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Bier, Salz und Kunst: Neue Rad-Touren in Oberbayern

In einer riesigen Schleife von Neuburg an der Donau bis Bad Reichenhall - 30.03.2019 08:00 Uhr

Am Ufer des Walchensees. Foto: TV Oberbayern


Die Beine schwingen locker durch, der Blick schweift etwas abseits auf prächtige Linden, erhabene Rotbuchen und immer wieder auch aufs Wasser. Auch die Gegend rund um den Chiemsee lockt Radfahrer an.

Kaum Steigungen, gut ausgebaute Wege, zahlreiche Orte und Naturschauspiele, um auch mal eine Rast mehr als nötig einzulegen. Wer mag, kann die drei neuen Wasser-Strecken verbinden, mit rund tausend Kilometern hat er dann aber auch ganz schön was zum Strampeln. Man kann die drei Thementouren aber natürlich auch einzeln abfahren.

Das südlichste Teilstück des Wasserradlwegs schweift erst kurz vor Garmisch-Partenkirchen in Richtung Alpen ab, ehe es übers idyllische Landsberg am Lech wieder gen Norden lenkt.

So viele Klöster und Kapellen wie nirgends sonst

Ob Frühlingserwachen, Sommertraum oder Herbstzauber. Stets gibt es viel zu entdecken: Südwestlich von München in Murnau etwa kann man Station bei Franz Marc mit seinen weltberühmten Werken machen, der Pfaffenwinkel hat eine einmalige Dichte an Klöstern und Kapellen. In Rosenheim stoßen Urlauber auf die Salzgeschichte der Stadt, von dort ist es ein Katzensprung nach Prien am Chiemsee. Den Steckerlfisch bekommt man hier fast überall. Die historische Bimmelbahn aus dem Jahr 1887 fährt immer noch dampfend und schnaufend durch den Ort bis dicht ans Ufer.

Haben Sie schon mal eine der beiden Inseln im Chiemsee am Abend besucht? Die meisten Touristen sind dann weg, und die Fahrt mit einem der kleinen Schiffe, die allesamt nach Familienmitgliedern des Bootsbesitzers benannt sind, macht Lust auf ein kleines Abenteuer. Die "Irmengard" schippert gemütlich über das Bayerische Meer, legt an der Fraueninsel an, und es eröffnet sich ein kleines Paradies. In einem der vielen Wirtshäuser mit eigener Brauerei wird noch ein bisserl geratscht, getrunken und gelacht. Aus den Stuben leuchtet das Licht auf die schmalen Wege, die sich durch die Idylle der Vorgärten hindurchschlängeln.

Abstecher zur ersten Pipeline der Welt

Die Stille in der prächtigen, aber nicht überbordend geschmückten Abtei wird von einem heranbrausenden Sturm gestört. Die nahende Dunkelheit zeichnet mystische Bilder in homogenen Farben, als die letzte Fähre um 21 Uhr in Richtung Festland abdreht.

Wir fahren zum "Klaushäusl" bei Grassau. Das kleine und auch für Kinder spannend gestaltete Museum "Salz & Moor" macht neugierig. Die lokale Geschichte wird dank der bestens erhaltenen Pumpstation an der ersten Pipeline der Welt lebendig. Seit 1619 führten Leitungen die damals so wertvolle Sole aus den Abbaugebieten bei Bad Reichenhall bis nach Rosenheim.

Gleich nebenan wird ein Relikt der Eiszeit erklärt — das nach der Abschmelzung der Chiemseegletscher entstandene Hochmoor. Die "Filzn", wie sie Einheimische nennen, ist ein Archiv der Vergangenheit. Rauschbeere, Latschenkiefer und Rosmarinheide gedeihen hier, aber das in aller Ruhe: Für einen Meter Wachstum benötigt das Moor tausend Jahre.

Mit dem "Salzmeier" durch die Altstadt

Eine Art Zeitreise erleben wir ein paar Kilometer weiter östlich in Traunstein. Der "Salzmeier" ruft hier in der Kluft des 18. Jahrhunderts zu Führungen durch die Altstadt mit ihren pittoresken Häusern. In der hiesigen Saline steht die größte Kapelle Deutschlands. Damals den Arbeitern vorbehalten, ist dieses Kleinod auch heute noch der Öffentlichkeit nicht zugänglich und lediglich speziellen Führungen oder Hochzeiten vorbehalten. Überall in der Stadt wird der lange Zeit so wichtige Salzhandel sichtbar: Jahrhunderte alte Holzpipelines sind zu bestaunen, aber auch Holzpfannen, in denen für die Produktion von etwa 80 Tonnen Salz 540 Ster Holz verschürt wurden.

Zurück über Rosenheim und München wartet der westlichste Punkt der Route "Kunst und Kultur" in Landsberg am Lech, wo der wilde Gebirgsstrom in vier Stufen gebändigt im Sommer etwas Abkühlung verschafft. Das Rad lassen wir an der von Heinrich dem Löwen erbauten Brücke stehen, erkunden die Altstadt mit ihren vielen kleinen Cafés unter den Spitzgiebeln.

Wir bewundern die Architektur und den Erhaltungszustand des geschwungenen Salzstadels, werden andächtig in der Stadtpfarrkirche, die Gotik und Barock vereint, und klettern nach einem Abstecher zum mittelalterlichen Marktplatz mit der Rokoko-Fassade des Rathauses hinauf zum Jungfernsprungturm. Im Dreißigjährigen Krieg sollen sich hier Mädchen vor den heranrückenden Schweden in den Tod gestürzt haben.

Mehr Informationen: www.oberbayern.de/wasserradlwege,
der diese Reise unterstützt hat.

  

Von Florian Pöhlmann

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