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Flüge auf das Dach der Welt: Zum Paragliden nach Nepal

Ein Land, bei dem man eigentlich eher an Trekking als an Gleitschirmfliegen denkt - 11.05.2019 08:00 Uhr

Oben ist unten und unten ist oben bei diesem Flug im Himalaya. © Flugschule Nürnberg


Erstmal sind die sechs Teilnehmer aber geschockt: Die Hauptstadt Kathmandu ist laut, staubig, voller Dunst und Autos. Der Verkehr ist chaotisch. Die Menschen dagegen sind freundlich und entspannt. Ein Kleinbus mit Fahrer ist schnell gefunden – sich selbst in Nepal hinters Steuer zu setzen, ist ein gewagtes Unterfangen: Es geht nach Pokhara, in die zweitgrößte Stadt des Landes. Die 200 Kilometer weite fahrt dauert ganze acht! Stunden.

Pokhara befindet in der Mitte Nepals, 80 km von Tibet und 70 km von Indien entfernt. Der Ort liegt nur auf 800 m Höhe, es gibt aber einen Hausberg, den Sarangkot, der gute Startbedingungen fürs Paragliden liefert.

Der herrliche Ausblick auf die Sieben- und Achttausender entschädigt für die lange Fahrt. Der Annapurna I mit 8091 m Höhe wird vom kleineren Machhapuchare (6993 m) ausgestochen – sein Anblick ist grandios. Zu Recht wird er das "Matterhorn Nepals" genannt. Der Blick geht hinunter zum Phewa-See, an dessen Ufer sich bunte Boote tummeln. Gegenüber auf dem Berg ist der Friedens-Stupa zu sehen, ein lohnenswertes Ausflugsziel.

Einheimische sitzen am Startplatz und filmen das Treiben der Paraglider mit Handys. Unser Start verläuft gut, der Wind passt. Wir sind nicht alleine, viele Schirme sind in der Luft. Der Landeplatz ist direkt am See, wer hier zum ersten Mal landet, hat ein mulmiges Gefühl. Schließlich gilt es, weder in den Reisfeldern noch im Wasser aufzusetzen. Unten gelandet, kommen junge Nepalesen angelaufen, die hilfsbereit den Schirm zusammenzulegen. In einigen Jahren, wenn sie alt genug sind, werden sie selbst von da oben starten und exzellente Paraglider werden.

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So wie Babu, Nepals Paraglider schlechthin. Als Erster bestieg er mit einem Freund mitsamt Tandem-Schirm den Mount Everest, um von dort oben mit dem Schirm abzugleiten. Stünde der Film dieses einmaligen Fluges nicht auf YouTube, man würde es nicht glauben. Das Zuhause von Babu ist auf unserer Reise das nächste Ziel. Er betreibt ein Guest House in der Region Sirkot, oben am Berg auf 1510 m Höhe. Nach vier Nächten in Pokhara wünschen wir uns Flüge abseits des Trubels.

Die abenteuerliche Fahrt mit dem Jeep dauert knapp vier Stunden; es ist schon dunkel, als wir ankommen. Wir sind hoch oben, über uns ein faszinierender Sternenhimmel. Es ist ruhig, still und sehr kalt. Goma, Babus Schwägerin, rät uns, morgens um 6 Uhr für den Sonnenaufgang aufzustehen.

Ausnahmslos alle sind am nächsten Morgen pünktlich draußen und warten auf das Schauspiel. Goma bringt Kaffee und Tee. Es ist noch kälter als am Abend, es dämmert. Und da! Der Himalaya. Majestätisch tauchen die Riesen aus dem Dunkel auf, zunehmend von der Sonne angestrahlt. Im Tal liegt Nebel.

Nach einer Stunde steht die Sonne am Himmel. Es gibt Frühstück und dann beginnt das Warten auf die Thermik. Gegen 11 Uhr brechen wir mit dem Jeep auf. Der Startplatz ist hügelig, aber dank des ausgezeichneten Windes bedarf es nur weniger Schritte und der Schirm trägt uns hinaus ins Tal. Der Himalaya liegt in einer seltenen Klarheit vor uns.

Frühstück in der Höhe vor einer gigantischen Bergkulisse.


Im Tal wartet der Fahrer am Landeplatz. Er bringt uns wieder hinauf zu Babu’s Place. So folgen weitere atemberaubende Flugtage. Zur Feier des letzten Abends gibt es ein Barbecue. Der Abreisetag endet mit einem Flug. Der Fahrer belädt den Jeep mit unserem Gepäck und fährt ihn ins Tal. Wir fliegen hinunter. Babu unterrichtet am Landeplatz Schweizer Flugschüler. Er verabschiedet uns mit den Worten "Bis nächstes Jahr!" – er hat das Leuchten in unseren Augen gesehen.

Zunächst geht es für eine Nacht zurück nach Pokhara, eigentliches Ziel ist aber Bandipur, wohin wir tags darauf starten. Bandipur ist eine alte Stadt, sehr malerisch und wirklich schön, auf halbem Weg nach Kathmandu. Benny verspricht uns tolle Flüge bei guten Startbedingungen. Diesmal sind wir ganz sportlich und tragen unsere Schirme selbst nach oben.

Bis die Thermik einsetzt bleibt Zeit, auch von hier aus die Kulisse des Himalaya zu bewundern. Das Dach der Welt - das ist es wahrlich!

Ohne Motor, ohne Antrieb, nur mit dem Wind gleiten wir durch die Luft, finden ausgezeichnete Thermik, die uns nach oben bis an die Wolkenbasis bringt. Der Blick gen Norden, hin zu den Bergen, ist nirgends schöner als hier oben.

Günstig wohnen: 

Babu‘s Place: www.babuadventure.com

Luxuriös wohnen:

Gaun Ghar Bandipur www.gaunghar.com

Nürnberger Flugschule:

 www.nuernberger-flugschule.de 

Anreise:

Ab München oder Frankfurt mit z. B. Emirates oder Etihat über Dubai oder Abu Dhabi.

Beste Reisezeit:

Februar/März und Oktober/November

ANJA MITTRA

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