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Grandioser Vogel-Flug

In Spaniens Extremadura lassen sich die scheuen Kraniche beobachten. - 18.05.2019 08:00 Uhr

Kommt der Mensch den Kranichen zu nah, steigen sie auf und fliegen davon. © Stefan Hippel


Sieht man wieder einige hundert von ihnen auf einem abgeernteten Maisfeld stehen, heißt es anhalten, aussteigen und Fotos machen. Nach ein paar Minuten aber hebt der ganze Schwarm ab und fliegt davon. Also wieder einsteigen und im nächsten Ort bei Einheimischen nach den Fressplätzen der Vögel fragen. Die überlegen kurz und schicken uns zurück: "Vielleicht versuchen Sie es am Ortseingang rechts, die kleine Straße Richtung Sportplatz".

Dann klappt es doch noch. Auf einer Weide mit Steineichen stehen wieder an die hundert Vögel und fressen die heruntergefallenen Eicheln der Bäume. Diesmal steigt keiner aus und so lassen sich die Kraniche auch nicht stören. Parkende Fahrzeuge an der Landstraße erscheinen ihnen wenig bedrohlich.

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Spaniens Extremadura: Seltene Vögel, karge Natur, tolle Städte

Vogelfreunde aus aller Welt reisen in die spanische Provinz, um im Herbst den Zug der Kraniche zu sehen. Doch die Extremadura fasziniert auch mit ihrer kargen Landschaft und uralten Weltkulturerbestädten.


Diese hellgrauen Schreitvögel mit ihren schwarzen Armschwingen bieten einen majestätische Anblick, wenn sie sich über die abgeernteten Felder auf Futtersuche begeben. Und gerade das Auffliegen eines ganzen Schwarms ist ein Erlebnis. Nach einigen schnellen Schritten stoßen sich die Vögel vom Boden ab, um dann in einer V-Formation mit lauten, trompetenhaften Rufen davonzufliegen. Sie sind lange zu hören und bei einer Flügelspannweite von bis zu 240 Zentimetern auch lange gut zu sehen.

Bis zu 80 000 Graukraniche überwintern auf der Iberischen Halbinsel, nachdem sie in Nordeuropa gebrütet haben. Die Ersten erreichen die Extremadura Ende Oktober und bleiben bis Ende Februar. Am stärksten ist die Population zwischen dem 15. Dezember und dem 15. Januar.

Ein Fest nur für die Kraniche

In Navalvillar de Pela feiert man Anfang Dezember die Anwesenheit der Europäischen Graukraniche mit dem "Festival de las Grullas" – dem Kranichfestival. Es beginnt bereits ab halb acht Uhr morgens mit einem gemeinsamen Frühstück mit den Vögeln, gefolgt von geführten Touren zur Vogelbeobachtung, Wanderungen und Radtouren. Folkloregruppen und Workshops von Naturschutzorganisationen dürfen nicht fehlen. Von Cáceres, Mérida und Badajoz gibt es kostenlose Busverbindungen zum Festival.

Die Wallfahrtskirche zur Schwarzen Madonna von Guadalupe. © Photographer: Stefan Hippel 0171


Am Abend nehmen wir noch einen Beobachtungsplatz in der Nähe der Kranich-Schlafplätze ein. Am Rand überfluteter Reisfelder stellen sich Fotografen mit ihren Kameras und Vogelbeobachter mit ihren Fernrohren in einer Reihe auf. Es wird kühl und im Wasser spiegelt sich der Sonnenuntergang. Weit entfernt hört man das Rufen der Kraniche, ein Schwarm Kuhreiher fliegt vorbei. Irgendwann wird es zu dunkel, um noch gute Fotos machen zu können.

Diese Reisfelder mit einem Wasserstand, der tief genug ist, um Füchse fernzuhalten, suchen die Vögel zum Schlafen auf. Nicht weit entfernt davon befindet sich der 150 Hektar große Freizeit- und Erholungspark Dehesa de Moheda Alta mit seinem Besucherzentrum. Ausstellungen bringen hier den Besuchern Weidewirtschaft und Kraniche näher. Direkt angeschlossen ist ein Hostel mit Beobachtungstürmen. Von hier aus lassen sich auch die vielen anderen Vogelarten in Ruhe betrachten, die auf Feldern und Weiden überwintern.

Wer etwas mehr Bewegung will, kann Wander- oder Radtouren durch das geschützte Weidegebiet mit seinen Steineichen unternehmen. Zum Beispiel entlang der ehemaligen Eisenbahnstrecke bis Talavera de la Reina. In den 1920er Jahren begonnen, wurde sie nie fertiggestellt und ist heute eine ideale Strecke für Wanderer, Radfahrer oder Reiter. Oder zur Kirche von Acedera, die als Vogelschutzgebiet gilt, da in ihren Mauern bis zu 50 Turmfalkenpaare nisten. Nahe der Moheda Alta liegt der Jahrhunderte alte Pilgerort Guadalupe am Fuß der Sierra de Guadalupe. Dieses kleine, gemütliche Örtchen mit den gepflasterten Straßen, seinen Häusern in traditioneller Architektur und den Andenkenläden, in denen Schinken, Käse und Wein aus der Region angeboten werden, ist ein guter Standort für weitere Touren.

Der Klosterkomplex Santa Maria de Guadalupe trägt den Titel Weltkulturerbe. Es ist ein Stilmix aus Gotik, Renaissance und Barock. Einst ein geschlossenes Kloster, heute eher Museum mit prächtigen Hallen und einem Kreuzgang im Mudéjar-Dekorationsstil. Berühmt ist der Ort zudem für die Schutzpatronin der Extremadura, die Virgen Morenita, also die Schwarze Madonna.

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Spanische Extremadura: Radeln auf königlichen Pfaden

Beinahe mühelos lässt sich das E-Mountainbike durch die "LLanos de Caceres", alten Weidewegen, fahren. Die spanische Region Extremadura will diese Wege als Wander- und Fahrradwege für den Tourismus nutzen. Wir haben es ausprobiert.


Schon die spanischen Eroberer baten hier um Segen für ihre Raubzüge. Doch die wahre Wiege der Konquistadoren ist die Kleinstadt Trujillo. Die wichtigsten Bauten der Stadt liegen rund um die Plaza Major, auf der auch ein Reiterstandbild von Francisco Pizarro steht. In seinem Geburtshaus befindet sich ein Museum. Unter anderem erinnert es daran, dass er das Inkareich in Peru erobert hat.

Mehr Informationen:
Tourespana
www.spain.info/de
diese Reise unterstützt haben.
Infos zum Kranichfestival:
https://festivaldelasgrullas.juntaex.es
Anreise:
Flug nach Madrid z. B. mit Lufthansa, anschließend Autobahn 5 ca. 260 km bis Guadalupe
Übernachten in Guadalupe:
Günstig wohnen:

Herberge des Königlichen Klosters von Guadalupe
www.hospederiaguadalupe.es
Parador de Guadalupe
www.parador.es/de/paradores/parador-de-guadalupe
Übernachten in Trujillo:
Luxuriös wohnen:

Palacio Santa Marta
www.eurostarshotels.de/eurostars-palacio-santa-marta.html
Günstig wohnen:
Parador de Trujillo
www.parador.es/de/paradores/parador-de-trujillo
Kranichsaison:
Mitte November bis Mitte Januar

 

Stefan Hippel

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