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ARD-Film über Faber-Castell: So war das wirklich mit Ottilie

Die Unterschiede zur Verfilmung: Manches wurde kräftig ausgeschmückt - 15.09.2019 09:13 Uhr

Ottilie „Tilly“ von Faber-Castell (1877-1944). © Foto: Archiv Faber-Castell


War Ottilie von Faber-Castell wirklich die unglücklich verheiratete und von der Firmenleitung ausgeschlossene Frau, als die sie in dem Film und in Asta Scheibs Romanvorlage "Eine Zierde in ihrem Hause" dargestellt wird? Manches an der Geschichte ist kräftig ausgeschmückt.

Ottilie von Faber, genannt Tilly, erbte zunächst nicht die Bleistiftfirma mit ihren weltweit verstreuten Produktionsstätten und Filialen, wie es der Film suggeriert, sondern "nur" die Familienstiftung, zu der die zahlreichen Immobilien der Familie gehörten. Ihr Großvater Lothar verfügte, dass sein Besitz an einen männlichen Nachkommen übergehen sollte. Sein Sohn Wilhelm starb jedoch mit 42 Jahren an einem Herzanfall. Nach Lothars Willen musste eine weibliche Erbin mit einem Angehörigen von erblichem Adel verheiratet sein, dabei sollte der Name Faber erhalten bleiben. Mit Alexander von Castell-Rüdenhausen fand Tilly den passenden Gatten, der neue Adelsname Faber-Castell wurde später auch zum weltbekannten Namen der Bleistiftfirma.

Das Unternehmen ging nach Lothars Tod 1896 in den Besitz von dessen Frau Ottilie über, Tillys Großmutter, die gemäß Testament mit den leitenden Angestellten zusammen die Geschäfte führte. 1900 nahm Ottilie senior Graf Alexander als Teilhaber der Firma auf.

Erst 1903 ging mit dem Tod ihrer Großmutter auch das Firmenimperium in Tillys Besitz über, ihr Mann Alexander Faber-Castell blieb Teilhaber und Geschäftsführer. Ob Tilly sich tatsächlich aus der aktiven Geschäftsleitung zurückgedrängt fühlte, ist nicht gesichert. "Nach viele Schriftstücken zu urteilen, genoss sie auch die Rolle der Hausherrin, die Bälle veranstaltete, und war musisch begabt", sagt Sandra Suppa, Unternehmenssprecherin von Faber-Castell. 

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Die Scheidung ging von Ottilie aus, durch Alexanders Einsatz im Ersten Weltkrieg hatte sich das Paar entfremdet. 1916 schrieb Tilly an ihren Mann: "Lieber Alexander! Heute komme ich mit einer großen Bitte zu Dir: gib mich frei! ... bring mir bitte das Opfer; denn ich will und kann nicht falsch sein ... Ich hab Dir ja einen Sohn geschenkt, verwalte für ihn Alles wie bisher, Du kannst es besser wie ich."

Die Familienstiftung übertrug Ottilie auf ihren Sohn Roland und erhielt eine jährliche Leibrente. 1918 heiratete sie Philipp von Brand zu Neidstein. Eine Jugendliebe? Wohl eher eine späte: Sie wolle "mit dem glücklich werden, den ich in den eineinhalb Jahren genau kennen gelernt habe", schreibt Tilly – das war 1916. 

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