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"Rocketman": Das Leben ist ein Rock-Musical

"Rocketman" erzählt die berührende Lebensgeschichte des britischen Popstars Sir Elton - 31.05.2019 09:00 Uhr

Auf dem Höhepunkt seines Ruhms: Taron Egerton spielt Elton "Rocketman" John, der mit seinen Konzerten die Massen begeistert, im Grunde aber eine einsame Seele bleibt. © David Appleby/ Paramount


Reginald Kenneth Dwight, wie der Popstar mit bürgerlichem Namen heißt, hat darüber hinaus schon vorgesorgt, wie man ihn in Erinnerung behalten soll: Als extrem erfolgreichen "Rocketman", der am Ende seine Dämonen besiegt und seinen inneren Frieden gefunden hat.

Elton John, der dieses Jahr auch seine Autobiografie veröffentlichen will, hat den Film von Dexter Fletcher produziert. Erzählt wird das Drama eines begabten Kindes als kunterbuntes Musical, eine Heldengeschichte im Rock-Zeitalter. Also alles andere als eine furztrockene Biografie, in der alle Fakten und Daten stimmen.

Der Film beginnt mit dem Zusammenbruch des Pop-Helden auf der Höhe seines Ruhms: Ein durchgeknallter Paradiesvogel entschließt sich endlich zu einer Therapie, um sich von seiner lebensbedrohlichen Alkohol-, Drogen-, Tabletten-, Sex- und Kaufsucht zu befreien. Und ähnlich wie in einer Therapie arbeitet der "Rocketman" seine Vergangenheit auf, um eine Zukunftsperspektive zu entwickeln.

Hinreißender Soundtrack

Zum Glück will Dexter Fletcher aber kein psychologisch genaues Porträt von Elton John zeichnen, sondern seine atemberaubende Karriere mit Hilfe seiner Musik nacherzählen. Mit Taron Egerton hat er einen Hauptdarsteller gefunden, der nicht nur die nötige Glaubwürdigkeit, sondern auch die Stimme dazu hat. Der hinreißende Soundtrack mit den Hits von Elton John (von "Your Song" über "Crocodile Rock" bis "Bennie and The Jets") wurde neu eingespielt.

Dramaturgisch geschickt verbindet der Film biografische Stationen im Leben von Elton John mit dazu passenden Songs, auch wenn er dabei fast kein Klischee von Sex & Drugs & Rock ’n’ Roll auslässt. Die Grundthese ist simpel, kommt der Wahrheit aber womöglich nahe: Erfolg macht nicht glücklich – und die Verwandlung des schüchternen Außenseiters zum umschwärmten Superstar ist eine Folge seiner traurigen Kindheit. Elton John suchte die Liebe, die ihm seine herzlose Mutter und sein gefühlskalter Vater versagten, bei seinen Fans.

Der musikalisch hochbegabte, aber nicht besonders attraktive Junge verschafft sich Anerkennung als Pianist bei verschiedenen Bands, und kann so der häuslichen Enge entkommen. Die Freundschaft mit dem Textdichter Bernie Taupin markiert dann einen Wendepunkt: Elton schreibt die Musik zu Bernies Texten, und so entstehen in rascher Folge zahllose Welthits.

Den Durchbruch als Live-Entertainer schafft Elton John im legendären "Troubadour" in Los Angeles – eine der mitreißendsten Szenen des Films. Es folgt Eltons Neuerfindung als glitzerndes Pop-Chamäleon und sein Comingout als Homosexueller. Die Kehrseite von Ruhm und Reichtum bildet grenzenlose Einsamkeit, die sich weder von Alkohol noch Drogen zähmen lässt. Erst nach einem völligen Zusammenbruch findet der Popstar die Kraft für einen Neuanfang und sein spätes Glück. Da darf die selbstbewusst-trotzige Hymne aller vom Schicksal Gebeutelten nicht fehlen: "I’m Still Standing".

"Rocketman" hat das Zeug zum Musikfilm-Klassiker wie "The Rose", "Blues Brothers", "Amadeus" oder "Mamma Mia". Natürlich trägt er zur Legendenbildung bei. Wenn Reginald Kenneth Dwight sich schon längst endgültig zur Ruhe gesetzt hat, wird "Rocketman" immer noch um sein Leben spielen und die Fans berühren. (GB/121 Min.) 

Steffen Radlmaier

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