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Unterwegs in der Heimat der Mayas

Mexikos Ureinwohner erklären Touristen gerne die faszinierende Natur - 19.12.2015 08:00 Uhr

Spektakuläre Tropfsteine gibt es in den Höhlen des Rio Secreto schwimmend zu entdecken. © Rio Secreto


Bevor der Besucher in die Tropfsteinhöhlen des unterirdischen Rio Secreto hinabsteigen darf, muss er sich reinigen. Dabei genügt es nicht, sich unter die Dusche zu stellen, um Rückstände von Deos, Sonnencreme und Parfüm abzuspülen. Auf dem Weg zum Höhleneingang macht die kleine Besuchergruppe im Regenwald auch noch Halt bei einem Schamanen. Er entzündet heiligen Weihrauch, hüllt die Fremden in eine Rauchwolke ein und spricht in der alten Sprache der Maya einen Segensspruch, der die Seele reinigen soll.

Derart umfassend gesäubert darf man sich endlich ins unterirdische Abenteuer stürzen – oder sich vielmehr vorsichtig vortasten. Betonierte Wege, Geländer und Lampen gibt es nicht. Der Schein der Stirnlampe muss genügen, um den Weg zwischen Stalagmiten und Steinen zu finden.

Der Rio Secreto, der geheime Fluss, ist ein erst 1996 zufällig entdecktes Höhlensystem auf der mexikanischen Halbinsel Yukatán. 32 Kilometer des unterirdischen Flusslaufs sind erst erforscht, ein Hunderte Kilometer langes System an Gängen und Hallen wird vermutet. Die Touristen waten im (geliehenen und desinfizierten) Neoprenanzug in kleinen, geführten Gruppen durch Bäche und durchschwimmen halb mit Wasser gefüllte Höhlen. In dieser unterirdischen Welt, in die fast nur Fledermäuse und augenlose Fische vordringen, fühlt man sich wie ein Höhlenforscher.

Der Rio Secreto bei Playa del Carmen vereint all die Eigenschaften, denen sich der moderne Tourismus auf Yukatan (mit seinen Verwaltungsbezirken Yucatán, Campeche und Quintana Roo) verschrieben hat: Naturschönheiten, ein nachhaltiger Umgang mit ihnen und die respektvolle Einbeziehung der Kultur der Maya, des einzigen indigenen Volkes auf dem amerikanischen Doppelkontinent, das die Eroberung durch Europäer überlebt hat. „Die Maya-Kultur ist einzigartig in der Karibik“, schwärmt Lizzie Cole, Marketing-Chefin der Tourismus-Region „Riviera Maya“ an der Ostküste der Halbinsel. Viele Maya leben noch traditionell in Palmenhütten; ihre meist abgelegenen Dörfer wirken ärmlich. Und doch werden sie von den Mexikanern respektiert und als Träger und Bewahrer alter Traditionen hoch geschätzt. Zehn Prozent der mexikanischen Bevölkerung sind Maya, 60 Prozent Mestizen mit Maya in der Ahnentafel.

Einzigartige Lage

Hauptattraktion Yukatans ist unbestritten die Maya-Ausgrabungsstätte Chichén Itzá. Die 30 Meter hohe Stufenpyramide des Kukulcán ist das Wahrzeichen der Halbinsel. Sie gibt es in Miniaturform nicht nur an jeder Ecke zu kaufen, ihr Bild ziert auch die Nummernschilder der Autos in Yukatan. Die Ausgrabungsstätte Tulum zieht jedes Jahr ebenfalls Tausende Besucher an. Tulum kann zwar nicht mit so spektakulären Bauten aufwarten, punktet aber mit seiner einzigartigen Lage hoch über dem Meer. In Mérida, der Hauptstadt Yukatans, eröffnete vor drei Jahren ein sehenswertes Museum, das die Geschichte der Maya, ihre Religion und ihre Kultur interaktiv erklärt.

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Urlaub im Maya-Land

Mexiko - das klingt gefährlich. Nach Drogenkrieg und Überfällen. Für die mexikanische Halbinsel Yukatan aber trifft das nicht zu. Dort kann man gut Urlaub machen.


Antonio Camal ist Maya, er lebt in einem kleinen Dorf mit 300 Einwohnern mitten im Dschungel – und arbeitet als Fremdenführer in Sian Ka’an, einem Biosphärenreservat an der Ostküste Yukatans; 650 000 Hektar Mangroven, Lagunen und Regenwald hat die Regierung vor 20 Jahren unter Schutz gestellt. Die Feuchtgebiete sind Heimat von Krokodilen, Seekühen und Tapiren; Schildkröten, Delfine und über 300 verschiedene Vogelarten leben in diesem von der Unesco als Welterbe eingestuften Naturraum. Sogar der Jaguar kommt in diesem Gebiet vor.

Fremdenführer Antonio Camal steuert ein Motorboot durch die verschlungenen Kanäle, die seine Vorväter schon vor Urzeiten angelegt haben, um zum Fischen aufs offene Meer zu gelangen. Er zeigt den Besuchern, wo die Vögel brüten und erklärt, warum sich in der Lagune das Meerwasser nicht mit dem Süßwasser vermischt.

Bevor er angefangen hat, Englisch zu lernen und beim Biosphärenreservat zu arbeiten, hat er von dem gelebt, was die Natur hergibt. Antonio kennt die besten Fischgründe der Gegend, er stellte Honig her, sammelte Früchte, kochte Chicozapote, den Naturkaugummi. „Vor zehn Jahren lebten wir noch sehr isoliert. Es gab kaum Möglichkeiten zu arbeiten, also machte jeder alles.“ Der Tourismus eröffnet ihm und seinem Dorf Chumpon heute eine Perspektive. „Die meisten jungen Leute wollen nicht hier bleiben, wenn sie erst einmal mit moderner Technik in Berührung gekommen sind“, sagt Antonio, in dessen Dorf es zwar Strom, aber kein Internet gibt und keinen Handy-Empfang – noch. Er bedauert, dass die meisten Urlauber zwar die alten Maya-Tempel besichtigen, von der Alltags-Kultur seines Volkes aber wenig mitbekommen.

Antonio Camal ist Maya, er lebt mit seiner Familie in einem kleinen Dorf mitten im Dschungel – und arbeitet als Fremdenführer in Sian Ka’an, © Georg Klietz


In den Anfängen des Tourismus auf Yukatan, in den 1970er Jahren, hat sich darüber noch niemand Gedanken gemacht. Damals entstanden in Cancún Hotel-Hochhäuser, in denen heute vor allem feierwütige amerikanische Pauschaltouristen absteigen. Je weiter man nach Süden kommt, nach Playa del Carmen oder Tulum, desto kleiner werden jedoch die Einheiten.

Drei Viertel der Hotels an der Riviera Maya haben weniger als 100 Zimmer; viele arbeiten an Öko-Standards. Knapp 140 000 Deutsche kommen pro Jahr an die Riviera Maya, Tendenz steigend, da immer mehr Fluggesellschaften Cancún ansteuern, so Tourismus-Managerin Lizzie Cole. Wellness, Golfen und Tauchen im zweitgrößten Riff der Erde steht bei den meisten Urlaubern auf der Agenda.

In Antonios Dorf hat sich kaum je ein Fremder verirrt. An seinem freien Tag lädt er uns zu einer heiligen Zeremonie in seine Palmenhütte ein, zum „Hanal Pixán“, dem „Essen für die verstorbenen Seelen“. Die Vorbereitungen für dieses alte Maya-Fest nehmen den ganzen Tag in Anspruch.

So wie es seit Generationen Brauch ist, haben der 38-Jährige und seine Frau Lucia auf heißen Steinen in der Erde Tamales zubereitet, in Bananenblätter eingewickelte Maisschnitten, die sie mit Hühnerfleisch gefüllt haben. Die Tamales, und alle anderen Speisen und Getränke für die Feier, richtet das Ehepaar auf einem improvisierten Altar in seiner Küchenhütte her. Ein Schamane aus dem Dorf kommt vorbei, und betet auf Knien mit Antonio und seinem Sohn Herardo eine halbe Stunde für die Seelen der Verstorbenen, die an diesem Tag besonders geehrt werden.

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Sisal - eine Faser für vieles

Sisal ist eine vielseitige Naturfaser. Gewonnen wird sie aus der Agaven-Pflanze. Hergestellt wird sie auf der mexikanischen Halbinsel Yukatan.


Antonio Camal und seine Frau leben an der Schnittstelle zwischen Jahrhunderte alter Tradition und Moderne. Für sie ist klar, dass sie in ihrem Dorf bleiben werden. Aber die Kinder? Der Tourismus werde ihnen Arbeit geben, ist sich Antonio sicher. Die neunjährige Tochter Mariella weiß schon, dass sie später einmal Biologie studieren möchte. Im Biosphärenreservat Sian Ka’an wird es für sie bestimmt genug zu tun geben.

Informationen:

Sicherheit in Mexiko:

Seit fast zehn Jahren tobt in Mexiko ein blutiger Drogenkrieg; mehr als 100.000 Menschen wurden seither getötet oder gelten als vermisst. Kann man trotzdem dort halbwegs unbeschwert Urlaub machen? Ja — wenn man ein paar Dinge beachtet.

Mexiko ist das wichtigste Transitland für Drogen von Süd- und Mittelamerika in die USA. Mehrere rivalisierende Kartelle streiten um die Vorherrschaft auf diesem lukrativen „Geschäftsfeld“. Der Drogenkrieg spielt sich hauptsächlich in der Grenzregion zu den USA ab, sowie entlang der Pazifikküste. Die Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts beziehen sich schwerpunktmäßig auf die dortigen Bundesstaaten und auf Mexiko-Stadt. Auf der karibischen Halbinsel Yukatan ist es dagegen relativ ruhig. Zwar wurde auch schon über blutige Auseinandersetzungen zwischen Banden in Cancún berichtet, doch richtet sich diese Form der Gewalt üblicherweise nicht gegen Touristen.

Nicht unterschätzen sollte man die großen Entfernungen in Mexiko. Die Ausdehnung von Norden nach Süden beträgt 3000 Kilometer, in Ost-West-Richtung sind es bis zu 2000 Kilometer. Zum Vergleich: Nürnberg und Moskau sind 1900 Kilometer voneinander entfernt. Wenn dort etwas passiert, fühlt man sich hier ja auch nicht gleich bedroht.

Anreise mit Air Europa ab München und Frankfurt via Madrid nach Cancún.

www.aireuropa.com

Informationen zu Yukatan:

Mexikanisches Fremdenverkehrsbüro, Klingelhöferstrasse 3, 10785 Berlin

Tel.: (0 30) 2 63 97 94-0

Beide haben diese Reise unterstützt.

  

Von Georg Klietz

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