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Madagaskar: Hier wächst der Pfeffer

Die kleine Insel Nosy Be vor der Küste bildet das Land im Kleinen ab - 18.05.2019 07:28 Uhr

Ein typischer Strand auf Nosy Be. © Erik Stecher


Wie ein riesiger Knoten hat sich die Schlange um den Baumstamm gewickelt. Schläft sie? Nein, jetzt windet sich ein Kopf aus dem Gebilde heraus. Ein Prachtexemplar, nur einen Meter über dem Boden, direkt neben dem Trampelpfad im Regenwald: Diese Boa ist auch für verschwitzt herumstolpernde Stadtmenschen nicht zu übersehen.

Und all die versteckten Schönheiten stöbert Roger Sirice auf: Der barfüßige Guide zeigt, unter welchen Blättern sich fingernagelkleine Mini-Chamäleons verbergen und auf welchen Ästen Lemuren herumlungern. Erstaunlich, mit wie viel flauschigem Fell die Halbaffen in dieser Hitze von der Natur beschenkt wurden.

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Madagaskar - die faszinierende Gewürzinsel Nosy Be

Regenwälder und Palmenstrände, faszinierende Tiere und freundliche Menschen begegnen dem Reisenden auf Nosy Be, einer Insel direkt vor der Nordostküste Madagaskars


Im Nationalpark Lokobe findet sich auf 20 mal 25 Kilometern komprimiert, was Madagaskar so reizvoll macht. Palmenstrände mit wohltemperiertem Badewasser und einer faszinierenden Unterwasserwelt. Auf der Parfüminsel Nosy Be gedeihen die verschiedensten Pflanzen und Gewürze von Pfeffer bis Vanille. Und überall sind faszinierende Tiere zu bewundern.

Quietschgrüne Geckos dekorieren viele Häuserwände. Manchmal zeigt sich ein Chamäleon auf einem Ast oder Zaun. Auch Wasserschildkröten lassen sich gut beobachten, auf einer Bootsfahrt oder beim Schnorcheln: Schwere Kolosse, die elegant wie Vögel durchs klare Wasser schweben. Der Zauber von Madagaskars Flora und Fauna hat die Einwohner geprägt, auch heute noch ist Animismus weit verbreitet – der Glaube an eine beseelte Natur. Oft ist er mit einem Ahnenkult verbunden, den auch viele der rund 40 Prozent Christen gelegentlich ausüben.

Höhlen auf keinen Fall mit Kichererbsen betreten

Es gibt hier viele Verhaltensregeln und Tabus, die mit der Ahnenverehrung und spirituellen Orten verknüpft sind. Höhlen etwa darf man nicht betreten, wenn man Hühner oder Kichererbsen bei sich führt. Warum? Weil die einfach unbeliebt sind bei den Ahnen, die man in den Höhlen wähnt. Neben heiligen Bergen und Felsen gibt es auch Bäume, unter denen man für die Erfüllung eines Wunsches beten kann. Viele hinterlegen dort auch eine kleine Aufmerksamkeit, etwa ein Gefäß mit Honig. Oder andere Dinge, die von den Ahnen zu Lebzeiten geschätzt wurden: Rum und Zigaretten sind besonders populäre Gaben.

Nach der Kirche geht‘s auf Nosy Be zum brutalen Schaukampf. © Erik Stecher


Fromme Wünsche und rustikale Bräuche gibt es auch beim Sonntagsprogramm der Christen: Viele pflegen die ungewöhnliche Kombination, vormittags in die Kirche und nachmittags zum Kickboxen zu gehen. Schon der Schauplatz der Kämpfe bildet den maximalen Kontrast zum Kirchgang: Aus großen Lautsprechern ertönen rasante Trommelschläge in brachialer Lautstärke. Um sich aufzuputschen, kauen die Kämpfer Cola-Nüsse, die am Eingang auch den Zuschauern verkauft werden. Doch nicht jeder experimentierfreudige Tourist hält die empfohlene Kauzeit von einer Stunde durch, die Dinger schmecken ziemlich erdig und bitter.

Inszenierte Reibereien am Rande

Die Kickboxer haben ganz andere Sorgen, denn es gibt hier nur eine einzige Regel: Nicht zwischen die Beine schlagen oder treten. Sonst ist alles erlaubt. Zum Einmarsch gehört viel Show, manche Boxer und ihre Gangs provozieren die Gegner und inszenieren Reibereien am Rande. Doch die meisten Kämpfer kennen und verstehen sich, die Atmosphäre ist positiv. Die Trommeln dröhnen auch beim Beginn der Kämpfe auf Hochtouren weiter. Es herrscht Festivalstimmung. Doch das ändert sich mit einem Schlag.

Volltreffer am Kopf, ein Boxer knallt auf den Boden. Und steht nicht mehr auf. Auch nach einigen Minuten keine Regung. Die bange Frage: Liegt er im Koma? Und etwas später: Ist er tot? Erst nach über zehn Minuten kommt der Mann zu sich und wird ins Krankenhaus gebracht. Das Publikum reagiert unaufgeregt, man ist solche Dramen hier gewohnt.

In solchen Momenten wird klar, wie hart das Leben in einem der ärmsten Länder der Welt ist. Für viele ist es ein täglicher Kampf. Trotzdem – oder gerade deshalb – ist die Stimmung auf dieser einzigartigen Insel gelassen und freundlich. Wer da als Reisender über den langen Flug klagt, hat im wahrsten Wortsinne ein Luxusproblem.

Mehr Informationen:
Nosy Be Tourismus
www.nosybe-tourisme.com
Anreise:
Flüge ab München oder Frankfurt meist mit Umstieg gut 14 Stunden bis Antananarivo. Weiterflug nach Nosy Be gut eineinhalb Stunden.
Günstig wohnen:
Jazzy Beach Ambaro
www.jazzybeach.com
Luxuriös wohnen:
Vanila Hotel
www.vanila-hotel.com
Beste Reisezeit:
März bis Dezember

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