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"The Dead Don’t Die": Lethargisch in den Untergang

Mit "The Dead Don’t Die" versucht sich Regie-Ikone Jim Jarmusch am Zombiefilm – und verhebt sich - 13.06.2019 08:00 Uhr

Stehen der Zombie-Apokalypse, die ihre verschlafene Kleinstadt heimsucht, weitgehend hilflos gegenüber: Bill Murray, Chloë Sevigny und Adam Driver (von links nach rechts) als diensthabendes Polizei-Trio von Centerville. © Frederick Elmes/Focus Features


Das Thema stellte immer nur den Startpunkt und die Kulisse für Jarmuschs Philosophien auf das Leben. Jetzt hat der 66-Jährige eine Zombiekomödie gedreht – und sich sauber verhoben.

Ob bei George A. Romero, der das Genre 1968 (auf der Höhe der Anti-Vietnamkriegs-Demonstrationen) mit "Night of the Living Dead" definierte, oder bei der immens erfolgreichen TV-Serie "The Walking Dead", mit der das Thema endgültig im Mainstream angekommen ist – der Fokus im Zombie-Genre lag schon immer auf den Überlebenden: Wie verhalten sich Menschen, wenn die fragile Zivilisation, in der wir leben, aus allen Fugen gerät? Die Untoten sind in diesem Planspiel nur die Bedrohung im Hintergrund und sorgen für gruselige Schauwerte.

Gerade bei Romero, dem Vater des Genres, auf den sich Jarmusch in "The Dead Don’t Die" explizit bezieht, schwang stets auch viel Gesellschafts- und Kapitalismuskritik mit. Auch, dass die wandelnden Toten den letzten Echos aus ihrem irdischen Leben folgen, ist ein sattsam bekanntes Genre-Motiv. Wenn es Jarmuschs Zombies also nach "WiFi" dürstet statt nach "Brains" (Gehirnen) wie noch bei Romero, dann ist auch das wenig originell.

Wo "Dead Man" am Ende ein Anti-Western war, ist "The Dead Don’t Die" tatsächlich ein Zombiefilm geworden – ohne Story und ohne eine einzige neue Idee. Und das im zur Zeit ausgelutschtesten Filmgenre überhaupt, in dem zwischen Trash und Arthaus alles möglich ist...

Peu à peu werden die Protagonisten der fiktiven Kleinstadt Centerville ("A Real Nice Place", wie es auf dem Ortsschild heißt) vorgestellt und dann aufgefressen. Hier und da wird zwar ein wenig gekämpft, doch so richtig Widerstand gegen die mysteriöse Bedrohung rührt sich nicht in diesem charmanten Kuhkaff, das Jarmusch als Gleichnis auf das Trump-Amerika und überhaupt auf die allgemeine Weltlage anlegt. Es hängt eine Glocke der Lethargie über Centerville, selbst die Helden sind seltsam abgestumpft und ergeben sich ganz unamerikanisch ihrem Schicksal.

Nun durfte man bei Jim Jarmusch noch nie eine stringente Geschichte erwarten, zu sehr liebt der Regisseur das Spiel mit Brüchen und unterlaufenen Erwartungshaltungen. Diesmal arbeitet sich jedoch eine hochkarätige Besetzung (neben dem schon "Zombieland"-erfahrenen Bill Murray unter anderem Tilda Swinton, Steve Buscemi und Danny Glover, aber auch wieder viele Musiker wie Tom Waits, Iggy Popp, Selena Gomez und RZA) an einem Nicht-Skript ab.

105 Minuten lang passiert nichts. Die Spezialeffekte sind mau, die wenigen Gags schrecklich fade und aufgesetzt. Überhaupt wirkt "The Dead Don’t Die" wie ein Witz, der einmal zu oft erzählt wurde. Bei aller Verehrung für Jarmusch und sein Lebenswerk: Dieser Film taugt gar nix. (USA, 105 Minuten) 

Stefan Gnad

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