) und zahlreichen Bands, die dem Sound der Frankfurter in Ton, Wort und Optik nacheiferten, vor allem aber auch deren weinerliches "Wir gegen den Rest der Welt ... aber keiner hat uns lieb"-Pathos übernahmen.

Frankfurter polarisieren bis heute

2014 gaben Kevin Russell (Gesang), Stephan Weidner (Bass), Matthias Röhr (Gitarre) und Peter Schorowsky (Schlagzeug) bekannt, wieder gemeinsam auf die Bühne zu steigen. Die Comeback-Konzerte auf dem Hockenheimring 2014 und 2015 zogen mehrere hunderttausend Fans an. Kritiker bescheinigten der Band schon damals, dass außer Außenseiterromantik, zelebriertem Verliererpathos und gepflegtem Altherrenrock künstlerisch nicht viel übrig geblieben sei.

Umso interessanter, dass die vier Frankfurter bis heute stramm polarisieren. Kaum waren die neuen Tourdaten im Internet vermeldet, flammten in den Kommentaren sofort die uralten Nazi-Vorwürfe auf. Noch vor ihrem ersten Plattenvertrag Anfang der 80er Jahre hatten die Böhsen Onkelz zwei Lieder mit ausländerfeindlichen Texten geschrieben. Die Musiker sagten sich jedoch früh von extremistischem Gedankengut los und schrieben unter anderem mit "Deutschland im Herbst" 1993 ein explizites Lied gegen alte und neue Nazis.

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Nun wollen es die Böhsen Onkelz scheinbar noch einmal wissen. Ein neues Studioalbum – das zweite seit der Wiedervereinigung – ist für Februar 2020 angekündigt. Die ausverkaufte Tournee soll zudem nur den Auftakt zu den großen Onkelz-Feierlichkeiten 2020 markieren. Es bleibt weiterhin langweilig.

 

 

Stefan Gnad E-Mail

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