Dienstag, 12.11.2019

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Kastilien: Enge Gassen, sanfte Hügel

Der Landstrich gilt als das Herz Spaniens - 12.10.2019 08:00 Uhr

Toledos Gassen sind nach einem katholischen Feiertag reich geschmückt. © Angela Giese


Ein perfekter Moment in der fast surrealen Umgebung des Örtchens Consuegra. Auf dem Kamm der Hügelkette, 820 Meter über dem Meeresspiegel, stehen zwölf Windmühlen aus dem 16. Jahrhundert, aufgereiht wie an einer Schnur. Das Gebiet unweit der Stadt Toledo ist Schauplatz der Abenteuer der von Miguel de Cervantes ins Leben gerufenen Gestalt des Don Quijote. In der Mühle El Sancho Pansa, benannt nach Don Quijotes Diener, ist noch der gesamte Mahlmechanismus erhalten mit einem beeindruckenden Mahlstein. Streicht der Besucher mit der Hand leicht darüber, ist sie weiß vom Mehl.

Zwei Müller haben sie noch, die das komplizierte Mahlwerk zum Vorführen bedienen können. Nachwuchs? Fehlanzeige. 40 Mühlen wurden in La Mancha insgesamt 40 Mühlen restauriert, vier davon sind noch in Betrieb. Zu Lebzeiten Cervantes waren es noch 400.

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Die meisten Spanien-Urlauber wollen nur ans Meer. Ein Fehler, denn ihnen entgehen wahre Bilderbuchstädte und -landschaften mitten in Spanien. Zum Beispiel das Städtchen Consuegra mit zwölf Windmühlen aufgereiht auf einer Hügelkette. Das Gebiet unweit der Stadt Toledo ist Schauplatz der Abenteuer der von Miguel de Cervantes ins Leben gerufenen Gestalt des Don Quijote. Und Toledo selbst mit seiner Kathedrale ist eine Schau für sich. Wer alte religiöse Architektur liebt, ist hier goldrichtig.


Wie begann Cervantes noch sein erstes Kapitel? "An einem Orte der Mancha, an dessen Namen ich mich nicht erinnern will, lebte vor nicht langer Zeit ein Junker, einer von jenen, die einen Speer im Lanzengestell, eine alte Tartsche (einen Schild, Anmerkung der Redaktion), einen hagern Gaul und einen Windhund zum Jagen haben." Ob Don Quijote wirklich hier war? Der Touristenführer sagt: "Wenn du fühlst, dass er hier war, dann war er hier. Alles eine Frage der Fantasie."

Nur eine dreiviertel Autostunde von Consuegra entfernt liegt die prächtige Stadt Toledo. Man kann einfach durch die schmalen, oft steilen gepflasterten Gassen streifen, so eng, dass man mit den Fingerspitzen die Hauswände an beiden Seiten berühren kann. Im Mittelalter zählte Toledo zu den wichtigsten Städten der Iberischen Halbinsel, war sogar einst Hauptstadt des spanischen Königreiches. Kein Wunder, dass die Altstadt auf der Liste des Unesco-Weltkulturerbes steht.

Ein Quadratkilometer, hundert Denkmäler

Wer alte religiöse Architektur liebt, ist hier goldrichtig. Auf einer Fläche von gerade einmal einem Quadratkilometer gibt es mehr als hundert Gebäude, die unter Denkmalschutz stehen. Der erste Weg führt in die gigantische gotische Kathedrale; der Bamberger Dom könnte fünf Mal hineinpassen. Ihre Errichtung mit den 33 Nebenkapellen zog sich über 266 Jahre hin.

Einst stand hier eine Moschee, um 1235 riss man sie ab, doch deren kostbare Säulen wurden mit verbaut in die Kathedrale. Das Chorgestühl des Prachtbaus ist aus Nussbaum geschnitzt und aus Alabaster, in der Sakristei hängen Gemälde von Tizian, Goya und El Greco. Der griechische Maler El Greco lebte von all seinen Exilheimaten am längsten in Toledo, wo er 1614 starb und auch begraben ist.

Auch so lässt sich Aufsehen erregen. © Angela Giese


Auch die Juden unterhielten zahlreiche Gotteshäuser in der Stadt: Elf Synagogen waren es einst, zudem 13 unterirdische. Und die Katholiken errichteten neben den vielen Kirchen noch 15 Klöster.

Toledo nennt sich gerne Stadt der drei Kulturen: Moslems, Juden und Christen leben miteinander. Doch ist der Anspruch berechtigt? Hängt von der Periode ab. Was auf jeden Fall stimmt: Die frühere Hauptstadt Spaniens war jahrhundertelang auch das religiöse Zentrum des Landes. 711 wurde die Stadt von den Mauren eingenommen, 1085 von den Spaniern bei der Reconquista zurückerobert. Die gegenseitigen Verfolgungen bis hin zum Einkerkern Andersgläubiger sprechen gegen ein gütliches Zusammenleben, berichtet Stadtführerin Carmen. Die Juden wurden verjagt, als 1492 der letzte arabische Herrscher kapituliert vor den Heeren von Ferdinand II. und Isabella I. (Los Reyes Católicos).

Neben dem Großmeister der bildenden Kunst El Greco ist Toledo stolz auf einen anderen vorübergehenden Bewohner der jüngeren Zeit: Paco de Lucía lebte mit seiner spanischen Gitarre in einem hoch gelegenen Haus in der Altstadt, wo er Studioaufnahmen machte und andere Musiker traf. Hier probte er für das Album "Cositas Buenas", das 2004 herauskam. Danach verließ er Toledo. Er war genervt von immer mehr Neugierigen, die ihn dort besuchen wollten, erzählt der Manager des heutigen kleinen Hotels "Entre dos aguas" – auch das ist der Titel eines bekannten Stücks des inzwischen gestorbenen de Lucía.

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Bleibt Zeit für einen Abstecher, sollte sich der Reisende die Weltkulturerbe-Stadt Cuenca zwei Autostunden von Toledo entfernt Richtung Osten nicht entgehen lassen. Hier ist nicht die Kathedrale der erste Weg, sondern das Kloster San Pablo, in dem sich heute das Parador-Hotel befinde. Von dort aus bietet sich eine berauschende Aussicht auf die Stadt mit der Brücke über Schlucht des Flusses Huécar und den Fassaden der hängenden Häuser über dem Abgrund. Grandios!

Mehr Informationen:
Spanisches Fremdenverkehrsamt
www.spain.info
das diese Reise unterstützt hat.
Günstig wohnen:
Hotel Medina de Toledo
www.hotelmedina.com
Luxuriös wohnen:
Hotel Pintor El Greco
https://de.hotelpintorelgreco.com
Anreise:
Ab Nürnberg per Auto nach Toledo knapp 1600 Kilometer. Per Flugzeug etwa mit Swiss über Zürich nach Madrid je nach Umsteigezeit vier bis fünf Stunden. Von Madrid mit dem Zug 30 Minuten, mit dem Bus eine Stunde nach Toledo.
Beste Reisezeit:
April bis Juni und September bis November.

Angela Giese

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