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"Klasse Deutsch": Schwere Sprache

Die Doku "Klasse Deutsch" begleitet geflüchtete Jugendliche - 16.05.2019 09:00 Uhr

Szene aus dem Schwarz-Weiß-Film "Klasse Deutsch". © W-Film


Doch wie funktioniert das in der Praxis? Dokumentarfilmer Florian Heinzen-Ziob verbrachte sechs Monate lang jeden Vormittag in der "Vorbereitungsklasse" der Kölner Henry-Ford-Realschule. Hier büffeln Schüler unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft täglich fünf Stunden lang Deutsch. Angeleitet werden sie von Lehrerin Ute Vecchio, die neben ihrer fachlichen Arbeit auch als Seelsorgerin gefragt ist: Denn für die meisten Kinder ist ungewiss, ob sie in Deutschland bleiben.

Meist bleibt die Kamera im Klassenzimmer. Aus leicht erhöhter Perspektive blicken wir auf immer gleiche Szenen: Vecchio, die geduldig im Einzelunterricht übt. Vecchio, die schimpft. Schüler, die sich beklagen. Interviews gibt es keine und über die Hintergründe der Personen erfahren wir nichts. Die Zuschauer sind aufgefordert, sich alles mehr oder minder selbst zusammenzureimen.

Dabei sind die Filmemacher nicht unsichtbar: Gerade die Jungs, die eher als Klassenclowns unterwegs sind, lugen immer wieder zur Kamera. Etwas merkwürdig ist auch die Entscheidung, den Film in Schwarz-Weiß zu zeigen. Das wirkt stilvoll, verschleiert aber die Realität: "Ein knallbuntes Klassenzimmer", so der Regisseur, "ist zu unruhig und lenkt ab." Warum die jungen Menschen an einem solchen Ort lernen sollen und beschimpft werden, wenn sie es nicht schaffen, wäre spannender zu erfahren, als eine weitere Gardinenpredigt von Frau Vecchio.

Am Freitag, 17. Mai kommt Florian Heinzen-Ziob zur 18-Uhr-Vorstellung ins Casablanca, Nürnberg. 

Peter Romir

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